Foto: Vreni Frost | neverever.me

Vreni Frost: „Ich bin gerne Inspiration“

Der Schritt in die Selbständigkeit kann Unsicherheit hervorrufen. Die Bloggerin Vreni Frost hat er beflügelt.

 

Disziplin und Mut sind der Schlüssel

Vreni Frost hat mit ihrem digitalen Zuhause neverever ein erfolgreiches Blog hochgezogen. Warum es sie glücklich machte, auch neben einem Vollzeitjob die Wochenenden mit Arbeit zu füllen, welche Fragen sich gestellt werden sollten, bevor man sich mit einem Blog selbstständig macht und wieso sie keine Vorbilder hat, hat sie uns erzählt.

Du hast als Markenberaterin gearbeitet und dabei sicher in der Regel mehr als 40 Stunde die Woche bei der Arbeit verbracht. Wie kam es dazu, dass du nebenher noch mit dem Bloggen begonnen hast?

„Das Blog begann ich in meiner Zeit als Volontärin bei einer Mode-PR-Agentur. Ich habe einen kreativen Ausgleich gebraucht, der mich auch weiterhin mit der Mode vernetzt. Meine Schwäche ist Routine, da gehe ich über kurz oder lang ein. Wenn ich mich kreativ entfalten kann, bin ich umso leistungsfähiger und auch glücklicher.“

Wie gut lassen sich Vollzeitstelle und Bloggen miteinander vereinbaren?

„Offiziell hatte ich eine 32 Stunden Woche, den Freitag habe ich – so gut es ging – komplett für das Blog verwendet. Auch die Abendstunden und das Wochenende sind oft beim Tippen und Fotografieren verflogen. Zu Beginn lief das sehr gut, aber je erfolgreicher das Blog wurde, desto mehr bin ich in die Bredouille mit meiner Zeit gekommen. Und irgendwann musste ich mich entscheiden und wagte den Schritt zur Vollzeit-Bloggerin. Der Weg war anfangs recht steinig, aber jetzt ist er wundervoll geebnet.“

Dein digitales Zuhause nennt sich neverever. Wofür steht das?

„Ich stelle nevers und evers vor, also Sachen, die ich schlimm und solche, die ich großartig finde. Es überwiegt jedoch das Großartige.“

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Für viele ist es ein Traum, sich als Bloggerin selbstständig zu machen. Was sind drei Fragen, die man sich aus deiner Sicht vor diesem Schritt unbedingt stellen sollte?

„Die wichtigste aller Fragen ist: Kann ich selbstständig glücklich sein oder brauche ich die Sicherheit einer Festanstellung? Das war bei mir leicht beantwortet. Frage Numero zwei: Habe ich die Disziplin, mein eigener Chef zu sein? Ich kenne das gut, läuft es mal nicht so rund und ist die Motivation im Keller, dann prokrastiniert man ganz schnell vor sich hin. Die dritte Frage ist: Wie realistisch sind meine Chancen, es zu schaffen? Es ist ja nicht so, dass einem die Firmen Budget hinterher schmeißen, nur weil man ein Blog hat. Da gehört Akquise dazu, ein professionelles Auftreten, Buchhaltung und und und. Gerade weil der Beruf Blogger noch überhaupt nicht etabliert ist, geschweige denn ernst genommen wird, muss man sich hier umso mehr reinhängen.“

Wie wichtig ist es, als Blogger selbst zur Marke zu werden?

„Das ist ein schwieriges Thema. Sobald ich mit meinem Style für etwas stehe und mich oft zeige, dann macht das durchaus Sinn. Wenn die Leute beispielsweise bei mir sehen, dass ein neuer Vrenistyle online ist, wissen sie genau, dass irgendetwas Bunt-Verrücktes wartet. Wenn ich aber eher Modenews einbinde, dann muss ich auch hier etwas finden, mit dem ich heraussteche. Ein Grund, warum die Leser auf meine Seite klicken. In dieser Masse an wunderschönen und talentierten Bloggern einzigartig zu sein ist schwer, aber nicht unmöglich!“

Deine Looks werden gern geklickt. Siehst du dich als Stil-Vorbild?

„Auf keinen Fall bin ich Stil-Vorbild. Ich selbst habe keinerlei Vorbilder, noch nie gehabt – außer vielleicht meinen Papa – aber das auch nur wegen seines unglaublich tollen Wesens und nicht wegen seines Schrankinhalts. Ich bin gerne Inspiration und freue mich, wenn ich Leute dazu anrege, sich modisch mehr zu trauen. Meine Inspiration ist mein Leben, die Menschen, die ich treffe, die Farben, die ich liebe, und die Zeilen, die ich lese.

 

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Was sind deine absoluten Mode-Essentials für den Herbst?

„Für mich persönlich sind es meine Dr. Martens in diversen Farbvarianten, dicke rote Riesenschals sowie zahlreiche Mützen, die ich mir unter anderem gerade aus New York mitgebracht habe.“

Dein Blog hat gerade einen Relaunch hinter sich. Wo geht die Reise in Zukunft hin?

„Wenn ich das wüsste, wäre es langweilig. Ich arbeite als Vollzeit-Bloggerin viel professioneller, was meine Bildsprache angeht. Hier bin ich gerade schwer am ackern und das kostet mich ganz schön Zeit. Glücklicherweise kann ich mittlerweile Menschen dafür bezahlen, damit sie mir ein wenig Arbeit abnehmen. So habe ich einen Fotografen und zwei tolle Schreiberlinge an der Hand. Neue Themen wie Living und Reise kamen hinzu. Der Anspruch ist, jeden Tag mindestens einen Post zu bringen, aber auch das gelingt nicht immer. Ich bin oft unterwegs, in zwei Wochen erkunde ich zum Beispiel Marrakesch. Da warten so viele großartige Geschichten, dass ich die Füße gar nicht stillhalten kann. Um es jetzt mal cheesy auszudrücken: Das Ziel ist der Weg.“

Classy trifft lässig

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1. Karierter Mantel von Cinque 2. Schluppenbluse von Blacky Dress, Boyfriend-Jeans von Campus, 4. Schnürer von Dr. Martens, 5. Tasche von The Cambridge Satchel Company, 6. Nagellack von O.P.I., 7. Auffällige Kette von Topshop.

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