Foto: Gage Skidmore | Flickr

Die Frau hinter Star Wars. Oder: Wie eine Sekretärin fast heimlich zur profiliertesten Filmschaffenden Hollywoods wurde

Kathleen Kennedy dürfte wenigen ein Begriff sein, dabei ist die Produzentin eine der erfolgreichsten in Hollywood und hat eine Karriere hingelegt, die vollkommen problemlos als American Dream deklariert werden kann.

 

Kathleen Kennedy: Mit Leidenschaft an die Spitze

Star Wars. Erst denkt man an „Ich bin dein Vater“, dann an
Prinzessin Leia und an die blau-weiße Tonne, die eigentlich ein Roboter
ist. Und dann, dann denkt man wahrscheinlich an George
Lucas. An wen man höchstwahrscheinlich aber nicht denken wird, das ist Kathleen
Kennedy. Kathleen, wer? Sag ich doch.

Was für eine spannende Frau hinter dem Namen steckt und wie ihr Weg nach ganz oben verlief, hat das Magazin „Fortune in einem tollen Porträt nachgezeichnet.

Die Clique: Spielberg, Lucas und Kennedy

Und da gibt es viel zu erzählen. Denn dass ihr Name so wenig präsent ist, steht eigentlich
gar nicht im Verhältnis dazu, was Kennedy so alles in der Filmbranche gerissen
hat. Angefangen hat sie als Sekretärin von Steven Spielberg – heute ist die 62-jährige
die Präsidentin der Produktionsfirma Lucasfilm ltd, die einst von George Lucas
gegründet wurde und später an Walt Disney verkauft wurde. Den Posten als Präsidentin bekam Kathleen Kennedy 2012 übrigens auf ausdrückliches Geheiß von Lucas
selbst.

Doch schon zuvor hätte man sie kennen können, denn
schließlich gehört sie seit Jahren zum engen Kreis von Lucas und Spielberg. Oder wie Lucas es ausdrückt: „Wir waren eine, sie wissen schon, Gruppe, Clique, naja, was auch immer.“

Wie Kathleen Kennedy zu einer der profiliertesten
Filmemacherinnen Hollywoods wurde

Schön und gut, aber: profilierteste weibliche Filmemacherin Hollywoods?  Da gibts doch ganz andere! Naja, wenn man sich ihr Schaffenswerk von 77 (mit-)produzierten
Filmen, darunter „Jurassic Park, „E.T. und „Schindlers Liste, sowie acht Oscar-Nominierungen ansieht, dann versteht man ziemlich genau, warum ihr dieser Titel offensichtlich zusteht. Und doch führte Kennedy ein Leben im (beruflichen) Schattendasein – bis bekannt wurde, dass sie die nächste Star-Wars-Episode „The Force Awakens produziert. Hallo Rampenlicht!

Ist das hier also eine
American-Dream-Geschichte mit einer gewissen Bitternote? Nein, sie erzählt vielmehr von einer Frau, die sich in ihrem Job durch Leidenschaft und Können
durchsetzte und sich nun, mit über 60 Jahren, einem in Hollywood fast
biblischen Alter
, doch noch einmal in die Front Row stellt.

Dass es zuvor nicht dazu kam, muss aber keinem ein Tränchen
der Wut entlocken. Denn sie hatte schlicht keine Lust dazu, wie sie Fortune in
kleiner Runde erzählt.

„Ich habe immer gesagt, dass ich nicht vor der Kamera
agieren möchte“

Was
ziemlich plausibel klingt, denn wer sich von der Sekretärin zur Präsidentin einer der wichtigsten Produktionsfirmen in Hollywood hocharbeitet, der hätte
sich zwischendurch auch fünfzehn Minuten Ruhm verschaffen können, wenn dafür
Bedarf bestanden hätte. Aber, wie kam das nun eigentlich? Hier die
Kurzfassung:

Kathleen
hat Telekommunikation studiert und begann bei einem lokalen Fernsehsender als
Kamerafrau zu arbeiten, als der Spielberg-Film „Close Encounters of the Third Kindsie im Kino dermaßen umwarf,
dass sie alles hinter sich ließ, um nach Hollywood zu gehen. Dort traf sie auf John Milius (übrigens der Drehbuchschreiber von „Apocalypse
Now“), der nicht nur den nächsten Film für Spielberg produzierte, sondern auch noch einen Job als
Sekretärin zu vergeben hatte.

Tja, um der Sache näherzukommen, biss Kennedy in
den sauren Apfel. In dieser Zeit traf sie auch nicht nur das erste Mal auf George Lucas, sondern übernahm im Büro des Filmemachers so dermaßen das Regiment, dass Spielberg auf
sie aufmerksam wurde und auch ganz dringend eine solche Sekretärin haben wollte
– am besten natürlich Kathleen selbst. Also wurde sie seine Sekretärin, und stieg bald darauf zur Assistentin auf. Das passte sowieso viel besser zu der damals
26-jährigen, wie sich Spielberg zurückerinnert.

„Sie sollte eigentlich immer nur kurz in Meetings
dabei sein, aber sie blieb meist die ganze Zeit. Und statt irgendetwas
niederzuschreiben, übernahm sie einfach das Gespräch. Ich fragte mich, ob das
wohl unter Sekretärinnen in Hollywood üblich ist.“

Bald darauf hatte sie schon ihren eigenen Assistenten und
zudem das volle Vertrauen von Spielberg. Denn ihr wurden meist die Aufgaben
gegeben, die ziemlich unmöglich zu erfüllen schienen und dann doch in
Perfektion und mit Liebe fürs Detail abgeliefert wurden.

Mit ihrem Eifer
überforderte sie so manchen, ab und an sogar den Star-Regisseur selbst, der
sie immer mal wieder dazu ermahnen musste, etwas runterzufahren. Aber, wie wir
heute wissen, Kathleen Kennedy war einfach nicht aufzuhalten. Gut so!

Wer mehr noch mehr über Kennedy erfahren will – etwa, mit welcher
Hingabe sie die Augen für E.T. aussuchte, der sollte hier weiterlesen.

Mehr bei EDITION F

Ein österreichisches Spielfilmdebüt: „Täter und Opfer stecken in jedem von uns“ Weiterlesen

Angela Ahrendts: „I hadn’t grown up always aspiring to be a CEO“ Weiterlesen

Der American Dream der Diane von Fürstenberg. Weiterlesen

Anzeige

Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.