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Wo bist du hin, Höflichkeit?

Mach das, sei pünktlich, hilf mir! Aufforderungen formulieren – das kann euer Umfeld. Aber wann hat euch das letzte Mal jemand eine nette Frage gestellt? Ich wünsche mir mehr Fragezeichen! Damit endlich wieder Höflichkeit in euren Alltag einkehren kann.

 

„Ach, du fährst deinen Sohn zum Fußball? Nimm doch meinen gleich mit!“ Puh, ich kann solche hübsch verklausulierten Befehle einfach nicht mehr hören! Wo eine höfliche Frage stehen sollte, tritt ein aufdringliches Ausrufezeichen ans Satzende.

Ja, ich weiß, in der Bewerbung sind „hätte“, „könnte“ und „würde“ längst out. Den Konjunktiv gleich ganz aus dem Sprachschatz zu verbannen, ist allerdings nicht nur übertrieben, sondern kostet pure Höflichkeit im Umgang miteinander.

Wenn ihr also mal wieder höflich um einen Gefallen gebeten werden möchtet, dann beruft euch auf die Fragezeichen in der Kommunikation!

Frage oder Forderung?

Es ist mittlerweile zu einer gesellschaftlichen Unsitte geworden, dass viele Menschen immer mehr fordern. Gerade wenn ihr ihnen schon entgegenkommt, nehmen sie statt des kleinen Fingers die ganze Hand. Dann heißt es schnell: „Wenn Sie am Wochenende ohnehin arbeiten, machen Sie doch die zweite Präsentation auch gleich fertig!“ Oder: „Wenn du eh einkaufen gehst, bring gleich noch mehr Käse mit!“
Fordern anstatt zu fragen, Ausrufezeichen um sich zu werfen statt Höflichkeit walten zu lassen – diese „Tugenden“ sind so selbstverständlich geworden, dass sie im Sprachgebrauch kaum noch auffallen. Gegen sie anzugehen, erfordert daher oft zunächst ein bisschen Training fürs Gehör: Hört genau hin, wie euer Umfeld mit euch kommuniziert – und achtet dabei am besten auch gleich mal darauf, wie ihr um einen Gefallen bittet. Ist die Höflichkeit im Spiel oder mischen sich doch freche Forderungen ins tägliche Doing?

Höflichkeit ist keine Einbahnstraße

Wenn ihr die Kommunikationsmuster in eurem Umfeld für euch klar herausgestellt habt, könnt ihr passend darauf reagieren. Denn unterschwellige Forderungen erkennt ihr dann, bevor sie euch wie ein Brett am Hinterkopf treffen. Und mit dieser nötigen Vorbereitung könnt ihr eine wichtige Sache vermeiden: Ihr werdet Forderungen mit einem Ausrufezeichen am Ende nie mehr unkommentiert runterschlucken.
Stattdessen könnt ihr echte Fragen einfordern, wo die Höflichkeit sie gebietet. In etwa so: „Wenn ich Sie bitte, mich anzurufen, dann finde ich das ungewöhnlich, den Ball zurückzuspielen.“ Das war nämlich meine Reaktion, als ein Gesprächspartner mich nicht, wie vereinbart, anrief, sondern eine E-Mail ohne Betreff in mein Postfach flatterte: „Ich bin jetzt zu erreichen“. Zwischen den Zeilen stand: Ruf mich an!
Ganz wichtig dabei: immer höflich bleiben. Denn Höflichkeit ist keine Einbahnstraße. Reagiert also ruhig, sachlich, aber bestimmt auf die Forderungen eurer Mitmenschen.

Mehr Fragezeichen? Kein Problem!

Höflichkeit einzufordern, ist enorm wichtig. Es geht dabei ja auch um euren Selbstschutz. Ob ihr die Bitte dann letztlich ablehnt oder nicht, ist eine andere Frage. Aber wenn ihr höflich mit „Könntest du …?“ gebeten werdet, ist eure Bereitschaft, einmal auszuhelfen, doch gleich viel höher.

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