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Väter in Elternzeit: Mehr als zwei Monate sind doch lächerlich!

Dass Väter auch in Elternzeit gehen, ist heute doch gelebte Realität, oder? Jein, denn wenn sie mehr wollen, als die klassischen zwei Monate, dann lassen die Arbeitgeber sie im Regen stehen.

 

Väterfreundlichkeit in Unternehmen? Hier hapert es noch gewaltig!

Väter in Elternzeit? Das ist doch heute gang und gäbe! Nun, ja, so kann man das deuten, wenn man es als ausreichend bewertet, dass jeder dritte Vater sich nach der Geburt eines Kindes zwei Monate Zeit für das Baby nimmt. Oder man fragt sich, warum es nur jeder Dritte ist und es über diese zwei Monaten so gut wie nie hinausgeht. Antworten auf diese Frage bietet das aktuelle Väterbarometer des Bundesfamilienministeriums, für das jährlich 1.000 angestellte Väter minderjähriger Kinder und 300 Arbeitgeber aller Branchen sowie Größenklassen befragt werden – und dessen Ergebnisse jüngst im Handelsblatt veröffentlich worden sind.

Die Umfrage zeigt, dass Väter sich weiterhin von ihren Arbeitgebern in Sachen Vereinbarkeit alleingelassen fühlen und sich viele zwar eine längere Auszeit vom Job zugunsten der Familie wünschen, sie sich aber schlicht nicht trauen, mehr Zeit zuhause zu erfragen. Warum? Nun, weil sie an den Karriereverläufen ihrer Frauen beobachten können, dass Familienarbeit in Vollzeit langfristig noch immer zu einem Knick in der beruflichen Laufbahn führt. Aber, so zeigt sich das Handelsblatt positiv: Wer sich traue, der würde sich auch mit seinem Wunsch umsetzen. Bravo – doch hier sollte doch darüber nachgedacht werden, wie man es schaffen kann, dass Vätern die gedankliche Hürden endlich genommen werden. Wie ein Unternehmenskultur etabliert werden kann, die ganz selbstverständlich proklamiert: Kind und Karriere – das ist für Väter und Mütter möglich!

Nur am Wochenende Vatersein? Das reicht nicht.

Aber nicht nur die Probleme mit einer längeren Auszeit vom Job stößt den Vätern auf, auch dass sie wegen dem Mangel an Alternativen zum klassischen 9-to-5-Arbeitsmodell zu Vätern gemacht werden, die allenfalls abends Gute Nacht sagen oder am Wochenende mal auf dem Spielplatz dabei sind. Denn noch immer tun sich Arbeitgeber sehr schwer damit, ihren Mitarbeitern mehr Flexibilität mit einer kurzfristigen Reduzierung der Arbeitsstunden, Home Office oder Gleitzeit die Vereinbarkeit von Job und Familie zu erleichtern. Dabei würde sich das absolut lohnen, so berichtet das Handelsblatt, wie es Vodafone mit einem individuellen Elternzeit-Angebot geschafft hat, dass weibliche Top-Kräfte nach der Geburt wieder schneller an den Arbeitsplatz zurückkehren: Mit einem Modell, bei dem Mütter und Väter ihre Arbeitszeit für maximal sechs Monate um 25 Prozent reduzieren, dafür aber weiter ihr volles Gehalt beziehen. Das Ganze unter der Prämisse, dass die Mütter spätestens sechs Monate nach der Geburt wieder anfangen mindestens in Teilzeit zu arbeiten.

Ein guter Ansatz, doch leider sind neue Modelle immer noch eine Seltenheit.
Aber das Problem liegt nicht nur in unserer Arbeitswelt, auch die klassischen Rollenbilder machen es den Vätern schwer, sich bestimmter für ihren Wunsch nach mehr Zeit für die Familie durchzusetzen. All das zeigt: Unsere Arbeitswelt und wir als Gesellschaft sind noch lange nicht so modern, wie wir sein sollten. Nachbessern ist angesagt!

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