Foto: Conni Biesalski

„Mir ist scheißegal, was andere Leute über mich denken“

„Mit Rucksack, Zen und Laptop um die Welt“, lautet das Motto der Reisebloggerin Conni Biesalski, die überall auf der Welt zu Hause ist. Warum ein 9-to-5-Job keine Option ist und womit sie ihr Geld verdient, erzählt sie uns im Interview.

 

Frei, unabhängig und selbstbestimmt

Freitagmorgen, 8 Uhr nach deutscher Zeit. Ich sitze der 32-jährigen Reisebloggerin Conni Biesalski gegenüber, die schon rund 60 Länder bereist hat. Wir unterhalten uns über ihren Blog „Planetbackpack“, ihr Leben als „digitale Zen-Nomadin“ und ihre Zukunftspläne. Einziger Fehler im Bild: Ich bin in Deutschland, hinter mir prasselt der Regen gegen das Fenster. Conni hingegen befindet sich in einem Internetcafé in Nordthailand, im Hintergrund erspähe ich pure Natur. Das Interview führen wir über Skype. 

Was Conni Biesalski gerade in Thailand macht, warum sie auf Bali lebt und wie sie ihren Tag gestaltet, erzählt sie mir aus einer Zeitzone, die uns Deutschen sechs Stunden voraus ist.

Du bezeichnest dich selbst als „digitaler Zen-Nomadin“. Was bedeutet das genau für dich?

„Für mich bedeutet das, dass ich statt des reinen digitalen Nomadenlebens, bei dem es vor allem darum geht, ortsunabhängig zu leben und zu arbeiten und quasi die Welt zu bereisen, während man Geld verdient, noch ein Stück weiter gehe. Ich lebe dazu einen Lifestyle, der gesund ist, der Yoga und Meditation beinhaltet, der bewussteres, vor allem langsames Reisen zulässt.“

Wohin ging deine erste Reise?

„Ich bin schon als Teeanger sehr viel gereist. Mit 15 war ich für ein Highschool-Jahr in den USA, aber meine erste Backpack-Reise, die selbstorganisiert und ganz unabhängig war, ging mit 20 nach Thailand.“

Du hast Medien und Kommunikation in Österreich und Amerika studiert, hattest bereits einen 9-to-5-Job in einer PR-Agentur. Wann kam der Punkt, an dem du dachtest: „Da muss doch mehr sein im Leben“? 

„Ich habe schon während des Studiums
gearbeitet, was auch cool war. Nach dem Ende meines Studiums bin ich 2009 mit einem „One-Way-Ticket“ nach Indien geflogen. Von dort aus bin ich weiter nach Asien gereist, wurde Tauchlehrerin in Indonesien. In Australien habe ich dann meine damalige Freundin kennengelernt. Nachdem ich bereits mehr als zwei Jahre unterwegs war, sind wir nach Deutschland gegangen – hauptsächlich, weil meine damalige Freundin die Sprache lernen und meine Familie kennenlernen wollte.

Wir sind nach Berlin gezogen und dann war schnell klar, dass ich mir jetzt etwas Richtiges suchen muss, was ich dann auch getan habe: ein „Traineeship“ in einer PR-Agentur in Berlin. Doch schon nach zwei Monaten habe ich gemerkt, dass das nichts für mich ist: im Büro zu sitzen,
für jemand anderen zu arbeiten und nicht reisen zu können, wann ich will. Nach acht Monaten habe ich gekündigt.“

Wann ist dein Reiseblog „Planet Backpack“ dann entstanden – direkt nach deiner Kündigung?

„Im Januar 2012 habe ich mich selbstständig gemacht und frei im Social-Media-Bereich gearbeitet, WordPress-Seiten und Übersetzungen gemacht. Im April bin ich nach Bali geflogen und habe ,Planet Backpack gelauncht.“ 

Welche drei Dinge haben sich in deinem Leben verändert, seitdem du als digitale Zen-Nomadin lebst?

„Das erste Stichwort: endlose Freiheit. Ich kann
auswählen, wann ich arbeite, wie ich arbeite, wo ich arbeite. Ich habe
finanzielle Freiheit und am Ende des Tages mehr Geld, weil ich als selbstständige Frau einfach mehr Kontrolle darüber habe, was am Ende des Monats auf meinem Konto ist. Es liegt an mir, wie viel ich arbeite und wie viel Marketing ich mache.
Ich habe grundsätzlich sehr viel Freude am Leben, weil ich jeden Tag so
gestalten kann wie ich möchte: viel Yoga, Meditation, gesunde Ernährung. Außerdem halte ich mich viel an Orten auf, die mir guttun. Dadurch habe ich einfach einen viel gesünderen Lifestyle.“ 


Auf welche Dinge musst du verzichten?

„Das ist immer eine schwierige Frage, weil ich keine negativen Seiten an der ganzen Sache sehe. Es ist klar, dass ich nicht ständig alle Leute um mich herum haben kann, die überall
auf der Welt verteilt sind – Freunde oder auch Familie. Aber wenn ich die sehen
möchte, setze ich mich halt morgen in den Flieger. Einzig und allein die Produktivität leidet manchmal. Wenn man mehr unterwegs oder an einem neuen Ort ist, ist es durchaus ein bisschen
schwierig, ein höheres Level an Produktivität beizuhalten.“

Wie sieht ein typischer Tag in deinem Leben aus?

„Ich wache immer auf, wenn ich aufwache – dann, wenn mein Körper dazu bereit ist, denn ich habe keinen Wecker. Das ist in Bali meist zwischen 6 und 7 Uhr.  Da ich recht früh ins Bett gehe, stehe ich dementsprechend auch sehr früh auf. 

Dann meditiere ich, mache meine Morgenroutine, mein Zitronenwasser, ein gesundes Porridge-Frühstück,
setze mich hin und lese. Die ersten ein bis zwei Stunden sind vordergründig für mich
reserviert. Manchmal gehe ich auch morgens zum Yoga oder zum Surfen. Am späten Vormittag, zwischen 10 und 11 Uhr, fange ich dann an zu arbeiten und setze mich an den Laptop. Das variiert dann aber sehr, je nachdem was ich zu tun habe, wie viel ich arbeite, wie viel Lust ich habe: manchmal sind’s nur zwei Stunden, an anderen Tagen dafür acht. 


Da ich ein sehr sozialer Mensch bin, bin ich viel mit meinen Freunden unterwegs, nehme mir aber auch die Zeit, um zu lernen und zu lesen, um
am Meer zu sein und spazieren zu gehen. Mir ist wichtig, dass mein Tag gut ausgewogen
ist und dass ich am Tag mehr offline bin als online.“

Neben deinem Reiseblog hast du gemeinsam mit einem anderen Blogger „Blogcamp“, einen Online-Workshop zum Starten eines Blogs, gegründet. Wie kam es dazu?

„Meinen Businesspartner
habe ich in Thailand vor einigen Jahren kennengelernt. Wir haben gemerkt, dass wir mit unseren Reiseblogs Kohle verdienen und erfolgreich sind und wollten
das weitergeben. Ende 2012 haben wir gestartet und vorerst offline-Workshops unter anderem in Berlin, Köln, und Hannover veranstaltet. Um den Inhalt noch mehr Menschen
verfügbar zu machen, haben wir schließlich Anfang 2014 den Onlinekurs gelauncht.“

Womit verdienst du denn jetzt hauptsächlich dein Geld? 

„Außer Planetback und Blogcamp habe ich noch mein Ebook „Digital Unabhängig Frei“, durch dessen Verkauf ein großer Teil meines Geldes hereinkommt. In dem Ebook helfe ich den Leuten dabei, ein ortsunabhängiges Leben aufzubauen – mit einem Business, das sie eben von überall aus managen können. Auf meinem Blog verdiene ich vordergründig über Affiliate-Einnahmen Geld, außerdem über amazon, eine Reisekreditkarte und die verschiedenen Buchungswebseiten. Und dann gibt’s noch Blogcamp nebenher, den Verkauf des Onlinekurses.“

Wie viel Geld brauchst du im Monat zum Leben?

„Das ist eine gute Frage. Auf Bali lebe ich wohl ein bisschen dekadenter, momentan brauche ich so 2500 bis 3000 Euro im Monat. Ich lebe aber auch in
einem recht großen Haus, mit Swimmingpool, drei Zimmern, mache viel Yoga und gehe essen.“

Du sagst, du bist eine digitale Zen-Nomadin und du bist frei,
aber letztendlich bist du schon sehr abhängig von Geld. Ist das nicht ein wenig widersprüchlich?

„Nein, im Endeffekt ist jeder abhängig von Geld. Aber ich habe halt
grundsätzlich mein Leben so aufgebaut, dass ich nicht mehr Geld gegen Zeit
eintausche. Denn während ich jetzt mit dir spreche oder schlafe oder Yoga
mache, generiere ich mein passives Einkommen und das ist für mich die größte Unabhängigkeit von Geld, die ich mir vorstellen kann. Ich muss mich nicht mehr hinsetzen und sagen: ,So jetzt arbeite ich eine Stunde‘. Aber klar, v
on Geld kann ich mich auch nicht mehr losreißen, es sei
denn, ich lebe alleine in einer Höhle irgendwo.“

Immer aus dem Koffer leben zu müssen, kann auf Dauer auch anstrengend sein. Nervt es dich?

„Ich reise nur mit Handgepäck und habe auch nicht mehr Sachen, als in meinen Rucksack passen, aber es nervt mich nicht. Schließlich gibt es dann auch immer weniger zu packen. Aber natürlich ist es auch schön, jetzt für ein Jahr ein kleines Zuhause, meine ,Homebase‘, auf Bali zu haben, wo ich für eine längere Zeit bleiben kann. Ich war jetzt zweieinhalb Monate auf Bali, bin zwar auch herumgereist und habe mir Sachen angeschaut, aber war vordergründig dort. Aber es ist jetzt auch wieder cool, woanders zu sein.

                                                                     Quelle aller Bilder: Conni Biesalski

Was sind deine besten Tipps, um effektiv zu packen? 

„Ich weiß, dass ich einmal pro Woche meine Wäsche waschen muss. Und dazu nehme ich sieben Mal Unterwäsche mit und sieben T-Shirts. Ich habe mittlerweile ein System, sodass ich ganz genau weiß, was in meinen Rucksack passt und das ist eben nur Handgepäck. Allgemein gilt: Je größer der Rucksack oder der Koffer ist, desto mehr nimmt man mit. Am besten fängt man da schon beim Kauf des Aufbewahrungsgegenstandes an. Einfach mal ausprobieren: Es ist einfach die größte Freiheit und man merkt, wie wenig man braucht.“

Findest du es nicht ein bisschen egoistisch zu sagen „Ich mache
mein Ding und die anderen müssen schauen, wie sie damit klarkommen“?

„Über solche Sachen mache ich mir wenig Gedanken. Zum einem ist mein Leben schon seitdem
ich Teenager bin
 sehr nomadisch. Ich lebe überall, war auf den verschiedensten Schulen, in den verschiedensten Ländern. Meine Familie und meine Freunde sind
das gewohnt, dass ich überall auf der Welt zu Hause bin. Deswegen ist das
jetzt keine Neuigkeit mehr.

Zum anderen sind meine Freunde auch auf der ganzen Welt verstreut und die Freunde, die ich zu Hause in Deutschland habe, bleiben mir für immer erhalten. Da spielt Distanz keine Rolle. Außerdem kommt mich auch immer mal wieder jemand besuchen und ich bin ja auch ab und zu in Deutschland, vor allem im Sommer. 

Mir ist das nicht scheißegal, auf keinen Fall. Mir sind Familie und Freunde genauso wichtig wie jedem anderen Menschen auch, aber mir ist es nicht
wichtig, dass ich am selben Ort leben muss. Für mich sind solche Beziehungen
grenzenlos, für die ich nicht physisch anwesend sein muss. Mein Freundesnetzwerk ist mittlerweile weltweit und die wichtigsten sehe ich und mit ihnen bleibe ich verbunden.“

Wo bist du zu Hause?

„Derzeit ist es Bali und ich fühle mich dort durchaus mehr zu Hause als in Deutschland. Generell fällt es mir nicht schwer, mich irgendwo zu Hause zu fühlen: Es ist im Prinzip jeder Ort, an dem ich mich wohlfühle, an dem ich liebe Menschen um mich herum habe.“

Wenn du nochmals zum Anfang
zurückkehren könntest – gibt es etwas, das du rückblickend anders machen würdest?

„Früher in die Selbstständigkeit springen. Ich würde nicht mehr meinen Master machen, der Bachelor
hätte auch gereicht. Und ich hätte früher schon angefangen, meine Freelance-Kunden abzusägen, das Risiko auf mich zu nehmen und mein eigenes Ding
zu machen.“

Je mehr Blogs aus dem Boden sprießen, desto öfter kommt es auch mal zur Kritik. Wie gehst du damit um?

„,Planet Backpack war einer
der ersten Reiseblogs, daher höre ich das eher weniger. Na klar gibt es
mittlerweile sehr viele Reiseblogger, aber da fühle ich mich nicht
angesprochen. Und, ganz ehrlich: Mir ist es so scheißegal, was andere Leute
über mich denken. Ich habe immer mal wieder Phasen, wo Leute negative Kritik üben
oder mir negative Kommentare hinterlassen, aber das juckt mich echt so gut wie
gar nicht mehr. Ich versuche, Leuten zu helfen, positiv zu sein, zu inspirieren
und wenn Leute meinen, mich kritisieren zu müssen – das ist nicht meine Welt, damit halt
ich mich nicht auf. Das sind mir zu negative Energien.“

Wirst du nach Deutschland
zurückkommen?

„Nur, weil ich in einem Land
geboren bin, heißt das für mich nicht, dass ich dort mein Leben verbringen muss
oder auch in Rente gehe – wobei ich mir auch nicht vorstellen kann,
in Rente zu gehen. Ich hoffe, dass ich mein Leben lang die Dinge mache, die mir
Spaß machen. Ich kann mir derzeit nicht vorstellen, mich fix in Deutschland
niederzulassen. Einfach auch, weil ich schon viele viele Jahre meines Lebens weg bin und ich mich in Deutschland nicht so verwurzelt fühle. Aber: ‚Never say never’.“


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