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Zwölf Gründerinnen aus Deutschland mit Millionen-Finanzierungen

Gründerinnen sind noch immer in der Unterzahl. Aber es gibt immer mehr Frauen, die gründen und Millionen Euro bekommen. Diese Frauen muss man kennen.

 

Startuplandschaft: Wo sind all die Frauen?

Als ich 2011 bei Gründerszene als Redaktionleiterin anfing, war eines recht schnell klar: Auf den Konferenzen und in meinen Interviews werde ich Frauen eher selten treffen. Frauen gründen wesentlich seltener als Männer – vor allem im Internet- und Techumfeld. Die wenigen Frauen unter den Gründern wurden oft von Konferenz zu Konferenz geladen. Das hat sich in den vergangenen vier Jahren kaum geändert. Die Zahlen liegen bei etwa zehn Prozent weiblichen Gründerinnen.

Gefühlt bewegt sich in der Startupszene jedoch langsam doch etwas. Initiativen wie Verena Pausders „Ladies Dinner“ oder die „Berlin Geekettes“ von Jess Erickson und Denise Philipp haben die Gründerinnen untereinander stärker vernetzt und das verändert einiges. Weil alle nun aus dem Effeff zig Gründerinnen nennen können und das die Präsenz erhöht. Und weil die Gründerinnen nicht erfolgreich sind, weil sie Frauen sind, sondern weil sie gute Ideen und Geschäftssinn verbinden.

Austausch unter Gründern ist entscheidend

Ich selbst war vor vier Jahren noch recht skeptisch, wenn es um Gründerinnen-Listen, Gründerinnen-Abende und Gründerinnen-Konferenzen ging. Bis mir klar wurde, dass es vielen Frauen unglaublich viel bringt, sich mit Gründerinnen auszutauschen, Erfahrungen zu teilen. Mir selbst haben in unserer Gründungsphase Männer und Frauen gleichermaßen geholfen. Aber für viele Frauen, die vorher vielleicht noch nicht in der Startupszene waren, scheint der Gesprächsstart mit anderen Frauen einfacher. Der Austausch mit anderen Gründern ist für mich einer der zentralsten Punkte. Sich mit einer erfahrenen Gründerin oder einem Gründer einen Mentor zu suchen, kann ein entscheidener Erfolgsfaktor sein. Denn viele Fehler hat der Mentor selbst schon einmal gemacht.

Eine weitere Sorge vieler Gründerinnen ist das Thema Finanzierung. Ein Kernthema für alle Startup-Gründer, die Fremdkapital aufnehmen müssen oder wollen, um ihre Idee umzusetzen. Klar ist, die Investorensuche ist für jeden ein großes und zeitintensives Thema. Allerdings ganz unabhängig vom Geschlecht.

Zwölf Gründerinnen, die jeder aus dem Effeff kennen sollte

Hier kommen in jedem Fall unsere zwölf Gründerinnen aus Deutschland mit einer Finanzierung von mehr als einer Million Euro. Die Liste ist kein Ranking und sie ist nicht vollständig. Die Gründerinnen stehen beispielhaft für viele Frauen, die die Startupszene prägen.

Dagmar Mahnel – Windeln.de

Das Windeln.de-Team Alexander Brand, Dagmar Mahnel und Konstantin Urban. Dagmar Mahnel gründete 2009 gemeinsam mit Konstantin Urban und Alexander Brand Windeln.de. Davor war die Gründerin rund zwölf Jahre bei Wrigley in München, um die Marketingaktivitäten von Kaugummi-Produkten zu managen. Dreifache Mama ist sie auch, was für ihr Unternehmen sicher ganz gut ist. Seit der Gründung nahm das Unternehmen insgesamt mehr als 30 Millionen Euro auf. Zu den Investoren gehören DB Private Equity, eine Tochter der Deutschen Bank, DN Capital und Acton Capital Partners. Nach dem Erfolg von Rocket Internet und Zalando zog es am 6. Mai auch Windeln.de an die Börse. Die Bewertung zum Börsenstart lag bei fast 500 Millionen Euro. 211 Millionen Euro will das Münchener Unternehmen so einsammeln. Im vergangenen Jahr hat sich der Umsatz von Windeln.de mit 101 Millionen Euro mehr als verdoppelt.

Franziska von Hardenberg – Bloomy Days

Blumen. Das war schon immer die Leidenschaft von Franziska von Hardenberg. Ganz alleine und mit Hilfe der Crowd gründete Franziska 2012 Bloomy Days. Das Berliner Startup hat inzwischen 30 Mitarbeiter. Ihren früheren engsten Mitarbeiter macht sie zum CFO und Mit-Geschäftsführer. Im letzten September sammelte Franziska den ersten Teil einer Serie-A-Finanzierung (Business-Angel-Finanzierung, Seed-Finanzierung, Series A, Series B…) ein, im Dezember 2014 folgte die zweite Hälfte. Rund 60 Gespräche mit Investoren musste die Hamburgerin, die nun in Berlin wohnt, führen, bis sie das Millioneninvestment abschließen konnte. Zu ihren Investoren gehören unter anderem Christophe Maire, Otto Capital sowie die Intan Group. „Natürlich waren es aufreibende Monate, man muss hartnäckig bleiben, verstehen, wie die einzelnen Investoren ticken“, verriet sie im Gespräch mit uns.

Claudia Helming – DaWanda

Fünf Millionen Mitglieder, 15.000 Produkte pro Tag. Nach dem US-Vorbild Etsy gründete Claudia Helming 2006 gemeinsam mit Michael Pütz die Do-It-Yourself-Plattform DaWanda. Damals gab Holtzbrinck Ventures 150.000 Euro für die Idee. Als Claudia vor neun Jahren in Berlin gründete, war sie noch eine Art Pionierin, Berlin damals noch weit weg davon, Startup-Hauptstadt zu sein. Im Januar 2015 übernahm nach mehreren Finanzierungsrunden der New Yorker VC Insight Venture Partners die Mehrheit an dem DIY-Marktplatz. Insgesamt konnte DaWanda einen zweistelligen Millionenbetrag einsammeln. Claudia Helming ist noch immer Geschäftsführerin und hat 160 Mitarbeiter.

Verena Pausder – Fox & Sheep

Mit 20 gründete Verena Pausder das erste Mal – eine Sushi-Bar, gemeinsam mit ihrer Schwester in ihrer Heimat Bielefeld. Mit Mitte 20 zog es sie dann in die Internet-Gründer-Szene. Verena war eine der ersten Frauen, die sich in der Startup-Szene einen Namen machten. Sie leitete das Games-Startup Goodbeans, das unter anderem von Rocket Internet finanziert wurde. 2011 steckte das Startup in einer strategischen Krise. Daraus hat sie unglaublich viel mitgenommen, erzählte Verena in vielen Interviews. 2013 gründete sie dann gemeinsam mit Moritz Hohl Fox & Sheep, ein Startup für Kinder-Apps, ein ziemlich erfolgreiches. Das Berliner Unternehmen ist in Deutschland Marktführer für Kinder-Apps und zählt weltweit zu den Top Ten. Im Februar 2015 kaufte der Spielehersteller Haba das Startup. Kaufpreis soll ein zweistelliger Millionenbetrag gewesen sein. Verena ist weiterhin Geschäftsführerin.

Lea-Sophie Cramer – Amorelie 

In der Startupszene ist Lea-Sophie Cramer ein Vorbild. Für Männer und Frauen. Gemeinsam mit Sebastian Pollok gründete sie 2012 Amorelie, ein Online-Sex-Shop, der Sexspielzeug in den Mainstream holen und die etwas angestaubte Branche aufmischen will. 60 Prozent ihrer Kunden sind Frauen. Leas Aufstieg verlief rasant: Nach einem kurzen Zwischenstopp bei der Beratung Boston Consulting Group wurde Lea mit 24 Vice President International Asien bei Groupon und war für etwa 1.000 Mitarbeiter verantwortlich. Sie zierte bereits das Cover von Magazinen wie „Business Punk“, hat bereits Millionen an Finanzierung von Investoren eingesammelt. Und auch hier ein Exit (Verkauf). ProSiebenSat.1 übernahm im März 2015 75 Prozent der Anteile an Amorelie und kaufte alle Investoren heraus. Die übrigen 25 Prozente halten noch immer die Gründer. Wir haben mit Lea bereits ausführlich gesprochen.

Delia Fischer – Westwing

Gemeinsam mit Stefan Smalla gründete Delia Fischer 2011 Westwing. Keine andere Startup-Gründerin sammelte für ihr Unternehmen in den letzten Jahren in Deutschland so viel Geld ein wie sie. Rund 180 Millionen Euro stecken in dem Rocket-Internet-Startup Westwing, von unterschiedlichen Investoren. Delia wurde oftmals als Gesicht von Westwing belächelt, ein fataler Fehler, ist sie doch mit großer Sicherheit Teil des Erfolgsgeheimnisses des Möbel-Shops Westwing. Vor Westwing arbeitete Delia für die Frauenzeitschrift Elle. An ihrer Leidenschaft für Möbel manifestiert sich ihr Startup. Das hat sie als erste Frau auf den Titel des Magazins Business Punk gebracht.

Anna Alex und Julia Bösch – Outfittery

 

2012 gründeten Anna Alex und Julia Bösch Outfittery. Kennengelernt haben sich die Gründerinnen bei Rocket Internet, wo sie für Zalando gearbeitet haben. Julia hat die Internationalisierung des Online-Retailers begleitet, Anna im Bereich Produkt und IT gearbeitet. Die Idee hinter dem Berliner Startup ist denkbar simpel: Männer können sich beim Online-Shopping beraten lassen. 150 Mitarbeiter haben die Gründerinnen mittlerweile. Über 30 Millionen Euro konnten die beiden für ihr Startup von Investoren wie Holtzbrinck Ventures, Highland Capital Partners Europe und RI Digital Ventures einsammeln. Gerade beschäftigen sie sich mit der Erschließung neuer Märkte. Neben Deutschland ist Outfittery derzeit in acht Ländern vertreten, weitere sollen folgen. Hier geht es zum Gespräch mit den beiden.

Anike von Gagern und Kathrin Weiß – Tausendkind

Noch einmal Babysachen. 2010 gründeten die zwei ehemaligen McKinsey-Beraterinnen und langjährigen Freundinnen Anike von Gagern und Kathrin Weiß das Startup Tausendkind. Als die beiden ihre Jobs als Unternehmensberaterinnen kündigten, um zu gründen, wurde Kathrin zum ersten Mal Mutter. Und auch Anike ist Mama. Mittlerweile arbeiten über 50 Mitarbeiter für das Unternehmen, welches zuletzt im März mehrere Millionen Euro von Investoren aufnahm. Zu den Gesellschafter gehören unter anderem Gruner + Jahr, Capnamic Ventures und Iris Capital.

Lea Lange – Junique 

Die ehemalige Fab-Mitarbeiterin Lea Lange ist Mitgründerin von Juniqe, einem Online-Shop für unkonventionelle Kunst. Juniqe ging Anfang 2014 online. Worum es bei dem Startup geht? Um urbane Kunst. Die drei Gründer hatten einen Onlineshop für ein junges Publikum im Sinn – mit Postern und Drucken, deren Motive von unabhängigen jungen Künstlern stammen. Lea war davor zwei Jahre bei Fab, zuletzt als europäische Strategiechefin in der Position als Executive Director Strategy & Analytics. Nach Stationen in Unternehmensberatungen leitete sie das Einkaufsteam beim deutschen Fab-Vorgänger Casacanda. Zu den Investoren gehören Redalpine, der High-Tech Gründerfonds und die German Startups Group. Die Finanzierungshöhe ist unbekannt, aber auf jeden Fall siebenstellig. Wir haben uns Leas Schreibtisch mal genauer angesehen.

Ida Tin – Clue

Eigentlich kommt Ida Tin aus Dänemark. Dort hat sie vor einigen Jahren einen Bestseller veröffentlicht, sie schrieb über ihre Weltreise auf dem Motorrad. Mittlerweile lebt sie in Berlin, gemeinsam mit Hans Raffauf gründete sie 2013 die kostenlose Mobile-Health-App „Clue“. Clue verwendet einen Algorithmus, um für jede Frau ihren eigenen, individuellen Zyklus zu berechnen und vorherzusagen. Das Berliner E-Health-Startup sammelte zuletzt im März 2015 zwei Millionen US-Dollar ein. Zu den Investoren gehören unter anderem die französische Arnault-Gruppe, das Pharmaunternehmen Dr. Kade, Brigitte Mohn, Vorstandsmitglied der Bertelsmann-Stiftung, sowie die SoundCloud-Gründer. Hier gehts zum Porträt mit Ida.

Die Liste könnte hier sogar noch länger sein. Aber ab sofort sollten euch allen mindestens zehn Gründerinnen einfallen.

 

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