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So sind Männer, so sind Frauen – wie wir Geschlechterklischees im Job endlich loswerden

Andere wirklich objektiv einschätzen? Das ist nur möglich, wenn man die eigenen Vorannahmen immer wieder selbst hinterfragt. Die Professorin Jutta Rump hat konkrete Tipps für die Berufswelt.

Erfolgreich im Job – 3 Wege aus der Stereotypenfalle

Ein vermeintliches Kompliment hier, ein Herrenwitz da – die jüngsten Ereignisse in der Berliner Politik wie in der Weltpolitik zeigen: Alltagssexismus ist kein Thema von gestern, sondern auch heute noch bittere Realität. Nicht nur in der ohnehin von Macht geprägten Politik, auch im ganz normalen beruflichen Alltag. Dabei muss es nicht gleich um sexuelle Übergriffe oder anzügliche Bemerkungen gehen, sie sind häufig nur die Spitze des Eisberges. Die ungleiche Behandlung von Männern und Frauen in der Arbeitswelt zeigt ihr Gesicht in vielen Facetten und ist in der Mehrzahl der Fälle sehr subtil. Die verpasste Beförderung, ein geringeres Gehalt oder die Fehleinschätzung der Kompetenzen sind dabei nur Symptome eines Problems, das bedeutend tiefer liegt und dessen Ursachen gleichzeitig struktureller und kultureller Natur sind.

Frauen an der Spitze – der Gradmesser für eine gleichberechtigte Unternehmenskultur

Weibliche Führungskräfte sind ein guter Indikator dafür, wie weit unsere Arbeitswelt im Bereich Gleichberechtigung fortgeschritten ist. Die Zahlen offenbaren insbesondere, wo noch Handlungsbedarf besteht. Die Studie „Arbeitsqualität und wirtschaftlicher Erfolg“ der Initiative Neue Qualität der Arbeit zeigt: Kleine und mittlere Betriebe haben höhere Frauenanteile in Führungspositionen. Dass gerade in den Führungsetagen großer Unternehmen noch Defizite herrschen, ist den Unternehmen bewusst: Über 40 Prozent der größeren Betriebe über 250 Mitarbeitenden verfolgen das Ziel, den Anteil von Frauen in Führungspositionen zu erhöhen.

Woran liegt es, dass große Unternehmen sich erstens mehr Frauen in Führungspositionen wünschen und zweitens dennoch hinter kleineren Unternehmen zurückstehen? Zum einen haben Unternehmen erkannt, dass gemischte Teams erfolgreicher sind – zum anderen gestehen sich immer mehr Unternehmen ein, dass klassisch-hierarchische Firmenstrukturen eine Gleichbehandlung von Frauen und Männern erschweren. Das gilt insbesondere für große Unternehmen, in denen gewachsene Strukturen nur wenig Flexibilität bieten.

Dazu gehört zum einen die Vorstellung und Praxis, dass nur lineare Lebens- und Karrierewege für bestimmte Positionen geeignet sind. Quereinsteiger bzw. Quereinsteigerinnen haben es in einer von starken Hierarchien geprägten Umgebung ungleich schwerer. Besonders in älteren Generationen ist der Lebenslauf von Frauen häufiger gekennzeichnet von Zäsuren, familienbedingten Pausen oder Phasen, in denen sie weniger gearbeitet haben. Kein Wunder also, dass gerade Frauen, bei denen sogenannte „Patch-Work-Biographien“ weiterverbreitet sind, immer wieder an die berühmte „gläserne Decke“ stoßen. Man muss dazu sagen, dass hier strukturell einige Veränderungen im Gange sind – denn nicht nur Frauen, sondern auch immer mehr Männer weichen von dieser klassischen Karriereauffassung (Vollgas und Vollzeit) ab. Die Forderungen nach flexiblen Arbeitsmodellen, die es gleichzeitig erlauben, Karriere zu machen, werden lauter. Ein erstes Umdenken ist also bereits auf dem Weg.

Ein anderer Faktor sind bestehende Netzwerke und Seilschaften, die bei der Besetzung von Führungsstellen einen besonderen Stellenwert einnehmen. Kontakte helfen bei der Besetzung von Stellen, während Karrierevorbilder besonders jungen Menschen Möglichkeiten aufzeigen, wie erfolgreiche und unterschiedliche Karrierewege aussehen können. Schnell befinden wir uns so in einem Teufelskreis. Denn wo Vorbilder, Kontakte und Netzwerke fehlen, haben es Nachfolgerinnen ungleich schwerer.

„Typisch Frau!“ – Vorurteile in unseren Köpfen

Nicht minder schwerwiegend als diese strukturellen Aspekte sind geschlechtsspezifische Stereotype, die auch heute noch den Umgang mit Frauen in der Berufswelt bestimmen. Der Ursprung dafür sind tiefsitzende Vorurteile, mit denen wir Verhaltensweisen und Entscheidungen unserer Mitmenschen bewerten und die umgekehrt auch unser Verhalten beeinflussen.

Vorurteile basieren darauf, dass Menschen aufgrund von äußeren Merkmalen, wie dem Geschlecht oder der Herkunft, Fähigkeiten zugeschrieben oder abgesprochen werden. So werden Frauen häufig als „emotional“ bezeichnet oder – um es positiv zu formulieren – ihnen wird nachgesagt, sie können besser mit Menschen umgehen. Auf der anderen Seite werden Männern eher analytische Fähigkeiten zugetraut, die vermeintlich besser zu den Aufgaben einer führenden Position passen. Diese Vorurteile treten in den unterschiedlichsten Formen und Ausprägungen auf und funktionieren also in positiver und in negativer Hinsicht. Sie verschaffen hier einen Bonus und dort einen Minuspunkt – richtig sind sie dabei aber in den seltensten Fällen.

Drei Wege aus der Stereotypenfalle

Niemand ist frei von Stereotypen und Vorurteilen. Stereotypen helfen uns dabei, die Welt zu ordnen, komplexe Zusammenhänge schnell zu erfassen und werden mit unserer Erziehung und Sozialisation vermittelt – ob wir wollen oder nicht. Wichtig ist, dass alle Parteien die Existenz Stereotypen anerkennen und sie kritisch hinterfragen. Werden Stereotypen nicht (mehr) hinterfragt, entstehen Vorurteile.

1. Vorurteile erkennen – und damit aufräumen

Gerade in der Berufswelt ist es wichtig, ein Bewusstsein über die Existenz von Stereotypen und Vorurteilen zu schaffen und sich und andere dafür zu sensibilisieren. Damit fängt man am besten bei sich selbst an: Woher kommt meine Einschätzung einer Person? Basiert mein Urteil auf Fakten oder auf Vorannahmen? Stellt man sich diese Fragen hin und wieder, fällt auf, wie häufig wir uns von Vorurteilen leiten lassen. Dazu gehört aber auch, die eigene Selbstwahrnehmung und das eigene Handeln zu hinterfragen. Wieder eine Mail mit zehn Konjunktiven versendet, aus Angst „zickig“ zu wirken? Nicht auf die höhere Position beworben, weil das Anforderungsprofil nicht genau passte? All diese Verhaltensweisen zeigen, wie sehr geschlechterspezifische Vorurteile auch unser Selbstbild beeinflussen.

2. Gleichberechtigung als Gemeinschaftsaufgabe verstehen

Ob Mann oder Frau – wir alle sind von Vorurteilen betroffen. Nicht nur das Geschlecht, sondern viele weitere äußere Faktoren, wie die sexuelle Orientierung, die Herkunft, die Religion oder selbst die Körpergröße, spielen dabei eine Rolle. Der Weg aus der Stereotypenfalle ist also eine Aufgabe für alle, im Job vor allem jedoch für die höchste Führungsebene. Denn hier sollten die maßgeblichen Werte einer gleichberechtigten Unternehmenskultur vorgelebt werden. Neben einer offenen Unternehmenskultur spielen auch strukturelle Maßnahmen eine Rolle: Transparente Karrierewege mit klar definierten Kompetenzbereichen bieten Fixpunkte und klare Ziele, die für Männer und Frauen gleichermaßen gelten. Individuelle Zielvorgaben, die in Mitarbeitergesprächen festgehalten werden, geben Sicherheit und helfen auch bei der Argumentation für die nächsten Karriereschritte – zum Beispiel bei der nächsten Beförderung.

3. Kontakt suchen

Gerade für junge Frauen am Beginn des eigenen Werdegangs ist ratsam, sich mit Gleichgesinnten zu umgeben. Netzwerke und Mentorenprogramme helfen dabei, Kontakte zu knüpfen und verschiedenste Wege zum Erfolg kennenzulernen. Wir benötigen eine „Kultur der großen Schwester“, die verschiedene Karrieremodelle vorleben und damit gerade junge Frauen bei der Karriereplanung unterstützen.


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