Foto: Daniela Prusina

Bianca: „Viele Vorträge sind grausam, obwohl die Redner über geile Ideen sprechen“

Wie schaffe ich es ein Publikum in nur wenigen Minuten von meinem Anliegen zu überzeugen? Pitch-Profi Bianca Praetorius hat darauf gleich mehrere Antworten und verrät uns ihre Tipps.

 

Pitches – Überzeugen in nur drei bis fünf Minuten

Manchmal geht es um nicht weniger als einfach um alles: Du möchtest den Job, das Date, die Wohnung oder auch Investoren von deiner Idee überzeugen. Diese Momente, in denen unser Gesagtes in nur wenigen Minuten nachhaltig Eindruck hinterlassen soll, nennt man gemeinhin „Pitch“. Um mit diesem Kurzvortrag jedoch wirklich Erfolg zu haben, sollte er präzise und unterhaltsam sein – und natürlich muss sich auch der Vortragende entsprechend präsentieren. Klingt gut, aber wie schafft man das?

Pitch-Profi Bianca Praetorius kennt die Tricks für einen überzeugenden Vortrag und trainiert seit 2012 Startups darin, mit ihrem Pitch Investoren zu überzeugen – doch eigentlich liegen ihre Wurzeln im Schauspiel. Im Interview hat sie uns verraten, welche Techniken wir uns von Schauspielern abschauen können, welches Faschingskostüm man als Tochter aus einer Tech-Familie trägt und wieso es ihr am Herzen liegt, junge Frauen in ihren Führungsqualitäten zu stärken.

Wer mehr zu letzterem Thema erfahren will, dem sei das Buch Die LEAN-BACK Perspektive empfohlen, welches Bianca gemeinsam mit Stefanie Hoffmann-Palomino und Christine Kirbach im Herbst 2016 veröffentlichen werden. Hierin werden in Form von Essays die inspirienden Geschichten 42 erfolgreicher Frauen in ganz unterschiedlichen Führungspositionen erzählt.

Du bist Public Speaking Coach – was genau bedeutet das?

„Ich helfe Menschen dabei, sich klarer auszudrücken, inhaltlich aber vor allem auch körpersprachlich und dramaturgisch. ‚Public speaking‘ beschreibt dabei alles, was vor mehr als zwei Augenpaaren erzählt wird. Damit ist ja meistens schrecklich viel Aufregung und die Gefahr, viel mehr Quatsch zu reden, als man es in einer Dialogsituation tun würde, verbunden – das ist die Baustelle, an der ich bastele.

In den letzten Jahren war ich allerdings hauptsächlich als Pitchtrainerin unterwegs, das ist nochmal etwas anderes, denn beim Pitchen geht es um Dringlichkeit, Sachlichkeit, Inspiration und starke Visionen. Drei bis fünf Minuten. Slidedeck. Und ein klares Ziel: Bringe jemanden, der noch nie von dir und deinem Startup oder deiner Idee gehört hat, dazu, unbedingt mit dir sprechen zu wollen. Im besten Fall verschwimmt dabei der Unterschied zwischen einem Ted-Talk und einem Startup-Pitch. Es geht gleichzeitig um Komplexität und Schlichtheit, nur mit verschärften Regeln: kurze Aufmerksamkeitsspanne und hoher Unterhaltungswert.“

„Ich bin das schwarze Schaf einer Tech-Familie.“

Wie bist du dazu gekommen?

„Ich bin das schwarze Schaf einer Tech-Familie. Meine Eltern sind beide Ingenieure, meine Brüder Webdesigner und Programmierer. Meine Mama hat zu Fasching zum Beispiel liebevoll Datei-Format-Faschingskostüme und lebensgroße Ganzkörper-Handys genäht. Ich fand das damals alles ganz schön uncool und wollte lieber Popstar werden. Das hat leider nicht sofort geklappt, weshalb ich dann Schauspiel studiert habe.

Eines Tages, kurz nach meiner Schauspielausbildung, bin ich dann in ein Startup-Dinner gestolpert, in dem Startups ihre Ideen präsentiert haben. Die Pitches waren so grauenvoll, dass niemand zuhörte und die armen Pitchenden auf ihren Ideen sitzen blieben, auch wenn die eigentlich ganz geil waren. Ich habe direkt daran gedacht, dass ich ihnen schon mit einer Stunde Schauspiel- und Sprechtraining-Bootcamp weiterhelfen könnte. Das hab ich dann tatsächlich gemacht und ein paar Monate später war das plötzlich mein Hauptberuf.“

Deine Wurzeln liegen ja eigentlich im Theater: Warum hast du überhaupt Schauspiel studiert und welche Techniken können wir uns von Schauspielern abschauen, um das Publikum von unserer Idee zu überzeugen?

„In Wahrheit habe ich Schauspiel studiert, weil ich ein bisschen Angst vor dem Leben hatte. Außerdem kam es mir so vor, als ob Schauspieler irgendwie mehr Spaß am Leben haben, als alle anderen. Das fand ich unfair und wollte das auch haben. Nebenbei gibt es hundertausende Sachen, die man sich vom Schauspiel für einen guten Pitch abschauen kann!

Meine drei Faustregeln gehen ungefähr so: a) Nimm den Raum ein und genieße es, wenn du sprichst. Nur wenn du selbst Lust auf den Vortrag hast, kann auch irgendjemand Spaß daran haben, dir zuzuhören. b) Jeder hat Lampenfieber und Angst vor Leuten zu sprechen. Wäre ja auch komisch wenn nicht, schließlich steht auch wirklich etwas auf dem Spiel. Ein Tipp: Wenn du immer deine Hände in den Hosentaschen vergräbst, übe deinen Vortrag einfach ohne Hose. c) Gute Vorbereitung ist super wichtig: Überlege dir genau, was du eigentlich sagen möchtest und warum. Mach dir einen Fahrplan und sag nur das, was du dir vorher überlegt hast, es ist schwerer Dinge wegzulassen als hinzuzufügen.“

„Die Pitches waren so grauenvoll, dass niemand zuhörte und die armen Pitchenden auf ihren Ideen sitzen blieben, auch wenn die eigentlich ganz
 geil waren.“

Wie schaffe ich es mein Lampenfieber abzulegen? Hast du manchmal selbst noch Lampenfieber?

„Ja, jedes Mal. Die einzige Lösung ist, das Lampenfieber anzunehmen und dann loszulassen. Klingt einfach, ist es aber nicht. Immer wenn es etwas zu verlieren gibt, zum Beispiel bei einem Investorenmeeting, klopft das Lampenfieber an die Hintertür. Es ist Teil des Spiels.“

Kannst du uns von der Erfolgsgeschichte eines Startups erzählen, das du gecoacht hast? Was war der entscheidende Erfolgsfaktor?

„Einer meiner ersten Kunden war ein großartiger junger Ingenieur, der mit nur 14 Jahren mit dem ersten Prototypen seines Produkts den Wettbewerb ‚Jugend forscht‘ gewonnen hatte. Er ist vom Typ her ein klassischer Ingenieur: bedacht, sachlich und bescheiden. Es hat über ein Jahrzehnt gedauert, bis er seinen ersten erfolgreichen Pitch gewann und das Produkt Aufmerksamkeit bekam. Wir haben dann gemeinsam an seinem Pitch für eine Tech-Konferenz in Berlin gearbeitet. Er hat wie ein Weltmeister geübt und die neuen Versionen immer wieder mit mir durchgespielt. Er hat die Pitch Competition schließlich gewonnen und verkauft heute weltweit erfolgreich seine Roboter und spricht darüber in Talkshows.“

„Die einzige Lösung ist, das Lampenfieber anzunehmen und dann loszulassen.“

Wieso liegt es dir am Herzen, junge Frauen in ihren Führungsqualitäten zu stärken?

„Meine Erfahrung mit Frauen im Speaking Coaching lassen sich sehr einfach zusammenfassen: Männer können manchmal ein bisschen was und haben eher eine große Klappe. Frauen können manchmal ganz viel und verraten es niemandem. Mit Arbeit an Körpersprache, Tonfall und Tonspur-Dramaturgie kann man dieses sündhaft ungenutzte Potential oft in das Licht stellen, das es verdient hat. Wenn ich dazu beitragen kann, dass das immer mehr passiert, macht mich das sehr glücklich.

Wir leben außerdem in einer Zeit in der sich alles ändert. Und es ist ja nicht gerade so, dass in der Frauen-Männer-Führungs-Gretchenfrage bisher alles immer völlig reibungslos verläuft. Ich kann dem Gedanken, dass in Zukunft mehr Frauen in Führungspositionen sind, deshalb immens viel abgewinnen. Auch the red lab dreht sich um Veränderungen in Unternehmen mit dem Schwerpunkt auf Frauen und Führung. Führung hat viel mit Einstellung und Selbstvertrauen zu tun, deshalb hinterlässt das Speaking training auch immer Spuren auf deiner Persönlichkeit und das ist vielleicht gar nicht so schlimm.“

„Männer können manchmal ein bisschen was und haben eher eine große Klappe. Frauen können manchmal ganz viel und verraten es niemandem.“

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