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6 Argumente, warum Unternehmen Eltern als Führungskräfte in Teilzeit brauchen

Kann Führung in Teilzeit gelingen – und dazu noch mit Mitarbeiter*innen, die Eltern sind? Hier kommen sechs Gründe, warum genau das für Unternehmen eine sehr gute Entscheidung ist.

 

Flexiblere Arbeitsmodelle für ein starkes Team

Immer wieder ist vom Fachkräftemangel die Rede und, dass es für Unternehmen immer schwieriger wird, qualifiziertes Personal zu finden. Gleichzeitig wollen junge, gut ausgebildete Menschen gerne mehr Flexibilität und Selbstbestimmung im Berufsleben und Eltern brauchen eine echte Vereinbarkeit von Familie und Beruf, um ihr Potenzial voll ausspielen zu können. Denkt man das zusammen, liegt es sehr nahe, dass es immer wichtiger wird, dass Unternehmen zu neuen Arbeitsmodellen greifen – und eins davon ist das Angebot von Teilzeitstellen bei Führungskräften.

Leider scheint dieser Verknüpfung für viele Arbeitgeber*innen noch nicht selbstverständlich. Deshalb sind diese sechs Gründe, die für das Modell sprechen, nicht nur für Unternehmen und Personalverantwortliche interessant, sondern auch für alle Arbeitnehmer*innen, die ihren (potenziellen) Arbeitgeber*innen davon überzeugen wollen, dass Führen auch in Teilzeit möglich ist.

1. Teilzeit-Führungskräfte sind oft produktiver, motivierter, kreativer und innovativer

Die Tatsache, dass Teilzeit-Angestellte ihre Arbeitszeit bewusst bestimmen und für deren Einhaltung verantwortlich sind, motiviert sie und macht sie zudem produktiver, kreativer und innovativer. Davon profitieren selbstverständlich auch deren Arbeitgeber*innen und die Teams, die von Teilzeit-Führungskräften geführt werden. Häufig sind Teilzeit-Führungskräfte auch bereit, auch eine Arbeitsverdichtung zu akzeptieren und zeigen eine konzentriertere und fokussiertere Leistung als ihre Vollzeitkolleg*innen.

2. Mitarbeiter*innen, die Familie und Beruf vereinbaren können, sind zufriedener

In Deutschland arbeiten nur fünf Prozent der Führungskräfte in Teilzeit und gelten damit quasi als Exoten. Dabei lohnt es sich für die Unternehmen, mehr Führungskräfte in Teilzeit zu beschäftigen, und das sowohl Mütter als auch Väter. Laut einer Studie des US-Magazins „Forbes“ sind auch Männer, die mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen, glücklichere Mitarbeiter, was zwar nicht überraschend ist, aber gerne mal bei der Debatte um Vereinbarkeit, die sich maßgeblich um Mütter dreht, vergessen wird  – und das bedingt auch ein weiteres Ergebnis:  Eltern, die in Teilzeit arbeiten, wechseln seltener das Unternehmen und sind insgesamt loyaler.

3. Vorbeugung von Überlastung und Burnout von Führungskräften

Mitarbeiter*innen mit Führungsverantwortung leisten oft mehr Überstunden, sind daher besonders anfällig für Überlastung und Burnout. Meist fehlt es an der Kontrolle und Sorge durch den*die eigene*n Vorgesetzte*n, weil diese*r häufig selbst weit mehr Wochenstunden leistet als vertraglich festgelegt.

Eine Teilzeit-Führungskraft hingegen hat eine begrenzte Anzahl an Stunden zur Verfügung und wird diese nicht ohne Limit ausweiten können oder wollen, da die Teilzeit schließlich gezielt gewählt wurde, um zum Beispiel familiären Verpflichtungen nachzukommen. Durch den Wechsel zwischen den verschiedenen Welten wie Job und Familie leben sie einen gesünderen Lebensstil und nutzen ihre Flexibilität zugunsten einer ausgeglichenen Work-Life-Balance.

4. Teilzeit-Führung ist längst ein Wettbewerbsvorteil im „War for talents“

Qualifizierte Nachwuchsführungkräfte zu rekrutieren, stellt bereits ein Wachstumshindernis für viele Unternehmen dar. Daher neigen mittlerweile mehr Unternehmen dazu, Führung in Teilzeit zu implementieren. Sie nehmen damit einen Wettbewerbsvorteil wahr, um gezielt die Arbeitnehmer*innen der Generation Y und Generation Z, die Führungskräfte der Zukunft, anzusprechen.

Mit Teilzeit-Führungspositionen können vor allem aber auch jene Frauen angesprochen werden, die sich nicht auf eine Führungsposition in Vollzeit bewerben würden, weil sie auch Care-Arbeit leisten wollen und/oder müssen. Aber auch Väter, die mehr Zeit mit der Familie verbingen wollen, in dem sie Arbeitszeit reduzieren, sind Zielgruppe dieser Maßnahme.

5. Eltern bringen viele wertvolle Fähigkeiten in ihre Teilzeit-Arbeit ein

Durch flexible Arbeitsmodelle wie Führung in Teilzeit erhöhen Arbeitgeber*innen die Chance, dass sich junge Eltern auf Stellen bewerben. Und diese bringen viele wertvolle Fähigkeiten durch ihre Elternschaft ins Unternehmen. Der Psychologe Joachim E. Lask, der zu diesen Themen forscht und das Buch „Gute Eltern sind bessere Mitarbeiter“ herausgebracht hat, nennt es das Kompetenzcenter Familie, in dem Arbeitnehmer*innen mit Kindern „ausgebildet werden“.

Sie lernen unter anderem:

  • Stressmanagement: Regelmäßige Trotzanfälle bringen Eltern nicht mehr so schnell aus der Ruhe. Auch im Arbeitskontext steigt der Puls nicht so schnell an.
  • Changemanagement: Kinder verändern sich ständig. Eltern lernen sich anzupassen und auf Veränderungen angemessen zu reagieren.
  • Beziehungsorientierung: Als Eltern kann man nicht nachtragend sein. Die Beziehung zum Kind muss stärker sein als das Problem.
  • Zielorientierung: In der Familie werden Regeln festgelegt und für deren Einhaltung gesorgt.

6. Betriebswirtschaftliche Vorteile von Teilzeit von Führungskräften

Auch für zahlengetriebenere Menschen finden sich Gründe für Führungskräfte in Teilzeit. So können sie effizienter und flexibler eingesetzt und Personalkosten gesenkt werden. Außerdem bleiben sie länger im Unternehmen. Teilzeit-Führungskräfte arbeiten stark eigenverantwortlich und ergebnisorientiert. Präsentismus, also das „Absitzen“ von Arbeitszeit, ist bei ihnen sehr viel seltener als bei Vollzeitkräften.

All das sind gute Argumente – aber auch ganz grundsätzlich gilt: Wer Top-Arbeitskräfte in sein Team holen will, und Familienfreundlichkeit wirklich als Teil der Unternehmenskultur versteht, tut gut daran, den Mitarbeiter*innen gegenüber flexibler zu werden, auch in und gerade in Führungspositionen.

Der Text ist zuerst auf Dianas 

zweitoechter.de

 erschienen, wo sie über typische Mamathemen, aber auch verstärkt über Vereinbarkeit der Generation Y bloggt. Zur Zeit forscht sie für ihre Masterarbeit zum Thema Führung in Teilzeit. Wir freuen uns, das wir diesen Artikel auch hier veröffentlichen können.


Wir haben jetzt unsere eigene Facebook-Gruppe rund um das Thema Familie. Wir wollen uns mit allen austauschen und vernetzen, die sich für das Leben mit Kindern interessieren – egal ob ihr selbst Eltern seid oder (noch) nicht. Schaut doch mal vorbei

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