Foto: Haupstadtmutti

Isa Grütering: „Mit den Kindern mussten wir unser Frausein neu definieren“

Mütter und Mode, das ist für Isa und Claudia eine perfekte Kombination. Denn auch äußerlich lässt sich zeigen, wie vielseitig das Muttersein sein kann.

 

Mutter werden und Frau bleiben

Isa Grüterin und Claudia Kahnt haben ihren Blog Hauptstadtmutti im Jahr 2011 gegründet. Die Motivation? Ihnen hat das Angebot im Netz für Frauen gefehlt, die sich in Sachen Muttersein für mehr als den Familienalltag interessieren. Zum Beispiel für Mode.

Und so begeben sich die beiden seit nun rund vier Jahren regelmäßig auf die Straßen Berlins und finden dort lauter spannende, inspirierende Mütter, die sie mit Bildern und kurzen Porträts vorstellen. Wir haben mit ihnen über das Muttersein, Zeitinseln und Modetrends für Mamis gesprochen.

Ihr seid im Jahr 2011 mit eurem Blog Hauptstadtmutti gestartet. Was war in der Zeit in eurem Leben los?

Isa: „Wir haben fast parallel Kinder bekommen und mussten unser Frausein neu definieren. Und das in jeder Hinsicht: in der Beziehung, im Job und auch modisch. Wir fühlten uns nicht anders als vorher aber doch weiblicher.“

Claudia: „Vor fünf Jahren gab es auch noch keine Modeblogs für junge Mütter, nur Mama-Blogs, in denen es um Probleme und Kinderkrankheiten und überhaupt nur um die Kinder ging. Auf der anderen Seite fand das Thema ‚Muttersein’ auf den Fashionblogs gar nicht statt. Wir fanden einfach nicht den richtigen Ort im Netz, um für uns Interessantes rauszuziehen. Naja, und da haben wir einfach unseren eigenen Modeblog für Mütter gegründet.“

Was habt ihr vor Haupstadtmutti beruflich gemacht?

Claudia: „Ich habe zehn Jahre als Artdirektor für Frauen- und Lifestyle-Magazine in Deutschland und im Ausland gearbeitet.“

Isa: „Ich habe mehr als zehn Jahre in Agenturen und Verlagen gearbeitet, und das sowohl Online als auch Offline. Wobei mein Herz schon immer für das Online-Business geschlagen hat.“

Heute seid ihr eine Institution unter den Mami-Blogs. Und das vor allem durch die Fokussierung auf den Stil von Großstadtmüttern. Habt ihr das erwartet?

Isa: „Wir denken einfach, dass sich Mütter gern von anderen Müttern inspirieren lassen. Deshalb haben wir unseren Blog auch nach und nach erweitert. Neben den Streetstyle-Interviews berichten wir auch über Reisen mit und ohne Kindern, wir geben Styling-Tipps und machen auch Karriere-Interviews mit erfolgreichen Müttern und Vätern. Berlin spielt dabei natürlich eine große Rolle. Man schaut einfach gern, was in der Hauptstadt getragen und gemacht wird.“

Was tragen denn die Mütter in Berlin gerade gerne?

Claudia: „Immer wieder oder immer noch Sneaker in allen Varianten, ist ja bei der Größe von Berlin kein Wunder. Die Berliner Muttis müssen weite Strecken zurücklegen. Ansonsten eine Sonnenbrille, die kaschiert gut die Augenringe bei nicht geschlafenen Nächten. Und große Taschen, die zur Wickeltasche umfunktioniert wurden und deshalb auch nicht nach Wickeltasche aussehen.“

Habt ihr noch eine Mutter im Kopf, deren Stil euch nachhaltig beeindruckt hat?

Isa: „Eigentlich sind wir jedes Mal aufs Neue beeindruckt, deshalb fotografieren wir die Mütter auf den Straße immer so gern. Besonders gut kommen natürlich sehr extravagant gestylte Mütter, wie Sarah, die komplett tätowiert ist oder Patricia, die einen wunderbaren Rockabilly-Stil hat, an.

Mal ehrlich, auf dem Spielplatz muss es modisch doch zwangsläufig etwas pragmatischer zugehen, oder?

Isa: „Nein, eigentlich nicht. Es spielen ja die Kinder im Sand und nicht unbedingt wir. Wir gehören auch nicht zu den überengagierten Müttern, die sich mit von der Rutsche stürzen müssen. Der Spielplatz gehört den Kids.“

Claudia: „Wir sitzen auch gern daneben und unterhalten uns mit anderen Müttern. Das ist mehr wert als jeder Elternratgeber.“

Was bedeutet euch Mode eigentlich?

Claudia: „Die Freude am Experimentieren und das Bewusstsein für den eigenen Körper zu entwickeln.“

Isa: „Vor allem nach einer Geburt sollte man lernen, seinen Körper zu akzeptieren. Die meisten Mütter, haben wir festgestellt, wagen modisch mehr.“

Dass mit dem Kind aus einer Frau, Freundin, Schwester oder Geliebten auf einmal „nur“ noch eine Mutter werden soll, diese Erwartung kommt von außen manchmal auf – aber von wem eigentlich und wie geht ihr mit so einer Haltung um?

Claudia: „Mutter werden, Frau bleiben. Das ist ja das Thema unseres Blogs. Wir denken, wenn wir die Resonanz sehen, dass wir damit auch den Nerv der Mütter getroffen haben. Wir zeigen auch gern, wie vielfältig das Muttersein sein kann.“

Isa: „Diese Erwartungshaltung kommt, meiner Meinung nach, eher von den Männern. Vor allem die, die mit Müttern, die nur Mutter waren, aufgewachsen sind, tun sich schwer damit zu akzeptieren, dass man auch anders leben kann. Es ist immer eine Frage, was man vorgelebt bekommen hat. Das hat viel mit den Themen Arbeiten und Kind und Fremdbetreuung – übrigens ein fürchterlicher und unangemessen negativer Ausdruck – zu tun. Wenn man berufstätig bleibt, ist man automatisch Frau und einfach nur zusätzlich Mutter.“

Um eine gute Mutter zu sein ist es doch letztlich essentiell,  nicht nur die Bedürfnisse seines Kindes, sondern auch sich selbst nicht aus den Augen zu verlieren.

Claudia: „Auf jeden Fall! Denn nur wenn es der Mutter gut geht, geht es den Kindern gut. Man kann da ruhig ein wenig egoistisch denken. Wenn ich eine kurze Nacht hatte, bin ich gestresst, meine Ausdauer hält sich in Grenzen, wenn sich dann mein Sohn auch noch in Zeitlupe anzieht und mich zehnmal das Gleiche fragt, knallt’s (lacht).“

Isa: „Bei Schlafentzug dreht jeder Mensch irgendwann durch. Also, unser Tipp an junge Eltern: Schlaft, so oft ihr könnt! Auch wenn ihr dafür um 19 Uhr ins Bett gehen müsst.“

Welchen Trick habt ihr, um wieder runterzukommen, wenn euch im trubeligen Familienalltag mal alles zu viel wird?

Isa: „Also ich gehe dann mit meinem Mann aus, in Berlin gibt es ja immer irgendwas zu tun oder zu sehen: Konzerte, Lesungen, Kino oder einfach nur mal Cocktails trinken in Mitte. Das hilft.“

Claudia: „Ich nehme mir bewusste Auszeiten und mache öfter kurze Reisen. Das gibt mir neue Energie und holt mich komplett runter.“

Wie sehr nerven eigentlich Klischees à la Latte Macchiato trinkender Prenzlauer-Berg-Mami oder das sich gehen lassende Muttertier?

Isa: „Ach, achtzig Prozent aller Klischees treffen doch irgendwie zu. Für uns sind solche Klischees super Themen, um damit auf dem Blog zu arbeiten.“

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