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5 unangenehme Jobinterview-Situationen, die gar nicht so schlimm sind

Es gibt Momente in einem Bewerbungsgespräch, in denen man sich einfach nur noch unwohl fühlt, weil man die Situation nicht einschätzen kann. Dabei ist das meist gar nicht so schlimm, wie man zunächst vermutet.

 

Lieber Personaler, warum machst du das?

Bewerbungsgespräche sind Stresssituationen. Wir
wollen uns präsentieren, zeigen, wer wir sind, zeigen was wir drauf haben und
warum gerade wir genau die richtigen für den angebotenen Job sind. Also
bereitet man sich vor, überlegt sich Fragen, geht mögliche Antworten durch und
so weiter und so fort. Und dann hat man natürlich auch noch ein sorgsam
durchdachtes Outfit an. Das Blöde ist nur: Auch wer sich bestens vorbereitet,
hat nicht alles im Griff. Denn dieser Termin ist ein Spiel zwischen mindestens zwei
Personen: dem Interviewer und dir. Und Ersterer verhält sich manchmal so, dass man gar
nicht mehr so recht einschätzen kann, ob die Sache gerade gut läuft, oder schon
längst in die Binsen gegangen ist.

Für The Muse hat der Personaler Richard Moy fünf
unangenehmen Situationen herausgepickt, die immer mal wieder vorkommen und
erklärt, warum diese gar nicht so schlimm sind, wie sie auf den ersten Blick wirken – denn unser Kopfkino meint es meist viel schlimmer mit uns, als es
das Gegenüber tut. Wir haben uns das mal angesehen.

1. Das Gespräch war sehr kurz

Ob ein Bewerbungsgespräch gut läuft oder nicht, das machen
viele auch von der Zeit abhängig, die man im Termin verbringt. Man war eine Stunde da?
Ist doch schon mal ganz gut, oder? Nicht zwingend, sagt Richard Moy, denn manchmal
geht ein Jobinterview sehr schnell über die Bühne ohne, dass das
gleich das Aus bedeuten muss.

Und das passiert genau dann, wenn jeder im Raum
einfach relativ schnell alle Informationen beisammen hat, die er oder sie braucht – und das
bedeutet dann sogar, dass man seine Sache ziemlich gut gemacht hat. Zudem
bietet die Situation, in der die Interviewerin relativ schnell mit
seinem Part durch ist die Möglichkeit, dass man von seiner Seite noch nachhakt. Hier aber bitte nicht einfach Fragen stellen, um der Frage willen. Denn es ist
manchmal nur ein schmaler Grad zwischen interessierten und gut vorbereiteten Fragen
und einer künstlichen Dehnung des Gesprächs. Und das kommt gar nicht gut,
sondern eher konfus rüber.

Freu dich lieber darüber, dass alles schnell über
die Bühne ging, statt an dir zu zweifeln, sagt Moy. Denn häufig geht dieser Termin auch recht fix, wenn man schon zuvor davon überzeugt war, dass der Kandidat der richtige für
den Job ist.

2. Der Interviewer schaut mehr auf den Laptop als auf dich

Es ist zugegebenermaßen nicht die angenehmste Situation,
wenn der Interviewer einen Laptop mit ins Gespräch bringt und dem Gerät mehr
Beachtung zu schenken scheint als dem
Interviewpartner. Und das gleich aus mehreren Gründen: Denn Aufmerksamkeit durch Blickkontakt ermöglicht es, eine Verbindung aufzubauen und schafft Vertrauen. Doch auch wenn das gegeben ist, fragt man sich, was da eigentlich so Interessantes steht und ob einem das zum Verhängnis werden könnte – oder aber, ob das Gespräch schon von vornherein verloren ist und der Interviewer lieber seine Mails checkt, um
die Zeit nicht vergeudet vorbeiziehen zu lassen.

So ist es aber nicht, sagt
Moy. Vielmehr ist es manchmal einfach praktischer den Laptop zu benutzen, um
den Überblick zu behalten. Denn um auch im Nachhinein nachvollziehen zu können,
wie ein Bewerber war und wie er sich von anderen unterscheidet, braucht es
Notizen. Ob die nun wirklich während des Gesprächs gemacht werde müssen, das
ist wohl eine Stilfrage – aber auch keine Situation, von der man sich aus der
Ruhe bringen lassen muss.

3. Der Interviewer gibt dir keine Visitenkarte

Es ist kein Geheimnis, so Richard Moy, dass es eine gute
Idee ist, nach einem Bewerbungsgespräch eine „Danke-für-das Gespräch-Mail“ zu senden. Was
aber macht man, wenn man vom Interviewer keine Visitenkarte bekommen hat? Ganz einfach: Man
macht sich erstmal selbst Panik und lässt Gedanken zu, wie: „Das sicherlich war Absicht, weil
ich nicht in Frage komme“.

Die simple Wahrheit ist jedoch, das eben manche
Interviewer keine Vistenkarte griffbereit haben. Denn auch ihnen geht sowas mal durch die Lappen. Statt die eigene Performance zu verteufeln, sollte
man sich lieber in Gedanken rufen, dass auch Recruiter nur Menschen sind, denen Fehler passieren – und durchaus manchmal die Visitenkarten ausgehen.

In diesem Fall schreibt man einfach an die vorhandene Kontaktadresse und erwähnt, dass man XY für
das Gespräch danken möchte, von ihm oder ihr aber keinen direkten Kontakt hat. Diese Nachricht
wird den Recruiter sicher erreichen und das zeigt wirkliches Interesse von
Seiten des Interviewten. Eine gute Sache!

4. Du gehst mit einem „Mitbringsel“ nach Hause

Das Gespräch lief gut, alle scheinen zufrieden und dann
drückt dir der Interviewer zu Ende des Termins ein kleines Geschenk in die
Hand. „Hier, das können Sie gerne mitnehmen!“ Das kommt häufiger vor, als man
vielleicht denkt – und doch fragt man sich in der Situation meist vorschnell, ob das nun eine Art Trostpreis à la „Tut uns leid, aber behalten Sie uns mit
diesem Kuli in guter Erinnerung“ ist. Aber nein, keine Panik. Diese mehr oder minder
geschmackvollen Präsente kommen meist einfach zustande, weil viele Unternehmen – gerade Agenturen aus dem Lifestyle-Umfeld –  diese von ihren Kunden
herumfliegen haben: Vom Kopfhörer bis zum Shirt, von der Mascara bis zum
Gutschein – und sie sind daran gewöhnt, ihren Besuchern etwas davon mitzugeben.

Das sind also wirklich Aufmerksamkeiten und keine Hinweise darauf, dass man
eben mit einem Geschenk ins Aus geschossen wurde.

5. Der Interviewer sagt dir nach dem Gespräch nicht, wann er sich melden wird

Das, so sagt Richard Moy, ist tatsächlich eine nicht ganz
einfache Situation – allerdings eher für den Recruiter als für den Interviewten. Denn meist weiß er selbst noch nicht so genau, wie der Prozess nun
weitergeht – und das ist nicht gut zu vermitteln. Doch meist sind in so einen
Einstellungsprozess sehr viele Menschen innerhalb eines (großen) Unternehmens
involviert und das lässt oftmals nur schwer eine Einschätzung zu, wie und wann der Prozess  weitergeht. Und, so der Personaler, er selbst habe in jungen Jahren in
seinem Job erfahren, dass es sehr viel besser ist, das klar zu sagen, anstatt
einfach etwas ins Blaue zu erzählen. Von einer Antwort wie: „Dazu kann ich im
Moment wirklich nichts Genaues sagen“ sollte man sich also ebenfalls nicht verunsichern
lassen.

Fest stet: Unser Bauchgefühl ist in Situationen wie einem Jobinterview
häufig verlässlich, und doch sollte man sich immer wieder klar machen, dass wir sehr oft selbst unser größter Feind sind und wir uns zu
schnell von Situationen oder Handlungen verunsichern lassen.

Aber statt sich auf alles
zu konzentrieren, was möglicherweise schief gelaufen ist oder anzufangen, jede
Situation küchenpsychologisch auszudeuten, sollte man sich im Zweifel lieber
darauf verlassen, dass man einen guten Auftritt hingelegt hat. Denn in der Regel ist das auch so.

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