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Ein Brief an meine Freundinnen: Warum zweifeln wir immer so sehr an uns?

Martina sendet aus der Ferne einen dringenden Appell an ihre engsten Freundinnen: „Meine lieben Königinnen der Welt: Ihr seid toll so wie Ihr seid. Genießt eure Fähigkeit zu inspirieren und zu verzaubern. Eben sie macht unsere Welt jeden Tag ein wenig besser – und hört auf, so viel zu zweifeln.“

 

Ihr seid toll!

Aus der Ferne schreibe ich Euch einen Brief, um Euch etwas sagen: Ihr seid
toll! Ihr seid stark, inspirierend, bezaubernd und manchmal verletzlich,
traurig, zweifelnd. Leider konzentrieren wir weiblichen Wesen uns viel
lieber auf die letztgenannten Aspekte, bis sie uns so einnehmen, dass wir unsere
Stärke, unseren Zauber und unsere Inspirationsfähigkeit vergessen.

Ihr seid stark, inspirierend, bezaubernd und manchmal verletzlich, traurig, zweifelnd. 

Gerade bin ich auf einer kleinen Reise und höre Euch nur am Telefon. Jeden
Tag vermisse ich Euch. Gleichzeitig fällt mir durch die Distanz vieles sehr
deutlich auf:

Wenn ich Euch am Telefon höre, fühle ich so viele Zweifel. Wir Frauen sind
uns selbst einfach nie genug. Weil das so ist, teilen wir diese Zweifel auch
gerne. Dabei bauen wir ganz unbewusst Druck auf – auf uns und andere. Nur ein
kleines Beispiel:

Treffen sich Sara und Lisa auf einen Kaffee:

Sara: „Ach, irgendwie mag ich meinen
Körper gerade nicht.“

Lisa: „Wieso, Du siehst doch toll
aus.“

Sara: „Findest Du?“ (freut sich
über das Kompliment)

Lisa nickt: „Klar.“

Sara: „Ja, vielleicht liegt es daran,
dass ich gerade jeden Tag zum Yoga gehe.“

Lisa: „Wow, super. Das schaffe ich
leider nicht.“ (schlechtes Gewissen schleicht sich bei Lisa ein.)

Voilá, die Zweifel sind auf beiden Seiten keinen Funken verflogen. Noch
schlimmer wird es, wenn frau ihr Licht im Job unter den Scheffel stellt.

„Ich weiß nicht, ob die Präsentation
morgen gut genug ist?“ – Obwohl Anna das Thema seit Jahren betreut.

„Kai stellt
sich seinen Aufgaben immer so souverän und geht trotzdem um fünf Uhr nach Hause,“
denkt Maja und überarbeitet kritisch zum hundertsten Mal ihren längst
perfekten Artikel.

Zweifel sind Teil unseres Lebens.

Und die letzte Instanz des Zweifels: „Ach
ja, dein Job ist toll. Aber hast Du denn noch genug Zeit für Privatleben? Wenn
Du so viel arbeitest, findest Du doch nie einen Typen.“ Oder: „Ihr habt euch getrennt? Schon wieder eine Trennung? Vielleicht
solltest Du mal ein wenig zur Ruhe kommen,“  (vorwurfsvoller Ton von Tante Berta).

Oft folgen solchen Aussagen mitleidige, zweifelnde oder wertende Blicke. Egal
wie gut wir Frauen unseren Job und unser Leben meistern, wir sind stets nur so
gut wie der Mann an unserer Seite. Denn daran misst uns die Gesellschaft und
wir uns selbst.

Frauen zweifeln – die ganze Zeit. Wie selten höre ich eine Frau
selbstbewusst sagen, „Hey, ich bin gut in
dem, was ich tue. Ich mache es gerne, ich liebe es!“ Wie selten nehmen wir
uns einfach, wie wir sind, freuen uns über das, was wir tun und genießen das
Hier und Jetzt.

Zweifel überwältigen uns

Stattdessen lassen wir uns ganz von den Zweifeln einnehmen. Oft folgen
darauf auch immer wieder Täler der Traurigkeit. Frau fühlt sich einsam, weil
kein passender Partner da ist. Auch der Mangel an dem wahren, echten Traumjob
führt zu manchen dunklen Momenten. Am schlimmsten sind die freien, unverplanten
Wochenenden. Leider ist das Baumeln der Seele mittlerweile verpönt. Wenn frau
am Montag nicht von einem Date, einer Party oder zumindest einem göttlichen
Brunch berichten kann, ist der zweifelnde Blick der ausgelasteten Kollegen fast
vorprogrammiert. Der Wein am Montag Abend wird so schon einmal zu einer
geleerten Flasche, begleitet von schmerzenden Tränen der Traurigkeit.

Tränen und Traurigkeit sind ok!

Doch meine lieben Freundinnen: Tränen und Traurigkeit sind ok. Wir sind
nicht immer glücklich, gut gelaunt oder verplant. Nur wer
Traurigkeit kennt, kann auch die Sonne zu schätzen wissen. Denn Ihr habt die
Sonne verdient. Ihr müsst Euch nur selbst das Leben auf der Sonnenseite gönnen
– und zwar auf Eurer eigenen, ganz persönlichen Sonnenseite.

Diese Vielschichtigkeit anzuerkennen, kann verletzlich machen. So oft höre
ich gerade am Telefon den Schmerz, welcher durch Zweifel und Traurigkeit
entsteht. Manchmal kommt es mir vor, als würde Euer Herz bluten, weil ihr
meint, Euer Leben, Eure Karriere und Euren Partner noch nicht gefunden zu
haben.

Wann ändert sich etwas in unserem Leben?

Sätze wie „Ändert sich denn nie was
in meinem Leben?“ ­nach einem erneuten Streit mit dem Chef; „Warum trifft es eigentlich immer mich?“ nach
dem Ende eines sowieso wenig zielführenden Tinder-Flirts; oder „Ich weiß nicht mehr, wohin mein Leben geht“
während harter Entscheidungsphasen fangen an, Euren Alltag zu bestimmen.

Manchmal möchte ich am liebsten durch das Telefon springen, Euch umarmen
und Euch schütteln. Gleichzeitig möchte ich Euch vor Augen führen, was ich aus
der Distanz so deutlich sehe.

Ihr seid unglaublich starke Persönlichkeiten!

Ihr seid unglaublich starke Persönlichkeiten, die studiert haben, einen tollen
Job machen und sich dabei noch in der Freizeit engagieren. Ihr meistert
bravourös einen harten Arbeitsalltag, führt liebevoll Eure Mitarbeiter, tröstet abends Eure Freundinnen und engagiert Euch in sozialen Projekten. Nebenbei geht
Ihr noch zum Sport, lest Bücher oder bringt Euch das Nähen, Tanzen und Malen
bei. Wie viel Energie das kostet, ist Euch dabei meist gar nicht bewusst.
Dazwischen macht Ihr Euch Gedanken, um die Philosophie des Lebens, Eure
persönliche Weiterentwicklung und den nächsten Arbeitstag. Ihr seid gute
Menschen, habt das Herz am rechten Fleck und wenn Ihr gebraucht werdet,
überlegt Ihr nie, ob Ihr helfen sollt. Was könnte inspirierender sein?

Ihr inspiriert mit einem Lächeln im Gesicht!

All das macht Ihr mit einem Lächeln im Gesicht! Habt Ihr Euch einmal selbst
beobachtet? Wie Ihr mit Euren Kollegen, Mitarbeitern, Chefs, Freunden, Flirts
und Familienmitgliedern kommuniziert? Eure Gesichter sind offen, die Augen
aufmerksam und immer schmeichelt ein leichtes Lächeln um Eure Lippen. Denn Ihr
lacht gerne, seid gerne fröhlich. In so vielen kleinen Momenten Eurer anstrengenden
Tage macht Ihr durch kleine Gesten andere Menschen glücklich! Ihr beflügelt
sie!

Darum dürft Ihr Euch auch manchmal erlauben, ein glitzerndes Diadem
aufzusetzen, das ganz laut ruft: „Seht
alle her: Hier ist eine Königin der Welt“. Hier ist eine Frau, die ihr Ding
macht. Sie statuiert ein Exempel durch ihr Lächeln, ihr Mitgefühl und ihre
innere Stärke. Manchmal ist die Königin zweifelnd, traurig oder verletzlich.
Aber das ist ok. Denn genau das macht sie stärker.

Meine lieben Frauen, Freundinnen und Königinnen der Welt: Ihr seid toll, so
wie Ihr seid. Alles, was Ihr macht, ist perfekt. Gerade die Akzeptanz Eurer
kleinen Unzulänglichkeiten macht Euch aus. Darum bitte ich Euch, Eure Fähigkeit,
zu inspirieren und zu verzaubern, zu genießen. Eben sie macht unsere Welt jeden
Tag ein wenig besser.

Ich umarme Euch von ganzem Herzen aus einem kleinen nostalgischen Café.

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