Foto: Laura Chouette | Unsplash

„Same body, different pose“: Schlanke Frauen in vermeintlich unvorteilhaften Posen bleiben schlanke Frauen

Menschen mit normschönen, schlanken Körpern zeigen auf Instagram, dass sie in „ungünstiger Pose“ auch vermeintlich unvorteilhaft aussehen können. Das ist nicht ansatzweise so feministisch, wie sie denken. Ein Kommentar

Same body, different pose heißt ein Fototrend, der seit ein paar Wochen auf Instagram kursiert. Oder auch: Hauptsächlich dünne Frauen posieren in zwei unterschiedlichen Posen und stellen diese nebeneinander. Einmal mit eingezogenem Bauch und durchgestrecktem Rücken, sodass sie möglichst schlank und rank wirken, aka: die Instagram-Inszenierung. Dem gegenüber stellen sie eine zweite Aufnahme von sich: immer noch eine dünne Frau, aber bisschen Bauch rausgedrückt, Beine zusammen und – für alle, die den Unterschied nicht erkennen – bestenfalls extra noch mal mit „Reality“ betitelt.

Zugegeben, der Grundgedanke hinter dieser Flut an Instagram-vs.-Reality-Bildern ist kein schlechter. Eigentlich wollen uns all diese Frauen sagen: Leute, was ihr auf Instagram seht, ist nicht alles echt. Die schicken Fotos entstehen nur durch gekonntes Posen. Auch wir dünnen, sportlichen Menschen haben Fettzonen und sehen anders aus, wenn wir uns anders hinstellen. Well, surprise! Letztlich handelt es sich aber einfach nur um dünne Frauen, die auf beiden Bildern dünn aussehen, aber Lob für ihren Mut bekommen und Komplimente erhalten, weil sie – na klar – auf beiden einfach sehr normschön aussehen.

Es liegt eben nicht nur an der Pose

Was diese Frauen aber nicht sagen: Überhaupt unterschiedliche Posen einnehmen zu können, setzt bereits ein bestimmtes Körperbild voraus. So stellt auch die Instagrammerin @danielleisanxious in einem Post fest: „Die Wahrheit ist, mein Körper wird diese Posen niemals nachstellen können, weil ich nicht schlank bin. Ich kann nicht einfach nur anders posen, um eine Thigh Gap zu bekommen. Ich kann meine Unterwäsche nicht strategisch positionieren, um eine dünnere Taille zu haben. (…) Mein Körper sorgt dafür, dass ,unterschiedliche‘ Posen gleich aussehen. Ich werde fett wirken, so oder so.“ Sie könne die Abscheu, die ihrem Körper entgegengebracht werde, nicht einfach „wegposieren“.

Während sich dünne Frauen dafür feiern, auch ihr – aus ihrer Sicht – „unschönes Ich“ zu zeigen und hoffen, damit auch andere Frauen zu empowern, betonen sie letztlich nur wieder ein Schönheitsbild, von dem wir uns eigentlich endlich verabschieden sollten, nämlich das der schlanken, sportlichen Frau. Ja, in der sexistischen, rassistischen Gesellschaft, in der wir leben, haben natürlich auch diese Frauen mit Unsicherheiten und Komplexen zu kämpfen, auch sie unterliegen gewaltvollen Schönheitsidealen. Jedoch brechen sie nicht mit diesen Idealen, sie reproduzieren sie und verkaufen sie als bodypositive.

Alles andere als empowernd

Die Bloggerin @radicalsoftness__ hat der Problematik einen ganzen Post gewidmet, in dem sie auf das sogenannte thin privilege eben solcher Frauen aufmerksam macht, das Privileg, eine normschöne Figur zu haben: „Es bedeutet, dass du von der Gesellschaft nicht wegen deines Körpers diskriminiert wirst.“ Obwohl sie weiß, dass unabhängig des Körpertyps jeder mit ebendiesem unzufrieden sein und solche Fotos auch eine Befreiung darstellen können, stört sie vor allem die Art, wie sich schlanke Frauen des Diskurses bemächtigt haben: „Bitte drückt nicht extra Fettpolster raus. Die hat jeder beim Sitzen. Versucht nicht, irgendeinen Makel zu finden und diesen dann zu zeigen, nur um beim aktuellen Body-positivity-Trend mitzumachen.“

Diese Form der Selbstdarstellung schlanker, normschöner Frauen ist toxisch und tatsächlich überhaupt nicht empowernd. Sie ist bloß eine weitere gewaltvolle Manifestation dessen, wie ein Köper nun auch noch „unvorteilhaft“ auszusehen hat.

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Habt ihr ein thin privilege? Hier eine kleine Checkliste: – Sagen Ärzt*innen zu dir, dass bestimmt dein Gewicht schuld ist an deinen gesundheitlichen Problemen? – Gibt es in Klamottenläden meistens nicht deine Größe? – Sagt man zu dir öfter „Aber dein Gesicht ist echt schön!“ (Und meint: Dein Körper weniger) – Denken andere Menschen oft von dir, dass du wegen deines Aussehens faul bist? – Musst du im Flugzeug wegen deines Gewichts mehr zahlen? – Musst du dich im Flugzeug in einen Sitz quetschen bzw. passt dieser nicht? – Wirst du beobachtet oder verurteilend angesehen, wenn du in der Öffentlichkeit isst? – Wird dein Körpertyp in den Medien als „Pandemie“ bezeichnet? – Verdrehen Menschen die Augen, wenn du dich im Bus neben sie setzen willst? – Werden dir ständig ungefragt Abnehmtipps gegeben? —> Nein? Trifft alles nicht zu? Herzlichen Glückwunsch, you have thin privilege! Was bedeutet das nun? Es bedeutet NICHT, dass du dich dünn fühlen (musst) oder, dass du nicht mit deinem Körper struggelst. Es bedeutet auch nicht, dass du dich deshalb wohl in deinem Körper fühlst oder du keine Probleme damit hast, ihn zu zeigen. Du fühlst was du fühlst und jede*r kann unabhängig des Körpertyps mit seinem*ihrem Körper struggeln. 👉🏼 Es bedeutet, dass du von der Gesellschaft nicht wegen deines Körpers diskriminiert wirst. Dass dich oben genannte Punkte, unabhängig von deinem eigenen Gefühl zu deinem Körper, nicht betreffen. So, und warum habe ich das jetzt gesagt? Weil mich diese ganzen Posts mit den extra rausgedrückten Fettpolsterchen nerven. Und weil diese Menschen, welche nicht ins thin privilege fallen, absolut nicht helfen. Sogar im Gegenteil. Versteht mich nicht falsch. Ich feiere es, wenn ihr euren Körper zeigt, wie er ist! Ich feiere es, dass ihr euch traut ihn real zu zeigen, wenn ihr schon lange Probleme hattet. Das kann, unabhängig vom Gewicht, ein riesen Schritt für euch persönlich sein. Aber bitte drückt nicht extra Fettpolster raus. Die hat jede*r beim sitzen. Versucht nicht irgendeinen Makel zu finden und diesen dann zu zeigen nur um beim aktuellen „bodypositivity“ Trend mitzumachen. 👇🏽

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Der Originaltext von Elif Küçük und Milena Zwerenz ist bei unserem Kooperationspartner ze.tt erschienen. Hier könnt ihr ze.tt auf Facebook folgen.

  1. ….meine Gesundheitlichen Probleme wurden auch auf mein Gewicht bezogen – wurde mit nem BMI von 19 von der Ärztin 3 mal gefragt ob ich esse…. von anderen Menschen kommt es auch hin und wieder. Wenn ich etwas nicht essen mag, oder sage dass ich es nicht vertrage, werde ich beäugt. Esse ich nicht auf, wird es kommentiert usw.
    Natürlich Luxusprobleme…. aber Shaming gibt es überall… könnte man insgesamt mal abstellen.

  2. ?! Was soll das denn? Zitat:Während sich dünne Frauen dafür feiern, auch ihr – aus ihrer Sicht – „unschönes Ich“ zu zeigen und hoffen, damit auch andere Frauen zu empowern, betonen sie letztlich nur wieder ein Schönheitsbild, von dem wir uns von dem wir uns …eigentlich endlich verabschieden sollten, nämlich das der schlanken, sportlichen Frau.
    Dann sollten wir uns wohl vom Bild einer etwas fülligeren Frau auch verabschieden, warum sollten sich dünne Frauen „verstecken“ und nicht auch ihre unschönen Seiten zeigen, die es sehr wohl aus bei schlanken Frauen gibt! Außerdem sind die meisten fülligeren Frauen an ihrer Form meistens selbst“schuld“ so es durch miese Gene oder eben eine schlechte Ernährung, die Ernährung ist nun mal das A&O.

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