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7 Dinge, die viele nach einer Kündigung bereuen

Hat man einen Job aus Überzeugung gekündigt, kommen häufig erstmal Freude und Erleichterung auf – und dann nicht selten auch ein paar Zweifel. Hätte man vielleicht doch ein paar Dinge anders machen sollen?

 

Vor der Kündigung hätte ich besser ….

Soll ich gehen oder doch besser bleiben? Vor dieser Frage stehen wir innerhalb unseres Berufslebens immer wieder und vielen fällt es schwer, dabei eine Entscheidung zu treffen. Kein Wunder, schließlich kündigt man in der Regel nicht den Job (und die Kolleginnen sowie Kollegen), sondern einen Vorgesetzten. Es ist also nie alles schlecht. Deshalb kommen Fragen und Ängste auf, wie: Finde ich überhaupt etwas Besseres, oder komme ich vom Regen in die Traufe? Und kann ich in einem anderen Umfeld oder auch in der Selbstständigkeit überhaupt bestehen – habe ich die Skills, die „da draußen“ erwartet werden?

All diese Ängste sind legitim und doch sollte man sie sich sehr genau anschauen und versuchen, sie objektiv zu bewerten. Übrigens ebenso, wie den Wunsch, zu kündigen und sich ganz ehrlich die Frage zu stellen: Macht mich eine Kündigung und ein neuer Job wirklich glücklicher? So sagte uns etwa die Karriereberaterin Madeleine Leitner über das Gefühl, im aktuellen Job nicht mehr aufgehoben zu sein: „Die größte Kunst ist es, die eigentlichen Ursachen herauszufinden, damit man hinterher nicht das falsche Problem löst.“ Klingt simpel und doch betreut sie häufig Klienten, für die ein Jobwechsel nicht den erwünschten Effekt hatte. Es ist also wichtig, vor einer Kündigung herauszufinden, warum man gehen möchte und welcher Schritt dann wichtig ist: Will ich einen ganz anderen Beruf, weil mein jetziger nicht (mehr) zu zu mir passt oder reicht ein neuer Job, weil ich mit gewissen Strukturen oder der Unternehmenskultur unzufrieden bin?

Was aber, wenn die Kündigung definitiv der richtige Schritt war – und man hinterher doch etwas bereut? Nun, damit plagen sich gar nicht so wenige Menschen, denn nur weil ein Wechsel richtig war, hat man in seiner vorangegangenen Position vielleicht trotzdem auch ein paar Fehler gemacht oder Dinge versäumt. Was nach einer Kündigung aus ihrer Erfahrung besonders häufig bereut wird, hat die Gründerin Robin Camarot für Inc aufgeschrieben. Wir haben uns das angesehen und ergänzt, welche Aspekte man noch durchdenken sollte, bevor die Kündigung eingereicht wird.

Netzwerk, Zeit und frustriertes Aussitzen

1. Das Netzwerk nicht ausgeschöpft zu haben

Jeder Job bringt eine neue Chance für ein erweitertes oder aber auch ein ganz neues Netzwerk mit sich. Aber diese Chance muss man auch nutzen und während der Zeit im Unternehmen gezielt angehen. Viele ärgern sich nach einer Kündigung darüber, dass sie hier einige wichtige Kontakte nicht gut ausgebaut haben oder überhaupt nicht mit bestimmten Personen ins Gespräch gekommen sind – ob inner- oder außerhalb des Unternehmens, für das sie gearbeitet haben.

2. Ungeklärte Konflikte im Team

In jedem Unternehmen gibt es hier und da Konflikte unter Kollegen, meist sind das eher harmlose Geschichten, die aus einem stressigen Tag entstehen, manchmal geht der Konflikt aber auch auch wesentlich tiefer – und in diesem Fall ist man sicher vor allem froh, entsprechende Personen nicht wieder zu sehen. Sollte es sich aber um die harmlose Variante handeln, ist es wichtig, sich vor einer Kündigung mit den Kolleginnen und Kollegen auszusprechen, um einen „sauberen“ Abschluss für sich selbst zu finden. Meist hat sich der Streit sowieso nicht gelohnt – und wer weiß, vielleicht begegnet man sich mal wieder?

3. Probleme ausgesessen statt geklärt

Es gibt viele Gründe für eine Kündigung, aber meist ist es einfach eine große Unzufriedenheit, die aus vielen kleinen Dingen über die Zeit heranwächst. Und es ist ärgerlich, wenn man einen Job in dem Bewusstsein hinter sich lässt, dass man viele der kleinen Dinge einfach hätte ansprechen und angehen müssen, statt darauf zu warten, dass sich alles von alleine ändert – und so die Situation irgendwann eskaliert ist. Habe ich etwa wirklich deutlich eingefordert, dass ich mir wünsche, regelmäßig im Home Office zu arbeiten, Stunden reduzieren oder aufstocken will, bestimmte Strukturen schwierig im Alltag sind oder aber ganz klar gesagt, dass ich aufsteigen möchte? Oder denke ich nur, dass das allen klar sein sollte – das sind Fragen, die man sich unbedingt vor einer Kündigung stellen sollte.

4. Die Zeit im Job verschwendet

Oft fällt einem erst hinterher auf, wenn man wieder klarer auf den alten Joballtag schauen kann, wie viel Spielraum man eigentlich dafür gehabt hätte, mehr aus der eigenen Position herauszuholen. Gab es Projekte, die ich eben doch hätte angehen können, Kunden, die spannend gewesen wären oder einen neuen Teilbereich, der meine schon vorhandenen Aufgaben super ergänzt hätten? Stattdessen hat man vielleicht die Zeit einfach nur noch frustriert und gelangweilt abgesessen und so Zeit vergeudet, die man wirklich hätte nutzen können, um etwas anzustoßen.

5. Die Angebote nicht genutzt

Worüber man sich auch richtig ärgern kann? Die (sinnvollen) Weiterbildungsangebote des vorherigen Arbeitgebers nicht genutzt zu haben. Camarot berichtet etwa davon, dass von den zahlreichen Angeboten, die sie in ihrem Unternehmen hat, nur eine Handvoll Mitarbeiter Gebrauch machen. Schade eigentlich, gerade für die Mitarbeiter – nutzt was da ist, denn tatsächlich sind auch Weiterbildungen in Unternehmen nicht selbstverständlich.

Was man noch bereuen könnte:

6. Das neue Jobangebot nicht richtig geprüft zu haben

Wer in der guten Position ist, mit einem neuen Jobangebot in der Hinterhand zu kündigen, sollte sich nach der Freude darüber trotzdem gut mit der potenziellen neuen Stelle auseinandersetzen. Ist das wirklich, was ich will? Ist das eine Position und ein Unternehmen, mit dem ich für mich den richtigen nächsten Schritt mache – oder ist es vor allem ein Mittel zum Zweck, um den Absprung machen zu können? Beides kann natürlich ein gutes Argument für einen neuen Job sein, nur sollte man sich ehrlich damit auseinandersetzen, um hinterher nicht unglücklicher dazusitzen als zuvor.

7. Zu lange ausgehalten zu haben

Manchmal geht man zu früh, und manchmal hat man den Schritt endlich gewagt und bereut einfach nur, dass man das nicht schon viel früher gemacht hat. Was für eine Verschwendung von (Lebens-)Zeit! Stimmt, unser Leben ist zu kurz für einen Job, der uns unglücklich macht – und doch bringt es jetzt nichts, lange mit sich zu hadern. Die gute Erkenntnis ist doch: Man sollte sich selbst in Zukunft besser in diesen Fragen vertrauen.

Es bleibt zu sagen: Ja, man sollte sich eine Kündigung immer gut überlegen – ganz besonders, wenn man nicht in der guten Position ist, ein finanzielles Polster zu haben. Aber eben auch, weil eine Kündigung nicht immer die richtige bzw. sinnvollste Entscheidung ist, sondern die Probleme eigentlich woanders liegen. Aber hat man das alles durchgekaut und kommt immer noch zu dem Entschluss, dass eine Kündigung das Beste ist: Los! Denn irgendwann geht ein Job, der wirklich unglücklich macht, an die Substanz und kann ernsthaft krankmachen. Aber schön wäre ja, wenn man hinterher so wenig wie möglich bereuen muss.

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