Foto: Mattel

Kurvig, klein und aus allen Kulturen – Barbie findet endlich neue Vorbilder

Blond, blauäugig, Modelmaße – Barbies Körperbau soll sich von nun an ändern. Der Hersteller Matell bringt neue Modelle der Puppe auf den Markt, die unter anderem kurvig sind. Aber auch sieben verschiedene Hauttöne und neue Frisuren gehören dazu.

 

Die Tradition brechen

Lange blonde Haare, blasse Haut. blaue Augen, große Brüste und eine Wespentaille, die im Umfang maximal so lang ist wie unser kleiner Finger – 57 Jahre lang hat das Unternehmen mit genau diesem Barbie-Look Milliarden Umsatz gemacht. 

Den Vorwürfen, dass diese Proportionen vor allem für junge Mädchen irreführend seien und als schlechtes Vorbild dienen, möchte der Hersteller Matell nun, wie das Time Magazine berichtete, mit drei neuen Barbie-Modellen ein Ende setzen: Curvy, tall und petite.  

Durch die zusätzliche Wahl zwischen kurviger, großer und zierlicher Barbie, soll jedes Mädchen die Möglichkeit haben, so sagt Evelyn Mazzocco, Senior Vice President und Global General Manager bei Mattel, im Gespräch mit der Welt, das Modell auszuwählen, das sie am meisten anspricht.

„Wir durchbrechen ein System, das schon lange existiert. Das ist kompliziert.“

Zudem gibt es die Barbie jetzt in sieben unterschiedlichen Hauttönen – viel mehr, als zum Beispiel ein durchschnittliches Makeup-Sortiment in der Drogerie hat, in der Women of Color kaum fündig werden. 24 Haarschnitte gibt es noch dazu.

Plus-Size Bloggerin Clara Schoder freut sich, dass es viele verschiedene Haut- und Haarfarben gibt, und auch die Barbies „petite“ und „tall“ findet sie toll. Doch, eine Barbie auf den Markt zu bringen, mit normaler, fast immer noch schlanker Körperform, und diese dann „Curvy“ zu nennen, gehe für sie in die falsche Richtung.

„Da wird ein noch falscheres Bild des perfekten Körpers vermittelt. Und die Barbie trägt mit dieser Curvy Version allein durch ihre Bezeichnung stark dazu bei, dass man selbst denkt: ,Oh, das ist schon kurvig und dick? Dann bin ich ja viel zu dick.‘“

Kommt die Barbie-Evolution zu spät?

Vor allem Mütter hatten sich über die Magermodel-Maße der Barbie beschwert und sich eine Änderung gewünscht. Daher lautete das Ziel: Barbie wieder relevant machen – und die sinkenden Verkaufszahlen wieder ankurbeln. Wobei fraglich ist, ob die „Curvy Barbie“, die in Wirklichkeit gar nicht so kurvig, sondern einfach nur „normal“ ist, wirklich die Änderung ist, die sie sich vorgestellt hatten. 

Zwei Jahre hat die Entwicklung der neuen Barbies in Anspruch genommen. Zwei Jahre, in denen Lena Dunham zur feministischen Ikone wurde, US-Comedian Amy Schumer uns mit ihren bissigen Video-Parodien einen Spiegel vorhielt, und Annie Leibovitz für den Pirelli-Kalender das, was bisher als schön und sexy galt, neu definierte. Die Frage, die bleibt, ist: Kommt die Barbie-Evolution vielleicht schon zu spät? 

Für die Firma Matell zähle nun jedenfalls nicht mehr die Perfektion, sondern der Fortschritt, so Mazzocco weiter. Barbie soll eine Frau des 21. Jahrhunderts sein. Ach was?! Eine wahre Erkenntnis, für die Matell seit der Jahrhundertwende aber leider 16 Jahre zu lange gebraucht hat. Bloggerin Stefanie Bow findet auch: 

„Es ist doch egal, ob ein Mensch dick oder dünn, weiß oder schwarz ist. Hauptsache, man ist sich selber treu. Da sollte im 21. Jahrhundert doch die Figur bzw. die Größe keine Rolle mehr spielen. Schade, dass wir davon noch weit entfernt sind.“

Clara Schoders Vorschlag? Eine Barbie „Normal“ – mit normalem Körperbau, ungeschminkt, in Sneakers, Shirt und Hose. Das wäre doch mal was. 

Wie die Barbies petite, tall und curvy genau aussehen werden? Schaut hier. 

Quelle: youtube


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