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Wie ich mich in einen australischen Cowboy verliebte und warum ich darüber ein Buch schrieb.

 

„Dann buche einen Flug und komm her.“ Ich starrte das Display meines Handys an und merkte, wie mir das Herz bis zum Hals schlug. Meine große Liebe, ein australischer Cowboy, mit dem ich in den Snowy Mountains gelebt hatte, lud mich nach Jahren ein, ihn zu besuchen.

„Du lernst so einen Crocodile Dundee kennen und kommst nicht zurück“. 

Das hatte eine Freundin damals zu mir gesagt, als ich zu meiner Reise aufbrach, die mich von Wiesbaden über Lateinamerika – wo ich in Hilfsprojekten arbeitete und Spanisch lernte – bis nach Neuseeland und Australien führen sollte. Wo ich Jack begegnete. Ich werde unser erstes Aufeinandertreffen nie vergessen. 

Es gibt Menschen, denen begegnet man nicht. Mit denen kollidiert man. 

Und zwar mit der Energie fahrender Hochgeschwindigkeitszüge. Ich hatte noch etwa zwei Sekunden bis zum Aufprall, als ich in seine Richtung lief. Das wusste ich da allerdings noch nicht.

„Eigentlich könnte der sich ja mal von der Tür wegbewegen, um mir mit dem Rucksack zu helfen“, waberte mir ein schlecht gelaunter Gedanke durch mein, vom Alkohol, noch schmerzendes Hirn. Ich hatte gerade in Sydney Silvester gefeiert. 

Er trug Jeans, Cowboystiefel und eines dieser dunkelblauen Schaf Scherer Hemden, unter dem sich die Muskeln abzeichneten und einen Akubra Hut auf einem dichten, dunklen Haarschopf.

Als ich weiter auf ihn zuging, traf mich ein Blick aus leuchtend violett blauen Laseraugen, unter schwarzen Wimpern, die länger waren als meine eigenen. Und mir schossen plötzlich absurde Gedanken durch den Kopf.

„Die Augenfarbe kann unmöglich echt sein, das sind Kontaktlinsen. Ich komme mir vor wie in einer Filmkulisse. Irgendwie „Denn sie wissen nicht was sie tun.“ Wie alt ist der eigentlich? Und warum interessierte mich das plötzlich brennend? Der Dreitagebart ist sexy. Der ist ja kleiner als ich…“

Meine Hormone, die wochenlang vor sich hingedämmert hatten, waren plötzlich hellwach.

„Das ist doch völlig egal. Guck dir mal das Grübchen an. Der Kerl sieht verdammt gut aus.“
Jubilierten sie und tanzten Samba.

Ruhe da drin, wies ich sie böse zurecht. Aber stimmt, er hatte eines. Und ein süffisantes Grinsen im Gesicht, als ich direkt vor ihm stand und er immer noch lässig über der Tür lehnte, ohne sich zu rühren. Ich knallte ihm den Rucksack vor die Füße.

„Hi, I´m Jeanette…Happy New Year. And don´t bother to help me.“
Er schob den Akubra zurück und das Grinsen wurde breiter, als er mich von oben bis unten musterte.

„G´day, beautiful…“

Der Rest ist Geschichte. 

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Und über diese Geschichte habe ich mein Buch geschrieben.

Ich erzähle von meinen Abenteuern, vor allem aber auch von der Zeit danach. Davon, wie das alles mein Leben drastisch verändert hat. Warum ich gezwungen war mich und mein Leben komplett in Frage zu stellen und mich neu auszurichten. 

Eine Leserin schrieb: „Du schreibst total lustig und emotional und ich habe das Gefühl als wäre ich dabei. Ich fand es auch super interessant, wie dich die Reise verändert hat, was du gelernt hast und wie du dann dein Leben ganz neu ausgerichtet hast…ich bin gespannt wie es im nächsten Kapitel weiter geht, wenn du wieder zurück gehst…“

Ich hatte in den Jahren seit meiner Rückkehr mehrmals versucht das Buch zu schreiben. Immerhin hatte ich damals ein Online Tagebuch mit vielen Lesern – einen der ersten Reise Blogs überhaupt. 

Zudem hatte ich ein sehr detailliertes, handschriftliches Tagebuch geschrieben. Im Blog kamen die nicht jugendfreien Details natürlich nicht vor. Die Familie las ja mit. Und hunderte andere Leute. Was ich erst merkte, als mir wildfremde Leute schrieben und fragten, wann ich denn bitte endlich weiterschreiben würde.

Da dämmerte mir, dass sich mein Bericht verdammt weit verbreitet hatte.

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Jedes Mal aber, wenn ich die Tagebücher Jahre später aufklappte, brach ich in Tränen aus und klappte sie schnell wieder zu.

Ich habe lange gebraucht um einigermaßen zu verarbeiten, was passiert war.  

Und dann, Jahre später, schickte mir also mein Ex-Freund eine Einladung.

Und Fotos, von einem schönen Haus, mitten im Busch. 

„Wie schön. Ich bekomme Heimweh.“ tippte ich.

„Dann buche einen Flug und komm her.“

Ich starrte den Bildschirm an.

„Ist das dein Ernst?“

„Ja, buche den Flug!“

Ich dachte 20 Minuten darüber nach, griff nach meiner Kreditkarte und buchte einen Flug. 

Ich hatte gar keine Wahl. Ich musste zurück. 

Denn ich war damals feige gewesen.
Und ich hatte beschlossen nie wieder feige zu sein.

Allerdings buchte ich einen Abflugtermin in sieben Monaten, um im Frühling in Australien anzukommen. 

Ich beschloss in der Zeit ein Buch zu schreiben.

Dafür gab es zwei Gründe. 

Erstens hätte ich immerhin ein Buch in Händen, wenn mir alles um die Ohren fliegen sollte.

Zweitens wollte ich emotional einigermaßen aufgeräumt dort ankommen. Das Buch zu schreiben war eine gute Art, mich mit Allem, was passiert war, noch einmal auseinander zu setzen.

Was mir das Schreiben des Buches brachte

Das größte Geschenk, das mir das Buch gab, war zu merken, wie man Schreiben nutzen kann, um mutiger zu werden.

Schreiben hilft dabei:

  • Den Kopf zu sortieren
  • Du hörst auf dich selbst zu veräppeln, weil du Dinge beim Namen nennen musst
  • Du reflektierst beim Schreiben und veränderst dadurch die Perspektive
  • Du kannst emotionalen Schmerz aufarbeiten
  • Du kommst aus dem Kopfkarussell heraus
  • Du bringst Dinge zu Papier statt sie jemandem an den Kopf zu knallen. 
  • Du hörst auf Dinge zu verdrängen wenn du diese schwarz auf weiß vor dir siehst
  • Schreiben zwingt dich auf den Punkt zu kommen

Dann war es soweit. Ich flog für vier Wochen zu meiner großen Liebe zurück. An den Ort in den australischen Snowy Mountains, an dem meine Seele zuhause gewesen war.

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