Foto: Women in Digital

Tijen Onaran: „Ein gutes Netzwerk aufbauen heißt nicht, Visitenkartenroulette auf Events zu spielen“

Brauchen wir noch Netzwerke, denen nur Frauen angehören? Tijen Onaran ist dieser Meinung – und hat einen Zusammenschluss von Female Leaders in der Digitalbranche ins Leben gerufen.

 

Noch ein Netzwerk?

Die 30-jährige Tijen Onaran will Frauen, die in der Digitalbranche arbeiten, zusammenbringen. Warum viele solcher beruflichen Netzwerke nötig sind, was die Women in Digital anders machen als andere Zusammenschlüsse und was das neue Netzwerk plant, hat sie uns im Interview erzählt.

Es gibt als Netzwerk für Frauen in der Digitalbranche schon die Geekettes und die Digital Media Women. Warum brauchen wir noch ein Netzwerk für Frauen in der Digitalbranche?

„Vielfalt belebt, ob in der Medien- oder Netzwerklandschaft. Auch im Medienbereich gibt es verschiedene Formate, die eine ähnliche Zielgruppe haben und sich trotzdem in ausschlaggebenden Nuancen unterscheiden. Alle wollen gute journalistische Inhalte bieten – aber entscheidend ist doch, wie. Genauso ist es bei Netzwerken: Alle wollen Menschen zusammenbringen und vernetzen – entscheidend ist, wie. Ansprache, Aufmachung und inhaltliches Angebot machen den Unterschied.“

Gestartet ist das Netzwerk als eines für Frauen im E-Commerce-Bereich. Warum habt ihr den Namen geändert und sind alle Mitglieder mitgekommen?

„Women in E-Commerce („WIE“) habe ich in meiner Funktion als Leiterin Kommunikation des Händlerbundes, einem Onlinehandelsverband, ins Leben gerufen. Dadurch ergab sich auch der E-Commerce-Fokus. E-Commerce ist aber nur ein Teil der Digitalisierung, weshalb dann die Idee zu Women in Digital entstanden ist. Diejenigen, die sich für WIE interessiert haben, interessieren sich natürlich auch für Women in Digital. Aber es gibt viele neue spannende Frauen, ob es Gründerinnen oder Corporate-Frauen sind, die Women in Digital mitgestalten und sich bei uns engagieren wollen.“

Warum überhaupt ein Netzwerk nur für Frauen?

„Weil ich glaube, dass ein Netzwerk nur für Frauen eine andere Klangfarbe hat als ein gemischtes Netzwerk. Frauen unter sich sprechen eine andere Sprache, genau wie Männer unter sich. Bei Women in Digital dürfen Frauen auch Frauen sein und sich über Nagellack genauso austauschen wie über das neuste Projektmanagement-Tool.“

Women in Digital ist für dich ein ehrenamtliches Projekt. Was hat dich motiviert, das Netzwerk zu gründen?

„2015 habe ich ein sogenanntes „Ladies After-Work“ ins Leben gerufen – ein Event, bei dem wir uns einmal im Monat treffen und eine Frau als Gastgeberin einen Einblick in ihren Job gibt. Es waren zunehmend Frauen aus der Digitalbranche, die Interesse an dem Format gezeigt haben, so dass ich die Idee für Women in Digital entwickelt habe. Ich wollte ein Netzwerk schaffen, das nicht als esoterische Klangschale daherkommt, sondern eines mit ansteckendem Sound. Mit Constanze, die auch mit ihm Vorstand von Women in Digital ist, und Anna, unserer Pressesprecherin, sind zwei tolle Frauen mit an Bord, die aus ganz unterschiedlichen Bereichen kommen, was aber unglaublich bereichernd ist. Constanze hat beispielsweise eine bewundernswerte Expertise im Lifestyle-Segment als Designerin und Gründerin des Labels Tatatat und Anna ist ein kommunikatives Allround-Talent, sie hat einen hervorragenden Blick für Storys und Sprache.“

Gibt es Vorbilder für euer Netzwerk?

„Eher Inspirationsquellen. Das kann eine starke Frau wie beispielsweise Annett Möller sein, die sich neben ihrer Karriere als TV-Moderatorin ihren Traum eines eigenen Labels erfüllt hat. Oder eine Initiative wie Startup Teens, die bereits jungen Menschen Unternehmertum beibringt und ihnen mit Wissen und tollen Unternehmerinnen und Unternehmern zur Seite steht. Aber auch Talk-Formate wie zum Beispiel die Hörbar Rust der Journalistin Bettina Rust auf Radioeins oder die NDR-Talkshow, der Kölner Treff oder 3 nach 9, die allesamt Menschen sichtbar machen, die inspirierende und oft berührende Lebensgeschichten haben. “

Warum ist es so wichtig, sich beruflich zu vernetzen?

„Weil es dich in die Lage versetzt, leichter Türen zu öffnen. Wer gut vernetzt ist, hat besseren Zugang: zu Menschen, insbesondere aber auch zu Themen. Ein gutes Netzwerk basiert auf Vertrauen. Wer dir vertraut, gestaltet auch mit dir. Das hilft im Job ungemein, da es immer Situationen gibt, in denen du auf Kooperationen angewiesen bist. Und diese Kooperationen gehst du am ehesten mit den Menschen ein, die du auch persönlich kennst. Außerdem bin ich fest davon überzeugt, dass man gemeinsam mehr erreicht als alleine.“

Welche großen Digitalthemen stehen 2016 an?

„Wir sehen drei große Themen für 2016: Female Leaders in der Digitalbranche, Digital Leadership und digitale Bildung.“

Inwiefern wollen die Women in Digital diese Themen begleiten – was plant ihr?

„Das Thema ,Female Leaders in der Digitalbranche‘ wollen wir begleiten, indem wir auf unseren Events und über unsere Kanäle Frauen und ihren Lebenswegen Sichtbarkeit verschaffen. Gleiches gilt für die Platzierung dieser Frauen in den Medien, auf Kongressen, oder in Talkrunden. Am 1. März sind wir beispielsweise mit einem Panel zum Thema ,Female Commerce auf der Internet World vertreten. Bei den Themen ,Digital Leadership und ,Digitale Bildung werden wir in Kooperation mit Organisationen und Institutionen Formate und Studien entwickeln, die Frauen fit für die Digitalbranche machen.“

Wird man als Netzwerkerin geboren oder kann man das lernen?

„Echtes Interesse für das Gegenüber ist genauso hilfreich wie eine gesunde Neugier. Ein gutes Netzwerk aufbauen heißt nicht, Visitenkartenroulette auf Events zu spielen, sondern  Gespür für Menschen, deren Geschichten und Themen zu haben. Idealerweise bringst du das mit. Was du lernen kannst, ist klare Kommunikation, die dir in Gesprächen hilft, do´s and don´ts bei der Planung von Netzwerkformaten und ein gutes Zeitmanagement.“

Danke für das Gespräch, liebe Tijen.

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