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Was Frauen tragen dürfen? Die Reaktionen auf Lenas Outfit zeigen: Das bestimmen andere

Lena Meyer-Landrut zeigte sich bei der Berlinale in einem Kleid, das für Aufregung sorgte. Es scheint fast so, als müssten Frauen noch immer einem Dresscode folgen.

 

Was dürfen Frauen tragen?

„XXL-Dekolltée“, „Bauchnabelkleid“ und „Mega-Ausschnitt“ – Boulevard-Medien, wie Bild und BUNTE, finden viele Worte, um den Auftritt von Lena Meyer-Landrut auf der Berlinale-Premiere zu Emily Atefs Film „Drei Tage in Quiberon“ zu beschreiben. Warum überhaupt diese Diskussion um das lilafarbene Designerkleid von Michael Sonntag? Das Thema der richtigen Kleiderwahl wird aufgebauscht, obwohl es gar keines sein sollte. Denn jede Frau sollte das tragen können, was sie möchte. Nicht mehr und nicht weniger.

Aber so einfach ist es offensichtlich (noch immer) nicht.

Quelle: Lena Meyer-Landrut | Instagram

Neben den vollkommen unangebrachten, weil schlicht sexistischen Kommentaren der Bild, über die Brüste der Sängerin, die aber kaum verwundern, meldete sich aber auch eine Frau mit einem Beitrag zu Wort, der zeigt, wo wir mit dem Blick auf Frauen heute noch stehen. Die Journalistin Sabine Oelmann ging so weit, einen öffentlichen Beschwerdebrief „an die sonst so schöne, schlaue Lena“ zu hinterlassen, wie es in ihrem Text heißt – was offensichtlich noch einmal angesichts eines freizügigen Kleides herausgestellt werden muss. Wie alt ist die Mär davon, dass Frauen, die sich für Mode interessieren, nicht schlau sein können? Wohl nicht alt genug, um sie nicht immer wieder hervorzuholen. Zudem würde die Sängerin mit der gezeigten Haut und dem farbenfrohen Auftritt anderen wichtigen Frauen des Abends die Show stehlen. Und das geht gar nicht, denn auf Filmpreisen trägt man, im Rahmen der #MeToo-Debatte, momentan schwarz. Eigentlich ein spannender Aspekt, wenn er denn inhaltlich diskutiert werden würde.

#Metoo oder ohne mich?

Aber wenn es der Journalistin vor allem darum geht, dass sie mit der Entscheidung, nicht Schwarz zu tragen, anderen Frauen den Auftritt stiehlt, („Das ist nicht fair“), dann zielt das in eine Richtung ab, mit der weder dem Thema, noch einer einzigen Frau geholfen ist.

Zudem ist ein interessanter Punkt, dass Oelmann nicht die Medien für ihre sexistischen Schlagzeilen kritisiert, sondern Lena selbst die Schuld dafür gibt. Und auch da stecken wir wieder in alten Debatten fest: Wieso sollte für Frauen bestimmte Kleidung tabu sein, nur damit andere nicht auf falsche Gedanken kommen – wieso sollte es die Schuld einer Frau sein, wenn andere sie objektifizieren?

In diese Kerbe schlägt auch der gut gemeinte Rat, den sie Lena Meyer-Landrut mit auf den Weg gibt: „Manchmal ist mehr Kopf besser, als mehr Körper“. Es ist doch wirklich traurig, dass sich Frauen gegenseitig öffentlich maßregeln und vorgeben wollen, wie sie sich ihrer Meinung nach passend kleiden. Denn noch einmal: Wie sich eine Frau zeigt, sagt noch lange nichts über ihren Verstand aus. Über Facebook kontert Lena selbstbewusst: „Einen Meinungsstreit über dumme harmlose Dinge, wie etwa was ich anziehe, zu kreieren, bringt uns wirklich nicht weiter nach vorne.“ Da hat sie Recht. Wer sich an diesen Dingen aufhängt, sollte vielleicht auch die eigene Definition des Begriffs der „Frauendiskriminierung“, die Oelmann in ihrem Text erwähnt, noch einmal überdenken.

Mutige Statements

Eine Voraussetzung für die Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern ist, dass Frauen die Wahl haben. Die Wahl, zu arbeiten oder zu Hause zu bleiben. Die Wahl, Kinder zu bekommen oder nicht. Und auch die Wahl, sich zu kleiden und auch zu schminken, wie sie wollen.

Wenn Frauen auf dem roten Teppich in erster Linie auf ihren Körper reduziert werden und die eigentliche Veranstaltung in den Hintergrund rückt, ist klar: In Sachen Geschlechtergerechtigkeit und Sexismus ist noch einiges zu tun. Aber das ist kein deutsches Problem. Tatsächlich hatte ein paar Tage zuvor die Hollywood-Schauspielerin Jennifer Lawrence mit Ähnlichem zu kämpfen, als sie für ein Outdoor-Shooting in einem schulterfreien Kleid kritisiert wurde. Sie schreibt dazu: „Es hilft keinem von uns, wenn wir uns in so banale Dinge reinsteigern. Es lenkt nur von den wahren Problemen ab.“ 



Quelle: Jennifer Lawrence | Facebook

Wahre Worte. Vielleicht kommen wir irgendwann wirklich davon weg, Menschen und insbesondere Frauen nicht mehr aufgrund ihres Aussehens zu bewerten. Es wäre zu wünschen.

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