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Ich schmeiße hin! Warum ich meinen Job in einem Startup gekündigt habe

Eine ehrliche Begründung, warum ich meinen Job zwei Tage vor Ende der Probezeit gekündigt habe.

 

In einem Startup ticken die Uhren anders 

Ich hatte einen wirklich coolen Job: Das Unternehmen ist europaweit bekannt, riesengroß und trotzdem immer noch hippes Startup, das Team bestand bis auf eine Ausnahme ausschließlich aus super netten Menschen, die Aufgaben waren in der Theorie auch super – und trotzdem habe ich zwei Tage vor Ende der Probezeit heulend bei meiner Chefin gestanden und meinen Job gekündigt.

Die erste Frage, die nun mit Sicherheit aufkommt, ist bestimmt: „Warum?”. Kann ich absolut verstehen, schließlich habe ich mich das auch gefragt. Allerdings erst nach der Kündigung. Vorher wusste ich nur, dass es so nicht weiter gehen kann und dass ich nicht weiter machen möchte. Es hat mehrere Wochen gebraucht, bis ich begründen konnte, warum mein Magen rebelliert hat, wenn ich zur Arbeit gefahren bin. Warum ich ständig Kopfschmerzen hatte. Warum ich andauernd gereizt war.

Das war absolut nicht ich

In der Firma bin ich zu einem Menschen geworden, der ich nicht sein wollte. Die bunte fröhliche Startup-Welt, in der sich alle lieb haben und am besten noch gemeinsam in den Urlaub fahren, hat mich beinahe in den Wahnsinn getrieben. Heute weiß ich, wie wichtig es mir ist, mir meine Freunde selbst auszusuchen. Meine Kolleginnen und Kollegen müssen mich nicht auf die heimische Couch begleiten. Nein danke, dahin gehören nur Leute, die ich mir ausgesucht habe.

Auch die völlige Freiheit, die die Vorgesetzten uns allen gelassen haben, hat mich nach und nach fertig gemacht. Es wurde eine Feedback-Kultur gepredigt, die effektiv nicht existiert hat. Woher aber sollte ich wissen, ob das, was ich tue auch richtig ist? Außerdem genieße ich den Komfort, den Grenzen mir liefern. Ich empfinde es nicht als einschränkend, dass meine Überstunden gezählt werden und mein Chef ab einem bestimmten Punkt sagt: „Ab nach Hause”. Ich genieße es, in einem großen Unternehmen daran erinnert zu werden, dass ich noch Urlaub übrig habe und diesen auch nehmen sollte. Das bedeutet nicht, dass ich unmotiviert bin. Das bedeutet lediglich, dass ich auch noch ein Leben außerhalb der Arbeit führe.

Traut euch!

Ich kann verstehen, dass die stylischen Büros von Startups nach außen verlockend wirken, dass das zelebrierte Feierabendbier mit Kollegen auf der Dachterrasse nach super Klima aussieht. Aber niemand muss der Typ dafür sein!

Damit will ich nicht sagen: „Hey, schmeißt unreflektiert euren Job hin!”, aber auch wenn euer Job nach außen hin perfekt wirkt und Freunde und Familie euch für verrückt erklären, sobald ihr darüber sprecht, euch beruflich neu zu orientieren: Ihr habt jedes Recht, euren Job kritisch zu hinterfragen. Jeder Mensch ist anders, jeder Mensch hat andere Bedürfnisse. Und ja, auch ein Berufseinsteiger Anfang zwanzig kann im strikt geregelten Büroalltag des Versicherungsbüros glücklich werden.

Noch verrückter mag es vielleicht klingen, kurz vor Ende der Probezeit zu kündigen. Vor allem, wenn der Arbeitgeber schon signalisiert hat, dass man die Probezeit bestanden hat. Aber die Probezeit ist dafür gedacht, dass das Unternehmen den Arbeitnehmer und der Arbeitnehmer das Unternehmen kennen lernt. Nicht nur ihr steht auf dem Prüfstand, das Unternehmen muss sich genauso beweisen. Also weg mit dem schlechten Gewissen!

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