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Max und Jakob: „Unser Podcast ist wie eine regelmäßige Therapiestunde“

Max und Jakob heißen eigentlich gar nicht Max und Jakob. Wer sie sind und, was sie machen, weiß niemand so genau. Was wir aber wissen: Sie machen einen richtig guten Podcast und sind eng befreundet. Wir haben sie zum Interview getroffen.

 

Und auf einmal, war da Freundschaft

Es gibt diese wenigen Menschen, mit denen man sich nach nur kurzer Zeit auf emotionaler Ebene verbunden fühlt. Denen man die intimsten Dinge anvertraut und nichts zu verstecken braucht. So ging es Max und Jakob, die sich vor mehr als zehn Jahren über einen gemeinsamen Freund kennenlernten. Aus einem ersten Wakeboard-Treffen wurden irgendwann Wochenendtrips und Reisen. Wenn man die beiden fragt, was die damals verbunden und auch heute noch verbindet, ist die Antwort ganz klar: das Reden. Warum also das Reden nicht öffentlich machen und einen eigenen Podcast online stellen?

Vor zweieinhalb Jahren ging die erste Folge ihres Podcasts „Beste Freundinnen“ online. Mittlerweile haben sie pro Folge durchschnittlich 40.000 Hörer. Max, der im sozialen Bereich arbeitet, und Jakob, der irgendwas mit Medien macht, heißen im richtigen Leben übrigens ganz anders. Warum ihnen ihre Anonymität so wichtig ist und, wie der Podcast ihre Freundschaft verändert hat, haben uns die beiden im Interview erzählt. 

Lieber Max, lieber Jakob, warum habt ihr euren Podcast ins Leben gerufen?

Max: „Bis zu unserem Podcast hatte ich mit Medien wenig zu tun. Auch die Produktion von einer eigenen Sache war komplett neu für mich – im Hinterkopf war die Idee dazu allerdings schon vorhanden. Wir haben dann fast zeitgleich damit angefangen, selbst Podcasts zu hören und uns darüber auszutauschen. Das ist dann ja auf einmal so groß geworden. Daher kam dann auch der Gedanke: Warum wollen wir das nicht selber machen? Aus Mangel an Alternativen haben wir dann einfach das genommen, worüber wir auch so schon immer reden – das war auch gut so, denn uns ist wichtig, dass unsere Inhalte authentisch sind.“ 

Jakob: „Ich glaube, wir haben ganz einfach einen Grund gesucht, uns regelmäßig zu treffen. Sonst verliert man sich schnell aus den Augen. Und weil Männer gerne Projekte zusammen machen, haben wir uns für diese Variante entschieden.“

Was ist die Idee hinter dem Titel „Beste Freundinnen“?

J: „Ich weiß noch ziemlich genau, was du gesagt hast.“ 

M: „Ich auch! Erzähl mal.“ 

J: „Ich glaube, Frauen haben unterschiedliche Beziehungen zueinander und Männer haben unterschiedliche Beziehungen zueinander. Sich bis zur tiefsten Ebene zu verstehen – vielleicht gelingt das manchmal nur unter gleichgeschlechtlichen Menschen. Und darum kann es wahre, ganz tiefe Freundschaft nur zwischen Männern und Männern geben und zwischen Frauen und Frauen. Deshalb: Beste Freundinnen. Macht das Sinn?“

M: „Vielleicht auch, um mit dem Klischee zu spielen, dass Frauen ganz viel über ihre Gefühlswelt reden und Männer eher nicht.“ 

Inwiefern würdet ihr sagen, hat der Podcast eure Freundschaft verändert?

J: „Durch den Podcast fokussieren wir uns bewusster auf das Reden. Das ist ein bisschen so, als würdest du in eine Therapiesitzung gehen. Da weißt du: Es gibt einen Rahmen und da passiert genau das. Normalerweise, wenn man mit Männern unterwegs ist, weicht man emotionalen Themen eher aus. Das habe ich so mit Max niemals gemacht. Aber dadurch, dass es jetzt diesen Rahmen gibt, wird das noch normaler. Wenn wir uns aber rein privat treffen, reden wir auch noch mal anders miteinander. Das lässt sich ganz gut mit einem archäologischen Werk vergleichen, bei dem man sich schichtweise einarbeitet. Im Podcast nehmen wir eine Schicht weg, wenn wir alleine sind, kann es dann auch noch mal ein paar Schichten tiefer gehen.“ 

Den Podcast macht ihr mittlerweile seit zweieinhalb Jahren. Warum funktioniert das so gut zwischen euch? 

J: „Erst mal brauchst du auf jeden Fall eine Basis, damit es funktioniert und das Ganze überhaupt einen Flow hat. Vielleicht hast du einen ähnlichen Familienbackground, wie du aufgewachsen und geprägt worden bist – das zumindest ist bei uns beiden ähnlich. Wir haben beide eine relativ starke Mutterprägung. Unsere Mütter haben gerne Sachen auf den Tisch gepackt und darüber geredet und mit uns analysiert. Das haben wir beide von Anfang an erfahren und gelernt – das heißt, wir machen das beide von Natur aus gerne.“ 

M: „Wir funktionieren aber auch so gut zusammen, weil wir in vielen Punkten komplett verschieden sind. Während Jakob derjenige ist, der immer mit 200 Prozent durchs Leben geht, bin ich eher derjenige, der ruhiger ist, nicht so viel Pfeffer im Arsch hat – da geraten wir auch oft mal aneinander. An dem Punkt, an dem er mich motiviert mehr zu machen, hole ich ihn aber gleichzeitig auch ein bisschen runter. Das ist eine typische Dualität von: Gegensätze ziehen sich an.“ 

Ihr redet offen über eure Gedankenwelt, wollt dabei aber anonym bleiben. Warum?

M: „Wir besprechen einfach sehr sensible Themen und wollen nicht, dass Freunde, Verwandte oder andere wissen, dass wir das sind.“ 

J: „Das schafft einen Schutzraum. Das war uns von Anfang an sehr wichtig. Da ich auch in den Medien aktiv bin, weiß ich, was aus Sachen gemacht werden kann. Menschen nehmen oftmals das wahr, was sie in einer Person sehen wollen. Und wenn man das weiß, ist es mir einfach lieber, wenn private Sachen privat bleiben.“

Aber seid ihr wirklich so privat? Es gibt doch bestimmt Leute, die eure Stimmen erkennen oder?

J: „Nein, eigentlich nicht. Wir hatten schon mal die eine oder andere Situation, in der wir erkannt wurden. Im Club zum Beispiel, ganz selten auch mal auf der Straße. Aber das müssen dann schon Menschen sein, die es wirklich wissen wollen.“ 

M: „Bei mir auf keinen Fall. In meinem Umfeld gibt es wenige, die sich mit dem Thema Podcast beschäftigen. Da gibt es weder im Freundes- noch im Arbeitskreis irgendwelche Berührungspunkte.“ 

Das heißt, ihr habt anfangs niemandem davon erzählt?

M: „Nein, bei mir wusste es keiner.“ 

J: „Bei mir auch nicht.“ 

Und wie habt ihr eure regelmäßigen Treffen dann begründet?

M: „Wir haben einfach gesagt, dass wir uns treffen. Das war ja auch nicht in erster Linie so, dass wir uns nur getroffen haben, um den Podcast aufzunehmen. Wir haben uns getroffen, waren beispielsweise essen und mussten dann währenddessen schon immer darauf achten, dass wir nicht schon vorher alle Themen besprechen, die im Podcast Thema sein sollten.“ 

Haben denn Frauen, mit denen du, Jakob, etwas hattest, später gemerkt, dass sie Thema deines Podcasts waren?

J: „Manche haben es sich gedacht – ich habe aber nie zugegeben, dass sie das waren. Für mich ist das selbstverständlich, dass ich niemals die Namen öffentlich machen würde.“ 

Gab es schon Momente, in denen ihr gezögert und gedacht habt: „Nein, das sage ich jetzt doch nicht“?

M: „Doch, doch. Die gibt es immer wieder mal. In der Phase als ich meiner Freundin von dem Podcast erzählt habe, gab es viele Dinge, bei denen ich dachte: Das möchte ich erstens nicht sagen und zweitens darüber auch nicht sprechen. Weil es dann auch irgendwie konstruiert wirkt. Ich möchte nur die Dinge sagen, die ich auch vor meiner Freundin sagen würde. Sodass ich nie das Gefühl habe, ich würde meine Freundin oder auch andere Leute hintergehen. Das sind dann solche Situationen, die im Nachhinein rausgeschnitten werden.“ 

Die Podcasts wirken immer so, als wären sie an einem Stück aufgenommen. Aber das stimmt nicht ganz?

J: „Wir schneiden sehr, sehr wenig. Versprecher werden rausgeschnitten und natürlich auch zu private Dinge – das passiert schnell, dass man zu weit geht, weil die private Ebene und die Podcast-Ebene schnell ineinander übergehen. Ich jedenfalls habe Max mal gesagt, dass ich eigentlich alles erzähle.“

M: „Und genau das ist auch noch mal ein Unterschied zwischen uns. Weil ich für mich weiß: genau das will ich nicht. Ich möchte noch immer eine gewisse Integrität bewahren.“

J: „Und für mich gibt es eben diese Integrität nicht. Für mich ist es genau das, was hilft. In unserer Gesellschaft haben wir einen äußeren Schein gebildet und teilen nur die besten Momente, in denen wir uns von unserer besten Seite zeigen. Gerade das ,Unperfekte‘ von sich zu zeigen, macht letztlich das aus, was das Leben eigentlich ist. Das zu zeigen und mit anderen Menschen zu teilen, schafft Erleichterung.“ 

Und doch möchtest du das Unperfekte nicht unter deinem Namen zeigen. 

J: „Ja, weil ich weiß, wie mit manchen Sachen umgegangen wird. Es gibt bestimmte Berufsbereiche, die sich nicht mit meinem Podcast vereinen lassen. Da geht es dann darum, dass ich meinen Lebensunterhalt verdienen muss und ich das nicht gefährden will.“

Gibt es etwas, das ihr bereut, gesagt zu haben? 

M: „Bereuen ist schwer. Weil auch wir entwickeln uns weiter und haben am Anfang andere Themen besprochen, als wir sie jetzt besprechen. Gerade die ersten Folgen sind qualitativ auch schlechter. Die Themen waren anfangs noch viel reißerischer.“ 

J: „Ich bereue nichts. Ich weiß, dass ich heute viele Sachen anders sagen würde. Aber, wie Max schon gesagt hat, das ist einfach ein Entwicklungsprozess. Ich glaube, man durchlebt verschiedene Phasen und dann hat man auch immer andere Perspektiven auf das Geschlecht, auf das man steht. Und redet deswegen auch anders. Jetzt als Mann, der zweieinhalb Jahre älter ist, fällt es mir leichter, die Perspektive von Frauen einzunehmen – und auch, wie ich mit manchen Frauen umgegangen bin und wie ich darüber geredet habe. Das ist eine Sache, die ich jetzt erst aufarbeite und dementsprechend ändert sich auch die Art und Weise, wie ich über Frauen rede.“ 

M: „Die Wahrheit liegt auch oft in dem Moment. Auch Sachen, die sich manchmal sehr ernst anhören, muss man mit einem Augenzwinkern betrachten.“ 

Gibt es eine Message, die ihr mit eurem Podcast den Zuschauern auf den Weg geben wollt?

M: „Authentizität.“

J: „Ja, Authentizität ist das Grundgefühl, das wir vermitteln wollen. Einfach: Sei so, wie du bist. Wenn du etwas anderes bist, mögen die Leute dich nicht für das, was du bist, sondern für das, was du spielst. Wir sollten das Leben und die eigenen Themen nicht so ernst nehmen.“


Die Geschichten aus dem Podcast und noch vieles mehr könnt ihr übrigens in ihrem Buch nachlesen.



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