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Schlafen ist das neue Joggen: In den USA boomt die „Sleep Economy“

Neuestes Trendthema auf dem Markt der Selbstoptimierung: Unser Schlaf. Vorreiterin der „Schlaf-Revolution“ ist Arianna Huffington. Mirjam Hecking von unserem Partner Manager Magazin hat sich angesehen, welche teils skurrilen Auswüchse es beim Thema „gesunder Schlaf für die Mitarbeiter“ gibt.

Übermüdung in den Händen geschäftstüchtiger Unternehmen

Nach der Selbstvermessung, der Optimierung von Nahrungsaufnahme und Fitness haben US-Unternehmen nun ein neues Feld entdeckt, mit dem sich gut Geld verdienen lässt. „Workplace fatigue“ – was klingt wie eine neumodische Krankheit, ist an sich nichts Neues, sondern klassische Übermüdung. Doch in den Händen von geschäftstüchtigen Unternehmern hat das Phänomen das Potenzial zum neuen Umsatztreiber.

Neu entdeckt hat das an sich alte Phänomen der Unausgeschlafenheit die US-Autorin und Huffington-Post-Gründerin Arianna Huffington. Sie hat dem Problem Schlafmangel ein ganzes Buch gewidmet, nachdem sie vor einigen Jahren völlig überarbeitet zusammengebrochen war und sich dabei den Kieferknochen gebrochen hatte.

Auf 400 Seiten warnt sie in „The Sleep Revolution“ angesichts stetiger Erreichbarkeit durch Smartphones und der Angst, etwas zu verpassen, vor einer grassierenden Schlafentzugskrise mit desaströsen Folgen für die Gesellschaft. Und fordert, dem Schlafen wieder mehr Bedeutung einzuräumen.

Obwohl von Kritikern als eher mittelmäßig bewertet (das Buch bringt es gerade einmal auf 3,5 von 5 Amazon-Sternen), tingelt die Autorin damit durch die Medien und hat sich mit einer ganzen Phalanx von Unternehmen zusammengetan, die von der neuen „Sleep Economy“ profitieren wollen.

Denn dass sich mit dem neuen Schlafbewusstsein jede Menge Geld verdienen lässt und das Ganze zudem image-förderlich ist, haben viele Firmen bereits erkannt. Und sind mit Huffington einen teils kurios anmutenden Pakt eingegangen.

Warum der Uber-Chef auch bei der Schlafrevolution mitmacht

Ein Unternehmer, der ebenfalls unter die Schlafrevolutzer gegangen ist, ist Travis Kalanick. Der für seine rabiaten Managementmethoden bekannte Uber-Chef hat offenbar seine ruhige Seite entdeckt und verfasst mit Huffington – die neuerdings auch Mitglied im Uber-Board ist – sogar Artikel, in denen die beiden vor den Gefahren des übermüdeten Fahrens warnen.

Während Toyota im Rahmen von Huffingtons Pro-Schlaf-Feldzug tausende kostenlose Nachtfahrten sponsort, will Uber an dem neuen Trend lieber gutes Geld verdienen. Schließlich, so die Idee, können Unternehmen Mitarbeitern, die bis spät in die Nacht arbeiten, ja die Uber-Fahrt nach Hause zahlen.

In manchen Städten können Kunden aber zumindest auf Schlaf-Goodie-Bags hoffen, die von sensibilisierten Uber-Fahrern verteilt werden sollen.

Alles wird vermessen

Deutlich naheliegender ist da schon die Kooperation mit dem Fitnessbandhersteller Jawbone. In der Hoffnung, dass der von der Publizistin ausgerufenen Trend ordentlich Nachfrage nach Schlaftrackern generiert, spendet Jawbone offenbar Hunderte der Tracker für eine #Sleeprevolution-Collegetour, auf der Studenten auf die Bedeutung ausreichenden Schlafens für die Gesundheit hingewiesen werden sollen.

Schlafen in der Kapsel

Auch die US-Billigairline Jet Blue ist als Partner bei der Schlafrevolution mit von der Partie. So eröffnete die Airline kürzlich am New Yorker JFK-Flughafen mehrere mit Entspannungsmusik beschallte Metro-Nap-Schlafkapseln. Darin können Reisende vor dem Abflug auf dem Airport noch ein kleines Power-Nickerchen nehmen. Ist das zu Ende, weckt einen das überdimensionierte Schlaf-Ei mit einer Mischung aus Vibrationen, Musik und Licht.

Zusammen mit Huffington veranstaltete die Airline zudem eine Diskussionsveranstaltung samt anschließendem Flug, bei der das Thema Schlafen öffentlichkeitswirksam thematisiert wurde und Huffington adrett mit Jet-Blue-Schlafmaske posierte.

Matratzenhorchdienst 3.0

Ein weiterer Sponsor der College-Tour, mit dem die von Huffington gegründete Huffington Post sogar einen mehrjährigen Sponsoring-Vertrag eingegangen ist, ist der Matratzenhersteller Sleep Number.

Der ehemalige Matratzen-Direkvertriebler hatte im vergangenen Jahr das Smart-Bed-Unternehmen SleepIQ LABS aus dem Silicon Valley übernommen. Und verkauft nun Matratzen, auf die man nicht nur sein Haupt betten kann, sondern die zudem noch Bewegung, Atmung und Herzfrequenz ihrer Nutzer überwachen.

Was griechisches Essen mit Schlafen zu tun hat

Auch der Zimmervermittler AirBnB will von der Schlafrevolution zumindest medial profitieren. Damit das klappt, können Nutzer an einem Wettbewerb teilnehmen. Hauptgewinn: Eine Übernachtung in Huffingtons Apartment in Soho samt Schlafberatung der Autorin und griechischem Essen. Gyros und Moussaka sollte aber da wohl besser nicht auf dem Menü stehen.

Marriot: Instagram-Wettbewerb um die besten Schlafplätze

Auch die Hotelkette Marriott zählt zu Huffingtons Geschäftspartnern und veranstaltet einen Instagram-Wettbewerb, bei dem diejenigen Nutzer mit den besten Bildern ihrer beliebtesten Schlafplätze Übernachtungsgutscheine der Hotelkette gewinnen können.

Was Matratzenüberzüge mit gesundem Schlaf zu tun haben

Darüber hinaus sind weitere Massen an Unternehmen auf den Schlaf-Zug aufgesprungen, in der Hoffnung auf der #Sleeprevololution-Tour neue, vielversprechende Kunden zu gewinnen.

Von Kleiderversendern über Hersteller von Tees, Matratzenüberzügen, Nahrungsergänzungsmitteln, Raum-Parfüms, Klamotten, Kopfhörern, Kosmetik, Schreibwaren bis hin zu Inneneinrichtern und Meditationsanbietern reicht die Liste der Firmen, die mit der selbst erklärten „Schlaf-Evangelistin“ bei der Schlafrevolution gemeinsame Sache machen.

Ziemlich viel Ablenkung für ein simples Grundbedürfnis. Einfach gut schlafen.

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