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Community-Power: So können wir gemeinsam die Welt verändern

Eine weibliche Community kann eine unglaubliche Kraft entfalten. Nutzen wir sie, um die Welt zu verändern, fordert unsere Community-Autorin Aileen Moeck.

 

Frauen, vereinigt euch! 

Von Anfang an bin ich Mitglied bei EDITION F und verfolge Susann und Nora mit Freuden auf ihrem Weg. Klar also, dass ich im Sommer auch direkt Teil der Female Future Force werden musste. Eine tolle Idee! Und auch den Gedanken, Frauen, die keinen hippen Online-Job oder Managertitel haben, durch Stipendien mitzunehmen, finde ich großartig und notwendig. 

Klar muss man erst mal irgendwo anfangen, eine Zielgruppe und ein Thema haben: Frauen und Karriere. Aber zu oft fehlen mir in unseren Debatten die anderen Frauen, die nicht in dieses Schema passen und für die doch auch gekämpft werden sollte. Aber gut, das ist ein anderes Thema und sicher nur eine Frage der Zeit bis sich Stück für Stück mehr tolle Initiativen aus EDITION F heraus und vor allem Dank Edition F gründen! Und den Anfang könnten wir heute machen!

Woher meine Motivation kommt 

Ich fange erst einmal bei mir an und erzähle kurz etwas zu meinem Background: Vor zwei Jahren habe ich den Master Zukunftsforschung an der FU Berlin angefangen, arbeite in der Startup-Beratungswelt, bin nebenbei SPD-Mitglied in Berlin (das leider oft eher frustriert) und versuche mit meinem Projekt Zukunftsbauer gerade meinen eigenen Weg für eine etwas bessere Welt zu finden. Ein weg, auf dem ich meine Leidenschaft für Zukunftsdenken und mein Interesse für Bildung und Gleichberechtigung unterbringen kann.

Mein Learning der letzen Jahre kurz zusammengefasst: Seit ich mich mehr mit der Zukunft beschäftige, werde ich neugieriger, habe immer mehr Lust mich weiterzubilden, werde zum Nachhaltigkeitsfan, ohne mich dabei als Öko zu sehen oder auf etwas zu verzichten. Im Gegenteil, ich gewinne gerade ganz viel dazu. Das weckt in mir das Bedürfnis mehr Menschen zu inspirieren das Gleiche zu tun und allgemein dazu anzustoßen quer zu denken und sich mit der Zukunft auseinanderzusetzen. In diesem Rahmen kommen mir immer wieder neue Ideen, aber leider fehlt mir oft die Zeit, Energie, das Wissen, Netzwerk oder vielleicht auch einfach Selbstbewusstsein, Dinge dann auch wirklich umzusetzen. 

Aber wie gut, dass ich im Jahre 2017 lebe und das Internet hier ganz tolle Möglichkeiten bietet. Demokratisierung des Wissens durch Google voller Inspirationen, Netflix mit spannenden Dokus und die Möglichkeit des virtuellen Austauschs mit Anderen. Echte Communitys hatten schon immer etwa kraftvolles, wecken ungeahnte Kräfte und stellen den Mensch in den Mittelpunkt. Umso besser, wenn sich beide Welten wie bei der Female Future Force vereinen. Eine so nie dagewesene Power, die wir noch besser nutzen sollten.

Eine Idee für eine Community 

So schrieb ich, im Halbschlaf eines Morgens, noch voller Ärger vom Vorabend, an dem ich wieder auf einer SPD-Bildungsveranstaltung war, bei der 80 Prozent männlich, Ü-60 über die Berliner Bildung diskutierten, den folgenden Post: 

„Als Female Future Force verstehe ich uns auch als zukünftige Mitarbeiterin, Mütter, Teamleiterinnen, Vorstandschefinnen, Politikerinnen, Bürgerinnen etc … neben unserer eigenen Ausbildung sollten wir uns aber auch bewusst sein, dass wir jeden Tag im Rahmen unserer jeweiligen Rollen die Welt durch unser Entscheiden, handeln oder nicht handeln, mit gestalten … Sollten wir uns als Female Future Force damit nicht auch Zukunftsanliegen widmen? Eine vorwiegend männliche besetzte Politik und Vorstände haben uns Klima Wandel und wenig Ausgaben für Bildung beschert. Gibt es hier Interesse oder Lust die Community Stärke der Female Future Force auch für diese Themen einzusetzen?” Wir scheinen alle verschiedene Hintergründe und Ausbildungslevel zu haben, das sollten wir auch nutzen 💪🏻 #MorningThought #empowerment #community”

Ein Gedanke, der zu dem Zeitpunkt schon einen Nerv getroffen zu haben schien und vor allem jetzt nach der Bundestagswahl noch einmal an Brisanz gewonnen hat. Denn im neuen Bundestag werden so wenige Frauen sitzen wie seit 1998 nicht mehr. International sieht es oft noch düsterer aus, wie der Global Gender Gap Report 2016 zeigt: ”The gap between women and men on political empowerment remain wide at 23 per cent. However, by 2015, 50 per cent of countries has had a female head of state, and more and more women are being elected to parliament (on average 19 per cent) and other political offices. At the moment, the trend is more prominent in OECD countries, but the trend is slowly manifesting itself in less developed countries.”  (Mit 31 Prozent scheinen wir in Deutschland immerhin schon mal erfolgreicher zu sein, als der Durchschnitt, aber das reicht natürlich noch nicht.)

Was können wir tun?

Nun musste ich mich also hinsetzen und versuchen ein paar konkrete Ideen aufschreiben. Vorab: Ich möchte nichts pauschalisieren, ich gebe nur Erfahrungen aus meinem Umkreis wieder. Es sind auch keine bis ins Kleinste durchdachten Ideen, sondern Geistesblitze, die genauso genial wie naiv sein können. Aber ohne Diskurse und Debatten anzustoßen kommt man zu noch weniger oder? Hier meine These: Vorwiegend männliche besetzte Politik und Vorstände haben uns Klimawandel und wenig Ausgaben für Bildung beschert, es wird Zeit für mehr weiblichen Input!

Warum weiblicher Input mehr als nötig ist 

Nur 31 Prozent Frauen im Bundestag sagt ja schon alles. Immer wieder lustig, wie der Bundestag Dinge beschließen möchte, aber selbst nichts davon umsetzt, sei das Mindestlohn oder hier die Frauenquote … Dass wir vor allem Männer in Entscheider-Positionen haben verdanken wir nicht zuletzt auch unserem Bildungssystem, aber das ist ja allgemein bekannt. Unser auf Effizienz und Leistung getriebenes Bildungssystem hat uns die Suppe mit eingebrockt. Wer jahrelang nur analytische Fähigkeiten in den Mittelpunkt stellt und einseitig fördert, hat jetzt damit zu kämpfen, dass wir eine Vielzahl an wenig selbstreflektierten und Fakten-only-orientierten oder egoistischen Menschen in wichtigen Positionen haben, die Dinge selten in Frage stellen, Probleme haben um die Ecke zu denken und wenig soziale Kompetenzen aufweisen. Um einen Einwand direkt vorwegzugreifen: sozial heißt nicht naiv. 

Ich will hier gar keine rosa/blau-Feminismus-Debatte starten, aber gewisse Eigenschaften werden als männlicher und andere als weiblicher gesehen und leider vermittelt Schule oft, dass sich eher Geld machen und besser an Macht kommen lässt, wenn man sich auf die vermeintlich männlichen Eigenschaften stützt. Allerdings sehe ich hier nach dem wir die erste Welle der digitalen Transformation und Disruption alle verkraftet haben, hier eine Wende auf uns zu kommen, die wir Frauen für uns nutzen müssen. Denn wenn die Roboter kommen, dann werden Eigenschaften und Fähigkeiten wie Kreativität, soziales und kulturelles Bewusstsein, vor allem aber Empathie immer wichtiger. Oder wie seht ihr das? 

Idee 1 : Offenerer Umgang mit Nichtwissen am Beispiel Klimawandel

Ich weiß ja nicht, wie es euch geht, aber gerade im älteren politischen Umfeld kenne ich deutlich mehr Männer die den Klimawandel leugnen als Frauen. Was meiner Meinung nach damit zusammenhängen könnte, dass Männer generell schlechter von ihren einmal gesetzten eigenen Standpunkten abweichen können oder sich belehren lassen, weil da dann das Urzeit-Alpha-Tierchen und seine Vormachtstellung geschwächt werden könnte. Das ist einfach nur ein persönlicher Erfahrungswert aus 26 Jahren, aus arbeiten in Startups, Konzernen, männlichen, weiblichen, gemixten, jungen und alten Teams.

Vor allem aber ist das Problem dabei, dass es vorwiegend eine Ü-45-White-Men-Welt ist. Mein junges Umfeld aber zeigt mir, es gibt Hoffnung, dass die neue Generation an jungen Männern in Politik und im Job da anders drauf ist. Trump- und Gauland-Beispiele aber zeigen, dass so mancher seine Position nicht verlassen will. Also müssen wir uns  noch eine Weile mit ihnen arrangieren und selbst aktiv werden.

Ich kenne dafür umso mehr Frauen, die zugeben Dinge auch mal nicht zu wissen, aber total offen sind dazuzulernen und andere Meinungen anzunehmen Beispiel Ernährung: Sich mit den Auswirkungen von Ernährung und Konsum auf unsere Gesundheit und unser Klima zu beschäftigen, ist wichtig. Kann es also sein, dass es nur wenige politische Forderungen, z.B. weniger Plastikverbrauch oder Fleischkonsum haben, gibt, die sich damit auseinandersetzen, weil Männer in ihrem Alltag wenig Bezug dazu haben und dadurch auch nicht viele Ideen einbringen und vorantreiben? Mir geht es nicht um feministische Rollen per se, aber der Partner, der in einer Beziehung für ein bestimmtes Thema zuständig ist, trägt damit auch die gesellschaftliche Verantwortung, Konsum und Ernährung sind oft weiblich besetzt.

Und selbst, wenn wir das Ganze aus einer rein feministischen-Singleleben-wer-braucht-schon-einen-Mann-Perspektive sehen, dann wird klar, dass Frauen in Zukunft mehr Verantwortung im Bereich Konsum, Wirtschaft und Arbeit zukommt, als es die letzten Jahre der Fall war und damit auch ihr Wirkungskreis und gesellschaftlicher Impact. Ich verweise hier mal auf den Trend Sheconomy

“Sheconomy creates new consumption patterns, new needs and preferences, and new dynamics, both in the workplace and in society in general. In a report from 2013, EY finds that ‘over the next decade, the impact of women on the global economy will be at least as significant as that of China and India.’ In addition, the implications of the fourth industrial revolution will lead to even more parents being able to combine work and family and further close gender gaps in the workplace towards 2040. The younger generations also seem to have a slightly different perception of the traditional nuclear family and the traditional roles of men and women, which will manifest itself even more towards 2040.” 

Da könnte man mal ansetzen …

Idee 2 : „Weibliche” Politik machen, unabhängig von der Partei

Aktuell wird Politik ja zumeist so gemacht: Mitglieder einer bestimmten Partei machen zur Parteifarbe passende Politik und schreiben dafür Anträge. Ich nehme mal ein Beispiel: Ich beantrage die Bezuschussung von Frauen mit monatlich 15 Euro. Wie Kindergeld einfach nur fürs Frau sein zur Gleichberechtigung, für Hygieneartikel während der Menstruation. Ja, krasse Forderung, aber ich finde es gar nicht so abwegig, wenn man auch mal überlegt, was für eine Industrie eigentlich dahinter steht. Der Prozess wäre nun der: Ich gehe zu meiner Partei und schreibe einen Antrag, muss viele Menschen von meiner Idee überzeugen, vor allem Männer. Selbst wenn der Antrag innerparteilich durchkommt, dann wird er spätestens im ersten Entscheidungsgremium außerhalb der Partei zerschossen, weil man ja prinzipiell immer gegen die Inhalte der anderen ist. Korrigiert mich, wenn Anträge stellen aus der Basis anders funktioniert, ganz durchblicken tue ich auch noch nicht. Was aber, wenn es auch bei den Grünen und Linken viele Frauen gibt, die sich das Gleiche wünschen? Wäre es dann nicht sinnvoller wir Frauen überlegen uns vorher in Communities wie dieser hier gemeinsam Themen und bringen sie dann über alle Parteien hinweg in die Politik. Quasi Beschuss aus allen Richtungen. Ähnliche Übereinstimmungen finden sich schließlich sicher auch zum Beispiel bei Familienpolitik und für Alleinerziehende. Auch hier müsste man mal überlegen, welche Themen uns alle am Herzen liegen und wie wir diese politisch aus verschiedenen Richtungen vorantreiben wollen. Gerade jetzt wo die neue Regierung wenig sozial zu werden scheint …

Idee 3: Mehr lokale Community-Arbeit

Ja, auch die meisten tristen, Hauptsache kostengünstigen Straßenbilder haben wir männlich geprägter Politik zu verdanken. Wer in Berlin wohnt, der kennt eventuell den Gräfe-Kiez und weiß, was ich damit meine, wenn ich fordere, dass wir den öffentlichen Raum mehr lebendig und wieder menschlicher machen müssen. Mehr Bänke, auf denen man seinen zukünftigen Partner treffen kann, mit Opa Herbert über die alten Zeiten im Kiez sprechen kann oder Sara aus Syrien trifft, die hier gerade hergezogen ist. Generell einfach mehr grün, mehr Deko, mehr schön, mehr kinderfreundlich, hundefreundlich, absatzschuhfreundlich, bewegungsfreundlich … was auch immer. Aber bitte nicht einfach nur männlich-pragmatisch. Wie wäre es mal mit einer deutschlandweiten kleinen Kampagne, Schöner Wohnen für draußen? Hier ein Beispiel.

Quelle: Instagram | Notesofberlin

Eine Online-Community kann dazu dienen Erfahrungen auszutauschen, sich zu inspirieren und gemeinsam Dinge via Social-Media-Kampagnen zu planen und damit besser und am Ende leichter umsetzen. Hier noch ein kleiner Filmtipp zur Inspiration. Er zeigt, wie simple Handlungen großen Impact haben könnten, sei es die Kräuter-Ecke, die man vor dem eigenen Haus anlegt und die dann plötzlich in der ganze Stadt zu sehen ist. Oder eine lokale Währung, um die kleinen Händler zu schützen und die eigene Wirtschaft anzukurbeln. Und, was denkt ihr? Packen wir es an!

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