Woher die Kraft nehmen, wenn nicht stehlen?!

Viel habe ich in den vergangenen Wochen und Monaten über Krisen gelesen. Am Ende ging es immer ein wenig bergauf, wie das berühmt berüchtigte Licht am Ende des Tunnels, man muss aus der Krise Kraft schöpfen, sich ja nicht unterkriegen lassen, dann wird man gestärkt, quasi neugeboren aus ebendieser hervorgehen damit sich anschließend alles in Wohlgefallen auflösen kann.

 

Welch ein Quatsch! Der ein oder andere mag mich nun als
absoluten Pessimisten ausmachen und ja, vielleicht bin ich das auch, besser
gesagt, geworden. Nach einer Zeit im Ausland kam ich nach Deutschland zurück,
voller Hoffnung, möglichst schnell wieder einen neuen Job zu finden. Nach
Studium, Praktika und erste Jobs und nun dazu noch Berufserfahrung im Ausland, befand
ich mich selber als recht akzeptabel um auf dem Arbeitsmarkt wieder einsteigen
zu können. Die Wochen strichen ins Land und meine positive Einstellung
verflüchtigte sich wie die welken Blätter im Herbst. Ich begann eine
Weiterbildung, ergatterte anschließend meinen vermeintlichen Traumjob um nur 3
Monate später wieder arbeitslos auf der Straße zu stehen. Mein angeblicher
Traumjob, auf den ich seit mehr als 3 Jahren heimlich ein Auge geworfen hatte,
entpuppte sich leider als absoluter Albtraumjob.

Da stand ich nun kaum ein paar Monate später wieder an der
gleichen Stelle, dieses Mal gesellte sich zu den Zweifeln auch noch die nackte
Panik vor der erneuten Jobsuche. Was ist wenn ich keinen neuen Job bekomme oder
ich die Probezeit wieder nicht bestehe? Wie soll es weitergehen? Ich bin Mitte
30, da nimmt mich doch so oder so keiner mehr. Ich schrieb mir die Finger wund,
machte abermals eine Weiterbildung, doch die Selbstzweifel und die Angst erlangten
mit jedem verstreichenden Tag immer häufiger die Oberhand. Es gibt Tage, da gebe ich innerlich
auf, ziehe mich in mein kleines Schneckenhaus zurück und ergebe mich den lauten
Rufen, die mich immer wieder darauf hinweisen, dass ich nichts kann und es doch
das Beste ist, einfach die Waffen niederzustrecken.

Doch es gibt auch Tage voller Elan, wo ich glücklich darüber
bin, gesund zu sein, Familie und Freunde zu haben und in einem friedlichen Land
leben zu dürfen. Ich schreibe Bewerbungen, habe Gespräche, nur um am Ende doch
wieder eine Absage zu bekommen, weil mir in dem Bereich, in dem ich nun
arbeiten möchte, die Expertise fehlt. Woher soll ich diese jedoch bekommen,
wenn einem keiner eine Chance gibt? Woher die Motivation nehmen, sich immer
wieder aufs Vortrefflichste zu präsentieren, wenn auf der einen Schulter der
Selbstzweifel sitzt und auf der anderen die nackte Angst? Sind meine Erwartungen
zu hoch, sollte ich mich einfach mit irgendeinem Job zufrieden geben? Wie kann
es sein, dass mir mal die Welt offen stand und ich nun das Gefühl habe, in eben
dieser zu ertrinken?

Dieser Text wird leider mit keinem berauschenden Licht am Ende des Tunnels
enden, denn derzeit gibt es kein Licht. Doch ich kämpfe weiter, auch wenn ich mich hin und wieder auf dem Schlachtfeld des Lebens hinsetzen muss, kurz
ausruhen, zweifeln, sich ängstigen um dann doch wieder mit lautem Gebrüll
meinen Dämonen gegenüber zu treten. Wir werden schon sehen, wer am Ende siegt,
einer von uns wird es mit Sicherheit sein!

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