Foto: Brugal & Co.

Jassil Villanueva: „Wenn du das tust, wofür du brennst, dann hast du auch Erfolg“

Lange war der Beruf des Rum Masters ein Job für Männer – bis 2010. Dann stieg Jassil Villanueva als weltweit jüngste und erste weibliche Rum Masterin ins Unternehmen ein.

 

Die jüngste Rum Masterin der Welt

Den dominikanischen Rumhersteller Brugal & Co gibt es bereits seit 128 Jahren, die erste weibliche Rum Masterin in der Firmengeschichte jedoch erst seit 2010: Jassil Villanueva. 

Nachdem sie schon als Kind durch ihren Vater, der in der vierten Generation im Familienunternehmen gearbeitet hat, mit der Firma viel in Berührung kam, stand es für sie außer Frage, in die Fußstapfen ihrer Familie zu treten. Sie studierte Business Administration, machte diverse Praktika in der operativen Abteilung von Brugal und spezialisierte sich im Studium schließlich auf Business Management. 

Viele Leute hätten sich gewundert, wie sie als erste Frau überhaupt den Job des Rum Masters bekommen hat. Ob sie empfohlen wurde oder sich einfach „nur“ beworben hat? Die Antwort ist einfach: „Ich habe mich beworben und wurde ausgewählt.“ 

Wie die 28-Jährige selbst ihre Rolle als erste weibliche Rum Masterin in der Familientradition einschätzt und, was Frauen besser können als Männer, hat sie uns im Interview erzählt. 

An welchem Punkt in deinem Leben hast du dich bereit gefühlt, mit in die Firma einzusteigen?

„Rum Master zu werden, war bestimmte keine Entscheidung von jetzt auf gleich. Über Monate hinweg wurde ich in die Arbeit eingeführt, dazu gehörten unter anderem jede Menge blinder Geschmacksproben und Samplings, um meinen Geruchs- Geschmacks- und Sehsinn weiter zu verfeinern. Es war wirklich eine große Herausforderung für mich, weil keine Generation zuvor jemals in Erwägung gezogen hat, dass auch eine Frau die Position des Rum Masters einnehmen könnte.“ 

Wie fühlt sich das an, als Frau in einer männerdominierten Industrie zu arbeiten? 

„In den vergangenen Jahren hat die Alkoholindustrie immer mehr ihre Pforten auch für Frauen geöffnet, sodass jetzt schon einige Frauen in der Rumindustrie vertreten sind und auch wichtige Posten für große Marken innehaben. Bei uns im Unternehmen arbeiten mittlerweile 156 Frauen. Die Zeiten, in denen ausschließlich Männer in der Szene gearbeitet haben, sind wirklich vorbei.“ 

Hast du denn das Gefühl, dich beweisen zu müssen?

„Einerseits war es am Anfang wirklich überwältigend, weil ich eine große Verantwortung gespürt habe. Ich wusste: Alle Augen sind auf mich gerichtet, vor allem auf mich, weil ich die erste weibliche Rum Masterin bin. Andererseits verlangt die Menge an Verantwortung und Herausforderung auch, jeden Tag dein Bestes zu geben. Es bringt dich dazu, dich selbst zu übertreffen, immer auf dem Neuesten Stand zu sein und den Weg für Zukünftiges zu bereiten.

Ich bin einfach glücklich und fühle mich geehrt, als Teil der fünften Generation der Brugal-Familie das Unternehmen weiterzuführen, aber ich fühle keinen Druck dabei. Grenzen oder Hindernisse für uns Frauen gibt es nicht. Und, wenn wir uns welche aufbürden, sind wir dafür selbst verantwortlich.“

Inwiefern kann die Rumindustrie von Frauen wie dir profitieren? Was haben Frauen, was Männer nicht haben?

„Frauen sind sehr feinfühlig, haben ein geschulteres Auge für Details und haben definitiv einen schärferen Geruchssinn als Männer. Dadurch kann mehr experimentiert, neue Produkte und Geschmacksrichtungen ausgetestet werden. Ein Rum, der von einer Frau produziert wurde, hat einfach einen gewissen Twist.“ 

Was ist deine größte Herausforderung im Job? 

„Meine alltäglichen Grenzen zu übertreffen und so viel zu erreichen, dass auch alle nachfolgenden Generationen stolz auf das Unternehmen sein können.“

Welchen Ratschlag würdest du anderen Frauen geben, die ihre Karriere weiter vorantreiben wollen? 

„Das ist ganz einfach: Wenn du genau das tust, wofür du brennst, hast du auch Erfolg. Jeden Tag gibt es neue Tools, neue Strategien, neue Möglichkeiten, die uns erlauben, besser zu sein als unsere Konkurrenten und die Führungskraft effizienter zu gestalten. 

Wir sind ständig auf der Suche nach neuen Geschäftskontakten, versuchen, die ständigen Veränderungen wahrzunehmen und offen zu empfangen, helfen einander mit unseren eigenen Erfahrungen. Habt einfach immer im Kopf, dass Lernen ein endloser Prozess ist, ruft euch in Erinnerung, dass es immer etwas Neues geben wird, das zu lernen ist. 

Jede Erfahrung hat mir gelehrt, stärker zu werden und mir neue Ziele zu setzen. Anstatt an einem einzigen Fehler festzuhalten, sehe ich sie vielmehr als Möglichkeit, daran zu wachsen.“


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