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Reese Witherspoon: „Wenn alle Frauen sich trauen, ehrgeizig zu sein, verändern wir die Welt”

Mit „Big little Lies” landete Reese Witherspoon 2017 einen Serienhit. In einem Essay für die amerikanische Glamour spricht sie nun über die ehrgeizige Frauen, die Filmbranche und Gleichberechtigung.

 

Von „Natürlich Blond” zu „Big little Lies”

Als Mensch, der in den 1990er und 2000er Jahren groß geworden ist, denke ich bei Reese Witherspoon als erstes immer noch an „Eiskalte Engel” und „Natürlich Blond”. Vor allem Letztere ist ein Film, der nur so von Vorurteilen, dafür umso weniger von Diversität strotzt. Und mit einer Hauptfigur besetzt, die all das munter bedient, während sie vermeintlich mit dem Klischee der „dummen Blonden” aufräumt – ein feministisches Manifest ist „Natürlich Blond” nicht. Auch wenn wir uns das für unsere Rechtfertigungs-Argumentation für „Revival-Filmabende” manchmal sehr wünschen würden.

Dass Reese Witherspoon dieser Rolle und all ihrer Plattheit allerdings längst entwachsen ist und einiges auf dem Kasten hat, hat sie spätestens mit „Walk the Line” und aktuell mit der Serie „Big Little Lies”, die sie selbst produzierte und die 16 Emmy-Nominierungen erhielt, unter Beweis gestellt. Überhaupt lohnt sich ein genaueres Hinschauen: 2017 und 2018 kommt sie mit zwei neuen Filmen in die Kinos, beide von Frauen gedreht. Sie hat ihre eigene Produktionsfirma und ist Mitinhaberin eines Unternehmens, das es sich zur Hauptaufgabe gemacht hat, Geschichten aus einer weiblichen Perspektive zu erzählen.

Ein Essay für all die ehrgeizigen Frauen da draußen 

Die Schauspielerin hat sich die Unterstützung von Frauen in der Filmbranche auf die Fahnen geschrieben. Und das hat sie gerade einmal mehr unter Beweis gestellt: in einem ausführlichen Essay für die Amerikanische Glamour. Darin geht es ihr vor allem um die Position von Frauen im Filmbusiness, weiblichen Ehrgeiz und die kritische Haltung, mit der die Gesellschaft diese immer noch häufig betrachtet:

„Was zur Hölle ist falsch daran, ehrgeizig zu sein? Ich war mein ganzes Leben lang ehrgeizig. Tatsächlich erinnere ich mich lebhaft daran, wie ich meinem Lehrer in der dritten Klasse erzählt habe, dass ich die erste weibliche Präsidentin der USA werden will.”

Für die Oscar-Preisträgerin ist Ehrgeiz, „einfach ein Ansporn in deinem Inneren – es bedeutet, Neugier und eine neue Idee und die Leidenschaft sie zu verfolgen.” Sie beschreibt die vielen Erfolge, die Schauspielerinnen in starken weiblichen Rollen in den letzten Jahren verbuchen konnten, geht aber auch ehrlich mit ihrer Frustration um. Sie beschreibt, wie sie sich immer völlig hoffnungslos fühlte, wenn sie sah, mit welchen Hürden Frauen immer noch kämpfen müssen. Dabei geht sie auf den weiter vorhandenen Gender-Pay-Gap sowie die Demonstrationen für Rechte ein, für die Frauen schon vor 45 Jahren auf die Straße gegangen sind und stellt eine sehr simple, aber anscheinend immer noch nicht weitreichend bekannte Tatsache fest: 

„Man kann unseren Kindern, unserem Land oder unserer Zukunft nicht helfen, wenn man sich nicht um Frauen kümmert.”

Für Reese Witherspoon ist das Glas halbvoll 

Und trotzdem, ist und bleibt Reese Witherspoon eine Person, für die das Glas halbvoll ist. Denn, so führt sie aus, noch nie war sie an Sets von so vielen Frauen wie heute umgeben. Sie spricht über beeindruckende Kolleginnen, über neue Superheldinnen, über Diversität und über den Erfolg, den all diese Projekte verzeichnen. Speziell den ihrer Serie „Big little Lies” nimmt sie zum Anlass, um aufzuzeigen, dass auch männliche Zuschauer an Geschichten aus einer weiblichen Perspektive interessiert sind: Nahezu die Hälfte der achteinhalb Millionen Zuschauer der ersten Staffel waren, laut Witherspoon, männlich. Da geht also auch das letzte Argument gegen mehr weibliche Erzählperspektiven flöten.

Trotzdem ist sich die 41-Jährige im Klaren darüber, dass es immer noch viel zu tun gibt in der Filmbranche – für Frauen allgemein und für nicht-weiße Frauen im Besonderen. Dort gilt es vor allem in unser aller Bewusstsein noch einiges zu verändern. Als Beispiel führt sie selbstkritisch einen Dialog zwischen ihr und Mindy Kaling, einer amerikanischen Schauspielerin mit indischen Wurzeln an:

„Als ich Mindy Kaling fragte: ,Wirst du niemals müde, dir immer deine eigenen Rollen schaffen zu müssen?’, antworte sie: ,Reese, ich hatte noch nie etwas, das ich nicht selbst erschaffen habe.’ Ich dachte: Wow, für diese Frage fühle ich mich nun wie ein Idiotin; es gab immer wieder Rollen, die mir einfach so zuflogen. Ich kann mir nicht vorstellen, wie schwer es sein muss, deine eigenen Rollen zu schreiben und gleichzeitig das Bild der Leute, was nicht-weiße Frauen in der heutigen Gesellschaft sind, zu ändern.”

Und genau da setzt Reese Witherspoon mit ihrem Ratschlag für alle Frauen an

„Alles was wir tun können, um Veränderung möglich zu machen, ist es hart zu arbeiten. Das ist mein Ratschlag: Tue einfach das, was du tust gut.”

Support your local Girlgang 

Sie spricht darüber, wie wichtig es ist, dass Frauen sich gegenseitig unterstützen, dass sie gegen die Stigmatisierung von ehrgeizigen Frauen im Job, aber auch in der Erziehung ihrer Kinder ankämpfen, dass sie ein Umfeld finden und kreieren, in dem Frauen in ihren Ambitionen unterstützt werden, egal ob im Film, in der Politik oder im Alltag. Und wenn dieses Umfeld nicht gegeben ist, müssen wir dieses eben verlassen:

„Es gibt keinen Grund, sich zu quälen und seine Ambitionen für Leute zu verschwenden, die deine Stärken nicht zu schätzen wissen.”

Genau das gleiche gilt für die Schauspielerin übrigens auch für Männer:

„Verlasse den Mann, der mit deinem Ehrgeiz nicht umgehen kann. Renn.”

Das Gleiche gilt natürlich für jeden Lebenspartner, egal ob Mann oder Frau. Sie schließt damit, dass es genug Männer gibt, die Ehrgeiz sexy finden. Aber das sollte uns wahrscheinlich auch einfach völlig egal sein. Viel wichtiger sollte uns sein – und das sieht auch die Schauspielerin so – dass wir unseren Teil dazu beitragen, das Vorurteil, dass eine Frau mit Leidenschaft und Ehrgeiz automatisch egoistisch ist, endlich zu überwinden.

Am Ende ihres Essays stellt Reese Witherspoon die Frage, mit der sie ihren Text begonnen hat – und gibt sich selbst die Antwort darauf: 

„Was würde passieren, wenn wir alle Frauen darin bestärken würden, ein bisschen ehrgeiziger zu sein? Ich glaube, die Welt würde sich verändern.”

Auch wenn man sich sicherlich klarmachen sollte, dass die Schauspielerin all das aus einer sehr privilegierten Position analysiert und die Welt nicht immer und für alle Frauen so leicht veränderbar ist, können wir uns ihrer Botschaft dennoch nur anschließen. Denn gemeinsam können wir die Welt tatsächlich zu einem besseren Ort machen – vor allem wenn wir dabei für die Frauen mitkämpfen, die es nicht aus eigener Kraft können.

Das gesamte Essay könnt ihr hier lesen. 

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