Foto: Bader Hotel

Teil eines Teams

Alle duzen sich, Aufgaben werden geteilt, Kommunikation findet auf Augenhöhe statt. In ihrem Hotel setzt Monika Hobmeier auf einen schwedischen Führungsstil. Denn mit diesem hat sie während eines längeren Schwedenaufenthaltes sehr positive Erfahrungen gemacht.

 

In der deutschen Hotellerie herrscht eine hohe Fluktuation. Grund dafür sind nicht nur die langen Arbeitszeiten inklusive Wochenende und Feiertage oder die niedrige Bezahlung. Zusätzlich kommen viele Mitarbeiter nicht damit klar, dass recht rau mit ihnen umgegangen wird. Problematisch ist auch die klare Hierarchie zwischen den Chefs, die bestimmen, und den Mitarbeitern, die deren Anweisungen kommentarlos ausführen. Ein Teamspirit entsteht dabei nicht, auch wenn er verordnet wird. Während meiner Ausbildung und in den ersten Berufsjahren war das alles für mich der Normalzustand, mit dem ich mich arrangieren musste.

Umso angenehmer fand ich die Verhältnisse in Schweden, wo ich vier Jahre lang mit meinem Mann gelebt und gearbeitet habe. Dienstleistung ist dort so teuer und wichtig, dass in der Hotelbranche niemand ausgenutzt wird und bis in den Fünfsterne-Bereich der Selbstbedienungs-Gedanke stärker ausgeprägt ist. Weil man alle bis auf den König duzt und ebenso offen wie respektvoll miteinander kommuniziert, gibt es viel weniger Profilierungsdenken. Es ist die Normalität, dass Mann und Frau Vollzeit arbeiten. Frauen in Führungspositionen gehören in Schweden einfach zum Alltag. Entsprechend schwer wäre es mir gefallen, nach meiner Rückkehr wieder in der deutschen Hotellerie zu arbeiten. Aber da es dort kaum Teilzeitmodelle gibt, hätte ich das als Mutter unseres ersten Kindes ohnehin nicht in Betracht gezogen. Flexibler war da eine große Versicherung, in deren Event-Abteilung ich eine Stelle mit reduzierter Stundenzahl bekam. Sehr zu schätzen wusste ich dort auch den freundlichen Umgang miteinander. Außerdem konnte ich Aufgaben im Projekt-Management kennenlernen, was mir total gut gefallen und mich in meinem Wunsch bestärkt hat, etwas Eigenes aufzubauen.

Mit dem Bader Hotel, das Anfang 2015 in Parsdorf bei München eröffnet hat, konnte ich das in die Tat umsetzen. An Skandinavien erinnert dort nicht nur die puristisch-klare Einrichtung mit viel Holz und hellen Tönen. Sondern auch unser Miteinander, zu dem das Duzen genauso gehört wie die gegenseitige Unterstützung in allen Aufgabenbereichen. Anfänglich hatte ich ein schönes Büro, in dem ich mich aber zu weit vom Schuss gefühlt habe. Jetzt sitze ich direkt hinter der Rezeption in einem kleinen Raum, bekomme alles mit und kann jederzeit einspringen – vom Frühstücksservice bis zur Bar am Abend. Insgesamt fühle ich mich als Teil eines Teams aus insgesamt zehn Frauen, in dem sowohl Positives als auch Negatives möglichst direkt geklärt wird, und jede Einzelne
Verantwortung übernimmt. Unser Team ist weltoffen, jeder begegnet jedem mit
Respekt und auf Augenhöhe. Erfreulicherweise ist die Rückmeldung der Gäste entsprechend. Denn alle scheinen zu spüren, wie sehr wir uns alle mit unserer Aufgabe identifizieren. Immer wieder wird das angenehme Ambiente, die gute Stimmung gelobt. Auch wenn wir ein starkes Team sind, braucht es eine klare Linie und Vorgaben, an denen sich alle ausrichten – auch ich. Selbst anzupacken ist mir dabei sehr wichtig. Teil des Ganzen zu sein und dabei operative Exzellenz täglich erneut unter Beweis zu stellen, sehe ich als einen wesentlichen Faktor unseres Erfolges. Am Ende geht es vor allem um Glaubwürdigkeit, Respekt und Toleranz. Hier im Hotel beweisen wir jeden Tag, dass wir diese Werte leben – ein spannender Prozess.

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