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8 Sätze, die ein Texter für unter 5 Cent pro Wort nicht hören will

„Ich bin Freelancerin und ich schreibe. Früher auch für unter 5 Cent pro Wort.“ Bei uns schreibt Julia Kalkofen darüber, warum sie das nun nicht mehr macht.

 

Die Arbeit anderer wertschätzen? Ach, was.

Als Freelancer darf man sich manchmal schon die eigenartigsten Dinge von Kunden anhören. Und natürlich soll man uneingeschränkt  verfügbar sein und die beste Arbeit zum allerkleinsten Honorar abliefern.

Genau hier streikt Julia mittlerweile – und hat für uns aufgeschrieben, welche Sätze ihr in der Zusammenarbeit mit den Kunden am meisten auf den Keks gehen.

1. „Das klingt in meinen Ohren ganz schön teuer. Auf gängigen Plattformen finde ich auch Texter für ein bis zwei Cent pro Wort.“ 

Es gibt zwei Arten von Kunden, die so antworten: Oft engagieren die Leute zum ersten Mal einen Texter und haben einfach keine Ahnung. Denen erkläre ich gern, dass ich von diesen Texten lebe. Bei zwei Cent pro Wort bekomme ich für einen Text mit 500 bis 700 Wörtern zwischen zehn und 14 Euro. Vielleicht habe ich noch einen Kaffee für 1,90 Euro dabei getrunken und dann gehen davon noch Steuern ab. Da merken die Kunden meist selbst, dass die Rechnung nicht aufgeht. Von der Zeit inklusive Recherche oder Schreibblockaden fange ich lieber gar nicht erst an.
Die zweite Art von Kunden sind die, die wirklich der Meinung sind, dass sie für einen Cent pro Wort ausgezeichnete Qualität erwarten können. Natürlich gibt es Studenten, Mütter oder Hausfrauen, die sich mit dem Texten ein bisschen was nebenher verdienen und wirklich etwas können. Erwarten darf man das aber nicht. 

 2. „Wir bräuchten den Text bis spätestens morgen.“ 

Der Klassiker. Als Texter bin ich immer erreichbar, immer verfügbar und flexibel. Ein angepasstes Honorar in Form von Dringlichkeitszuschlag kann man dafür natürlich nicht erwarten. Wo kämen wir denn da hin? 

 3. Am Freitagnachmittag: „Wir bräuchten den Text bis spätestens Montag.“ 

Es scheint so, als würde allen Firmen erst am Freitag kurz vor Feierabend einfallen, dass sie am Montag den Text für ihre Startseite brauchen. Was das über die Firma aussagt, tut hier ja nichts zur Sache. Natürlich ist mir klar, dass ich als Freelancer auch am Wochenende arbeite. Das Problem: Die Kunden aber nicht. Möglichkeit für Rückfragen? Fehlanzeige. 

 4. „Könnten Sie den Text noch einmal überarbeiten?“ 

Natürlich überarbeite ich meine Texte gerne nach den Wünschen meiner Kunden. Schließlich braucht es manchmal etwas Zeit auf beiden Seiten, um zu verstehen, was sich der Kunde genau wünscht. Was nicht kommuniziert wird, kann ich nicht wissen. Wenn der Kunde mir aber für einen Text zehn Euro zahlen will, dann setze ich mich nicht zum dritten Mal hin und ergänze, stelle um, verbessere, nur weil der Kunde ständig seine Meinung ändert. Und vor allem nicht für umme.
 

5. „Der Text ist VOLLER Fehler.“ 

Ich bin auch nur ein Mensch. Natürlich gebe ich mir immer die größte Mühe und versuche immer fehlerfrei zu arbeiten, auch bei Billigaufträgen. Aber Fehler passieren. Der Kunde hat dann auch das gute Recht sich zu beschweren. Wenn aber in einem Artikel ein einziger Tippfehler ist, kann man nicht davon reden, dass der ganze Text voller Fehler ist. Meist steckt nämlich genau das dahinter: Der Kunde hat einen Texter gefunden, der billiger ist. 

 6. „Mir ist das alles etwas zu oberflächlich.“ 

Wenn ich ein Angebot beschreiben soll, dann bin ich auf die Informationen vom Kunden angewiesen, die ich verwenden kann. Ich kann nichts erfinden, nicht hellsehen und nicht zaubern. 

 7. „Mir fehlt der Mehrwert, das wusste ich alles schon.“ 

Ich sollte mal einen Text über ein sehr spezielles Thema im Online-Marketing schreiben für eine Seite, die sich ausschließlich mit Online-Marketing befasst. Den Auftrag bekam ich über eine SEO-Agentur und sollte mir 13 Euro bringen. Ich bin kein Marketingexperte und recherchierte zwei Stunden, saß dann ein oder zwei Stunden am Text und als Rückmeldung kam eben diese Antwort vom Marketingseitenbetreiber. Ich hoffe doch schwer, dass er mehr weiß als ein Texter, der über zwei Ecken engagiert wird und für 3,5 Cent schreibt. 

 8. „Sie müssen sich ja nicht auf solche Jobs bewerben.“ 

Ganz genau. Und das werde ich auch nicht mehr machen. Dafür ist mir meine Zeit zu schade und meine Nerven sowieso. Danke für den guten Ratschlag.


Hinweis: Der Artikel wurde zuerst auf Julia Kalkofens Blog www.bezirzt.de veröffentlich. Normalerweise schreibt sie dort Geschichten rund ums Reisen, ihr Geld verdient sie aber mit dem Schreiben für andere. Daher gibt es ab und an auch einiges aus dem Leben als Freelancerin.

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