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Warum wir immer mehr Geld ausgeben, als wir haben und wie wir das ändern können

Warum wir immer über unsere Verhältnisse leben, egal wie viel wir verdienen – und wie wir es schaffen, nicht an jedem Monatsende am Dispo zu kratzen.

 

Zu viel Monat am Ende des Geldes

Irgendetwas stimmt da nicht: Ich war
schon Studentin, Berufseinsteigerin, Festangestellte, Freiberuflerin; ich habe alleine gewohnt, in WGs, mit Partner, mit Familie; es hat sich
also immer mal wieder etwas verändert in meinem Leben, nur eines ist immer gleich
geblieben: Am Ende des Monats bin ich pleite.

Aber eines verstehe ich nicht: Warum war ich denn
als Studentin nicht noch schlimmer pleite als heute? Warum habe ich es nicht
geschafft, finanziell solide zu werden? Denn etwas anderes als das
kann es doch nicht bedeuten, wenn ich heute am Ende des Monats genauso knietief im Dispo stecke wie mit Mitte Zwanzig.

Immerhin bin ich mit diesem Problem
nicht allein. Außer ein paar Streber, die womöglich einen Tick in Richtung Knauserer gehen, kenne ich eigentlich niemandem in meinem Freundeskreis, der am Ende des Monats eigentlich nicht noch ein paar hundert Euro mehr gebrauchen könnte. Woran liegt es also, dass bei so vielen von uns am Ende
des Geldes noch so viel Monat übrig ist?

Restaurantbesuche statt Altersvorsorge

Wo geht es also hin, das ganze Geld? In eine
vernünftige Altersvorsorge, aufs Sparbuch oder in die Abbezahlung
eines Kredits für die Eigentumswohnung, so wie Mama und Papa sich
das wünschen würden, ja leider nicht. DM-Einkäufe?
Online-Frusteinkäufe? Restaurantbesuche? Benzin? Jeden Tag auswärts
Mittagessen mit den Kolleginnen? Autoreparatur? Es kommt jedenfalls
einiges zusammen jeden Monat. Das war allerdings schon immer so, aber
man verdient doch heute mehr als vor ein paar Jahren, warum also
reicht es trotzdem nicht?

Ganz einfach: Weil wir unsere
Bedürfnisse und unsere Ansprüche klammheimlich an das größer
werdende Budget anpassen. Vor zehn Jahren im Studium kam es einem
luxuriös vor, wenn man abends beim Thai um die Ecke für ein paar
Euro ein Curry zu sich nahm; heute taugt das Curry höchstes dazu, es sich
nach der Arbeit schnell zu holen, aber bestimmt nicht für einen
„richtigen“ Restaurantbesuch – bei dem ist man heute nämlich
hinterher einen dreistelligen Betrag los.

Das lässt sich für alle anderen
Konsumbereiche anwenden: Kaufte man früher vor allem die billigen Eigenmarken
der Drogeriemärkte und bei H&M und Humana, leistet man sich
heute eben auch mal etwas von teureren Marken. Während man früher
im Acht-Betten-Schlafsaal von betrunkenen Engländern aus dem Schlaf
gegrölt wurde, bucht man das wahnsinnig hübsch aussehende
Boutique-Hotel, auch wenn das schon ziemlich teuer ist. Und während
man früher beim Weinkauf bei Aldi an der Drei-Euro-Hürde scheiterte,
kauft man heute im Weinladen. Vielleicht hat man außerdem heute ein
Auto, oder eine Datsche, oder eine Fernbeziehung, oder einen Hund,
also irgendwas, das Arbeit macht und Geld kostet.

Rücklagen bilden 

Man muss nicht gleich vom
Allerschlimmsten ausgehen, um sich darüber klar zu sein, dass ein
gewisses finanzielles Polster wichtig ist für unvorhergesehene
Ausgaben, sei es eine teure Autoreparatur, ein neues Haushaltsgerät,
eine Steuernachzahung, eine Zahnbehandlung, die
nicht von der Kasse gezahlt wird, oder was auch immer. Und nicht
jeder hat Mama oder Papa am Start, die mal eben eine Überweisung
machen, wenn es irgendwo brennt.

Was also hilft? Wieder in der
Jugendherberge schlafen und Wein für 2,99 Euro trinken? Nicht
angenehm, aber auf lange Sicht effektiver ist: Sich einen Überblick
über die eigenen Finanzen verschaffen. Und zwar nicht in dem Sinne,
dass man alle paar Wochen mal einen Kontoauszug ausdruckt, falls man
zufällig an einer Filiale seiner Bank vorbeikommt, sondern ganz
genau zu wissen, wieviel man für was jeden Monat ausgibt.

Unglamourös, aher effektiv: Das Haushaltsbuch

Bedeutet: Ein
Haushaltsbuch führen. Das klingt gar nicht glamourös, ist es auch
nicht – aber es hilft, sich bewusst zu machen, wofür genau das
sauer verdiente Geld jeden Monat draufgeht – und an welchen Stellen
man ansetzen kann, um zu sparen.

Wer es ganz old-school mag, kauft sich
ein hübsches Heft, nimmt sein Lineal und zeichnet mit dem Bleistift
eine Tabelle: Jede feste Ausgabe bekommt eine Spalte, also Miete,
Strom, Gas, Versicherungen, Miegliedsbeiträge, Auto,
Kinderbetreuung, Telefonkosten und so weiter. Auch Ausgaben für
Lebensmittel, Kosmetik, Kleidung, Mittagessen im Büro, Kino müssen
rein. Viel einfacher und ebenso unglamourös ist eine Excel-Tabelle.
Und mittlerweile gibt es natürlich
unzählige Tools und Programme, die dabei
helfen, die eigenen Finanzen im Blick zu behalten. Apps wie
Cashcheck sind ebenso eine prima Hilfe, genau wie diese Anleitung zur
Führung eines Haushaltsbuches
.

Was auch hilft: Sich am Monatsbeginn ein festes Budget für bestimmte Bereiche setzen, bei denen man gerne öfters über die Stränge schlägt, etwa: Maximal 200 Euro für Kosmetik und Kleidung. Oder wenn
man weiß, dass beispielsweise ein neuer Koffer oder ein Herbstmantel
gekauft werden muss, ein bestimmtes Budget dafür einplanen und einen
Höchstbetrag festsetzen. 

Und nicht ständig mit
Kreditkarte bezahlen, es ist einfach zu verlockend, wenn wochenlang
nichts abgebucht wird. So als wäre es nie passiert. Lieber bar oder
mit EC-Karte.

Einen Überblick über die eigenen
Finanzen zu haben, bedeutet Sicherheit und Kontrolle. Wer ganz konkret weiß,
wohin sein sauer verdientes Geld jeden Monat wandert, der kann auch
bewusst entscheiden, ob er das so möchte oder nicht. Wer zum
Beispiel schwarz auf weiß nachsehen kann, dass er fünf Prozent
seines Gehalts jeden Monat in Coffee to go investiert, kann sich
überlegen, ob das wirklich eine gute Idee ist.

Wie ist das bei euch? Wie haltet ihr eure Finanzen unter Kontrolle? Wir freuen uns über weitere Tipps!

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