Foto: Karen Stintz I Flickr I CC BY 2.0

Beruflicher Erfolg: Wieso Authentizität so wichtig ist

Um die eigene Karriere anzukurbeln, sollten Frauen auch eines sein: authentisch. Denn nur wer sich selbst kennt, kann andere führen.

 

Kenne deine Stärken

Beruf und Karriere sind nicht nur eine Frage von Professionalität, sondern eine Frage des Stils. Um authentisch zu sein, muss ich möglichst viele Facetten meiner Persönlichkeit kennen, meine Stärken und Schwächen, meine Einstellungen, meine Motivatoren, meine Ängste und Tabus. Je besser ich all meine intellektuellen Fähigkeiten und Persönlichkeitsanteile kenne und – dies ist der schwierigste Part – auch akzeptiere, desto besser bin ich in der Lage, sie angemessen in mein Handeln zu integrieren und mich offen zu zeigen. Mein Gegenüber erlebt mich dann als „echt“ und nur so kann ich als Führungskraft meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter begeistern. Nur so kann ich sie überzeugen und ihnen ihre Befürchtungen vor Veränderung nehmen, sie wertschätzen und zur Zielerreichung motivieren. Erfolgreich zu führen heißt in diesem Sinne, mich als Persönlichkeit zu zeigen, Vorbild zu sein und Visionen vorzugeben, mich aber dennoch gegen andere zu behaupten und durchzusetzen.

Ich habe beispielsweise eine sehr offene Feedbackkultur in meiner Rolle als Führungskraft eingeführt. Jeder darf seine Meinung offen sagen, weiß aber auch, dass ich sehr offen und direkt bin. So wissen die Mitarbeiter jederzeit, woran sie sind und fühlen sich sicher. Das ist meine Art von Authentizität, weil ich so auch privat bin.

Ehrgeiz nur bei Männern willkommen

Was hier so einfach klingt, sieht im Alltag vieler Frauen häufig anders aus. Oftmals gelingt es ihnen am Arbeitsplatz nicht, so aufzutreten und wahrgenommen zu werden. Die Ursachen dafür sind vielfältig. Eine mögliche Erklärung ist das Heidi/Howard-Experiment. Im Jahr 2003 haben zwei Professoren an der Harvard Business School Studierende in zwei Gruppen eingeteilt und den Lebenslauf der tatsächlich existierenden Unternehmerin Heidi Roizen verteilt. Der einzige Unterschied: Bei der einen Gruppe trug der CV den Namen Heidi, bei der anderen den Namen Howard. Beide Gruppen waren sich einig, was die Tüchtigkeit von Heidi oder Howard betraf. Aber: Während die Studierenden Heidi als unsympathisch und selbstsüchtig empfanden und nicht mit ihr zusammenarbeiten wollten, galt für Howard das Gegenteil. Das zeigt: Karriere war vor zehn Jahren nicht nur eine Frage der Professionalität, sondern vor allem der persönlichen Sichtweise. Und heute? Wie ist es eine Dekade später um die Akzeptanz der Frau und ihrer Persönlichkeit bestellt?

Wanted: Weibliche Aufsichtsräte

Ein Blick auf die Anzahl der Frauen in den Vorständen der 30 Dax-Unternehmen belegt: Die Akzeptanz der toughen Heidi ist Fehlanzeige. Dort sehen sich zehn weibliche Vorstände 173 Männern gegenüber. Das entspricht einem Frauenanteil von 5,5 Prozent und bedeutet sogar einen Rückschritt im Vergleich zum Vorjahr, als er noch bei 6,3 Prozent lag. Die Reaktion der Bundesregierung: Sie will bis 2016 die Frauenquote in Aufsichtsräten deutscher Unternehmen von aktuell 24,7 auf 30 Prozent erhöhen. Für Vorstände und kleinere Unternehmen will die Regierung flexible Quoten einführen. Das entsprechende Gesetz naht – doch wird es für Frauen so leichter ihre Persönlichkeit zu leben? Ich denke nicht. Das zeigt mir auch meine langjährige Erfahrung in der Finanzindustrie.

Frauen steigern unternehmerischen Erfolg

Dabei gibt es allein aus unternehmerischer Sicht gute Gründe, mehr Frauen in Führungspositionen zu besetzen. Gemischte Teams aus Frauen und Männern arbeiten effizienter als homogene Gruppen. Heterogene Teams steigern auch den wirtschaftlichen Erfolg von Unternehmen. Außerdem erzielen Konzerne, in deren Führungsetage mindestens drei Frauen sitzen, höhere Renditen und bessere Betriebsergebnisse. Einfacher gesagt: Weiblicher Führungsstil zahlt sich aus. Gerade die Mischung aus Männern und Frauen führt zum Erfolg. Allen Klischees zum Trotz habe ich schon häufig beobachtet, dass Frauen tendenziell mehr diskutieren oder erklären, während Männer häufig rigoroser in ihren Anweisungen und rationaler sind. So habe ich selbst auch ein heterogenes Team um mich herum, das sich gut ergänzt.

Was können Frauen selbst tun? – Sechs Tipps zum Erfolg

  • Die Karriere planen: Sich ambitionierte Ziele setzen, ist ein Muss. Die wichtigste Frage: Wo sehe ich mich in zwei, fünf und zehn Jahren und wie komme ich dorthin? Für Frauen steht häufig der aktuelle Karriereschritt im Fokus und nicht schon der nächste. Den sollten Frauen aber immer mit im Blick haben und genau wissen, was danach kommt.
     
  • Die Fragezeichen zuhause lassen. Statistiken, die belegen, dass es weit oben auf der Karriereleiter immer weniger Frauen gibt, sollten bei Frauen keine Selbstzweifel aufkommen lassen. Sie sollten vielmehr denken: Jetzt erst recht! Denn letztendlich gibt es keinen Grund, warum eine Frau nicht genauso gut wie ein Mann zum Vorstand eines Dax-Unternehmens gehören kann.
     
  • Frauen sind häufig selbstkritischer in ihrer Rolle als Führungskraft, da sie im Gegensatz zu Männern noch nicht so gut in diese Rolle hineingewachsen sind. Wenn sie sich jeden Morgen lange damit beschäftigen, was sie eventuell alles falsch gemacht haben könnten, ist das zu viel. Besonders Frauen müssen lernen, sich auch zu loben.
     
  • Fortschritt geht auch seitwärts. Ein Schritt auf dem Karriereweg muss nicht immer gleich eine Stufe höher auf der Leiter sein. Jeder Job, der die Möglichkeit bietet, Neues zu lernen, ist attraktiv. Man kann sich dabei neue Kompetenzen aneignen, ein weiteres Netzwerk aufbauen und Flexibilität trainieren.
     
  • Sich nicht unter Wert verkaufen: Selbst Frauen in Führungspositionen verdienen immer noch deutlich weniger als ihre männlichen Kollegen. Das hat unter anderem damit zu tun, dass Frauen bei Gehaltsverhandlungen mit weniger auf dem Konto zufrieden sind. Tipp: Stellen Sie sich im Gespräch vor, für jemand anderen zu verhandeln, etwa für einen guten Freund.
     
  • Sich selbstverständlich Zeit fürs Wesentliche nehmen: Zugegeben, es ist nicht einfach, Beruf und Privatleben unter einen Hut zu bringen. Gerade Frauen verstehen sich häufig auch als Managerin des Familienlebens. Dann kommt es umso stärker darauf an, Prioritäten zu setzen und den Perfektionismus beiseite zu schieben. Wenn ich meine Tochter vor der Arbeit zum Arzt fahren muss und daher später im Büro bin, ist das einfach so. Die Realität lässt sich nicht immer komplett planen und die damit einhergehende Flexibilität lebe ich selbstverständlich.

Selbst ist die Frau

Neben diesen Ratschlägen sollten sich Frauen immer mal wieder die guten Vorbilder für eine gelungene Karriere vor Augen führen – angefangen von Julia Jäckel über Marissa Mayer, Vorstandsvorsitzende Yahoo bis hin zu Claudia Nemat, Vorstandsmitglied Deutsche Telekom. Was sie vereint: Diese Frauen versuchen nicht etwa „bessere Männer“ zu werden. Sie haben vielmehr einfach ihren eigenen, authentischen Stil entwickelt. Denn nur, wenn Frau sich in ihrer Rolle wohlfühlt, kann sie Werte vorleben und in der sich wandelnden Wirtschaftswelt auch langfristig Erfolg haben.

 

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