Foto: Maria Hensel

Und wann öffnest du deine Augen?

Ein Appell an unsere Vernunft

 

Unser aller Alltag bestimmen viele Gedanken, Probleme, Sorgen, Gelüste, Entbehrungen. Es lebt sich wie auf einem Rummel, auf dem sich jedes einzelne Karussell zu schnell dreht, die Musik zu laut ist und die Lichter zu grell sind. Dabei kann sich schnell der gesellschaftliche Druck und Vorwurf entwickeln: Du weißt gar nicht, was du willst. 

Doch ist es nicht das, was den Menschen eigentlich ausmachen sollte? Zu wissen, was er will, wer er ist, was er brauch? Sich seiner selbst bewusst sein, reflektiert zu sein und überlegt?

Schaue ich mir unsere heutige Gesellschaft an, erlebe ich auf der einen Seite Ströme der Oberflächlichkeit und des Überflusses, auf der anderen Seite die wachsende Spiritualität und Sinnsuche. Das Leben läuft in den Bahnen des Konsums, den vorgegebenen Lebensstilen im Schoße der Bequemlichkeit oder im Ausredenwahn „Ich habe so wenig Zeit!“. Was vielleicht jeder einzelne vergessen hat? Sich selbst zu fragen: Was mache ich hier eigentlich? Warum lebe ich? Warum bin ich?

Ich musste erst an die Grenzen meiner Gesundheit stoßen, um mir diese Fragen zu stellen. Aber heute bin ich dankbar dafür, dass es soweit kam. Und aus heutiger Perpektive kann ich auch beurteilen, dass es soweit kommen musste.

Der wachsende Trend des Minimalismus hat mich erreicht, als ich noch gar nicht wusste, dass es ihn gibt. Dabei ging es bei mit nicht darum, meinen Schrank auszumisten, sondern mein Leben. Die Basis war das Kennenlernen meiner Person. Schon komisch, wenn man mit 30 Jahren anfängt, sich selbst kennenzulernen? Ich kappte Beziehungen, ich klärte Angelegenheiten mit klaren Worten, ich habe gelernt, ehrlich zu sein – nicht nur zu mir, sondern auch anderen gegenüber, was nicht heißen soll, dass ich gelogen habe. Ich habe ausgesprochen, was ich los werden musste. Ich verabschiedete mich von Aktivitäten in meinem Leben. Nein, ich will das nicht mehr machen. Nein, ich mag diese Art der Gesellschaft nicht und darüber nochmals nachdenken brauche ich auch nicht. Und überhaupt! Lass das jetzt, ich brauche Ruhe und nicht diese Belanglosigkeiten.

Diesem inneren Ruf, ein anderes Konsumverhalten zu etablieren, habe ich auch. Denn viel zu unterhalten, ist Balast. Das fing zunächst bei meiner Nahrung an und reichte weiter über den Verkauf meines Autos. Essen und Trinken, was ich brauche und liebe – vorbei an Aufforderungen anderer: „Was willst du mit dieser Möhre?“ oder „Ich habe das extra für dich gekocht!“ lassen mich immer mehr kalt. Diese Haltung fördert noch heute meinen sich weiter anpassenden Lebensstil, der sich auch auf mein restliches Konsumverhalten gelegt hat: wachsam, überlegt, aber mitfühlend und verzeihend – in erster Linie mir selbst gegenüber. Mit Egoismus hat diese Überlegung durchaus zu tun, aber in positiver Art. Wer sich selbst nicht liebt, kann andere nicht lieben.

Ich habe es geschafft, das Spüren wiederzulernen und meine Bedürfnisse, die auf Zufriedenheit ausgerichtet sind, formulieren zu können, was den Minimalismus wieder ins Spiel bringt. Wenn ich Dinge „konsumiere“, Kleidung, Nahrung, zwischenmenschliche Beziehungen, Bücher, Schlaf etc., dann hangele ich mich an meinen Bedürfnissen entlang. Das Resultat wird sein, dass ich weniger brauche: keine 500 Fakefreunde in Social Networks, keine 20 schwarzen Handtaschen, nicht jeden Tag ein fettes Steak, nicht die neuste Yogamatte und nicht einmal in der Woche einen 12-Stunden-Schlaf, weil ich gestresst und übermüdet bin.

Fange an, dir selbst zu vertrauen und in dich hineinzuhören. Du bist dir selbst am nähsten und machst dadurch die Welt zu einem minimalistischen Ort.

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