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Ich bin so eine PR-Tante, und du?

Eine Personalchefin oder Kommunikationsdirektorin sind für ein Unternehmen genauso wichtig wie ein Chef-Controller oder der ITler. Im Sprachgebrauch drückt sich das nicht aus, Frauen werden zu Personaltanten. Wann ändert sich das endlich?

Müssen wir unsere Sprache ändern?

Wir haben Puppen oder Autos. Wir spielen Fußball oder tanzen. Wir mögen Rosa oder Blau. Wir sind bossy oder führen. Klar. Die Perspektive ist extrem. Aber ein Quäntchen Wahrheit ist dabei – wir leben mit der Gewissheit um unser Geschlecht. Und den Stereotypen, die dazu gehören. Das fiel auch dem 15-jährigen Briten Ed Holtom auf. Der britische Junge schrieb einen öffentlichen Brief, der sich über soziale Netzwerke verbreitete und den der Sunday Telegraph veröffentlichte. Seine These: Wir müssen unsere Sprache fundamental ändern. Wir dürfen nicht zulassen, dass uns das Geschlecht definiert. Kurzum, wir brauchen mehr, als nur das gleiche Gehalt oder die gleichen Chancen, um Gleichberechtigung zu erreichen.

Dürfen wir „girly“ sein?

In seinem Brief macht der Junge deutlich: Wenn wir wirklich Gleichberechtigung wollen, müssen wir unser Geschlecht ignorieren und aufhören miteinander zu konkurrieren. Wir müssen Stereotype wie „girly“ aus unserer Sprache verbannen. Er brachte mich zum Nachdenken. Und ich denke, er hat Recht. Mit Blick auf mein eigenes Umfeld machen seine Worte Sinn. In der männerdominierten Startup- und Tech-Szene, in der ich mich seit Jahren bewege, aber auch in der Agenturwelt und wahrscheinlich nicht nur da, werden bestimmte Jobs regelmäßig abgewertet und dabei zumeist Frauen zugeschrieben. Die Klassiker: Personal-Tanten und PR-Häschen.

Ich bin so eine PR-Tante, und du?

Manchmal bezeichnen sich Frauen sogar selbst so. Weil sie es gelernt haben oder weil sie sich nicht stark genug in ihrer Rolle und Position fühlen oder warum auch immer. Ja wieso eigentlich? Und Männer, die übernehmen diese Wortwahl natürlich, wenn wir Frauen diese Titel für uns akzeptieren. Ganze Berufsgruppen werden so degradiert. Fast klingt es, als müsste man sich schon vorab entschuldigen, wenn man nicht Entwickler, CFO oder Gründer ist. Fast klingt es, als wären PR, Kommunikation oder HR Nebensache für Unternehmen. Spaßberufe ohne Tiefgang.

Mehr als eine angestellte Medien-Tussi

Immer wieder begegnen mir diese Begriffe auf Konferenzen, wenn sich eine Runde verwundert fragt, was die zehn Prozent Frauen überhaupt als Gäste dort verloren hätten. Klar: Das sind die PR-Hasen. Seit ich selbst Gründerin bin, fällt mir die Absurdität dieser Sprache noch stärker auf. Denn auf einmal bin ich mehr als eine angestellte Medien-Tussi. Hinter dieser Sprache steckt ein ganz grundsätzlicher Denkfehler: Denn typisch weibliche Berufe im Personal- oder Kommunikationsbereich sind für Unternehmen genauso zentral, wie die Controller oder ITler. Sie legen die Basis für das Unternehmen, für die Mitarbeiterentwicklung oder die Außenwahrnehmung.

Wir sollten nachdenken darüber, wer wir sein wollen

Diese Sprache, die letztlich Ausdruck einer inneren Haltung ist, ist ein Problem für jede Frau, die ihre Karriere im Kommunikationsbereich macht. Wir sollten unsere Formulierungen deshalb besser überdenken. Männer und auch Frauen. Das größte Problem in der Gleichberechtigungsdebatte sind nämlich nicht die Unterschiede, sondern, dass wir nicht bereit sind, wirklich an ihnen zu arbeiten und sie regelmäßig zu hinterfragen und sie zu überdenken. Ignoranz ist der schlimmste Feind, wenn es um Veränderung geht. Deshalb halte ich es mit Ed Holtom: Wenn wir wirklich Gleichberechtigung wollen, müssen wir uns aktiv dafür entscheiden. Wir sollen uns nicht über das Geschlecht definieren. Sondern über das, was wir sein wollen.

Hinweis: Dieser Artikel erschien im Rahmen von Noras Kolumne „Die Frauenversteherin“ zuerst im Handelsblatt.

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