Foto: Sebastian Geis

Was du als junge Frau über Sex wissen solltest

Mit wie vielen Menschen hast du schon Sex gehabt? Unsere Kolumnistin erklärt, warum Frauen bei der Antwort auf diese Frage auf keinen Fall schummeln sollten.

Ich war auch mal jung und Sex war eine lange Zeit weird für mich. Nicht unbedingt, ihn zu machen. Denn das ist ein archaischer Akt, den man ohne viel Zutun über die Bühne bringen kann. Aber guter Sex, der Moment davor und danach, ich innerhalb dieser Veranstaltung: All das war für mich lange Zeit extrem undefiniert. Ich hatte Phasen mit extrem viel Sex. Viel Sex mit einer*m oder wechselnden Partner*innen. Ich hatte Phasen mit wenig Sex und Phasen, in denen ich nicht mal an Sex dachte.

Ich habe so gut wie immer gemacht, was ich machen wollte, was mich interessiert hat und worauf ich neugierig war. Ich hatte nie irgendwelche Grenzen in meinem Kopf, die mir vorschrieben, was ich darf, was ich nicht darf oder was ich müsste, sollte, könnte. Es gab also keinerlei Konzepte, an denen ich mich orientiert habe.

Und damit wären wir schon beim ersten Learning:

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Alles ist erlaubt, was keine*n andere*n schädigt!

Verabschiede dich von irgendwelchen Vorstellungen, wie Sex zu sein hat und höre nur darauf, was für dich Sex sein soll. Wenn du das nicht hören kannst, dann arbeite dich durch Pornhub durch und schau, was dich erregt. Pornos sind ein wunderbares Tool, um herauszufinden, worauf man eigentlich steht. Das weiß man ja nicht immer sofort. Aber die visuelle Stimulation sorgt theoretisch auch für eine körperliche, wenn es dafür einen Blueprint gibt, also eine sexuelle Fantasie, die in dir angelegt ist. Das heißt selbstverständlich nicht, dass jede sexuelle Fantasie auch in der Realität so richtig Fun bringen würde, aber ohne es ausprobiert zu haben, wirst du es nicht wissen können.

„Verabschiede dich von irgendwelchen Vorstellungen, wie Sex zu sein hat und höre nur darauf, was für dich Sex sein soll.“

Deswegen macht es selbstverständlich Sinn, auszuprobieren, was du gerne ausprobieren möchtest – egal, ob du dafür eine*n feste*n Partner*in hast, der*die dafür offen ist, oder indem du dafür auf Dating-Apps zurückgreifst. Es gibt außerhalb von Tinder mittlerweile etliche, die sich vor allem auf das Ausleben von Fantasien, also deine Kinks, spezialisiert haben. Feeld ist eine davon. Dort geht es vor allem darum, jemanden zu finden, mit dem*r du Kinks teilst. Respekt comes first. Liebe kann später noch kommen. Vibes müssen immer stimmen. Aber Gefühle sind erstmal zweitrangig.

Deswegen kommt hier auch schon das  zweite Learning:

Frauen können problemlos Sex ohne Liebe!

Das könnt ihr jetzt auch gerne als These begreifen. Und diese These kann auch jederzeit widerlegt werden. Das ist okay für mich. Aber meine Erfahrung aus 25 Jahren wildem Sexleben ist, dass viele Rollenbilder vor allem Projektion sind und eher wenig mit der Wahrheit zu tun haben. Dazu gehört diese niedliche Idee, Frauen bräuchten immer echte Feelings und Männer könnten gefühllos durch die Gegend vögeln. Das ist mehr Männer-Fantasie als Realität. Frauen waren und sind promiskuitiv. Sie sind eben nicht die Prinzessin, die auf ihren Prinzen wartet, wie es in Märchen und Disneyfilmen immer so schön vermittelt wird. Denn auch hier gilt: Wer hat diese Geschichten erfunden? Genau, Boys!

Das sind also Wunschvorstellungen von Männern. Und die sind ja auch verständlich. Welcher Mann möchte schon, dass sein*e Auserwählte*r von jemand anderem geschwängert wird. 

„Meine Erfahrung aus 25 Jahren wildem Sexleben ist, dass viele Rollenbilder vor allem Projektion sind und eher wenig mit der Wahrheit zu tun haben.“

Dazu kommt, dass promiskuitiv zu sein kein Zuckerschlecken für eine Frau ist. Wenn mich meine Sexpartner fragen, mit wie vielen Männern ich geschlafen habe, dann sage ich immer die Wahrheit. Das tue ich für alle Frauen dieser Welt. Ich begebe mich in die Höhle des Löwen und laufe mit voller Absicht Gefahr, gleich richtig hardcore diskreditiert zu werden.

Aber weil ich das aushalte, weil mir egal ist, ob einem Mann bei der Zahl der Penis abfällt, ziehe ich durch und ebne den Weg für alle Generationen nach mir, die so leben wollen, wie sie sich fühlen. Ein Freund von mir sagte mal: Wenn Männer über die Anzahl ihrer Sexpartner*innen sprechen, muss man die Zahl halbieren. Wenn Frauen über die Anzahl ihrer Sexpartner*innen sprechen, muss man die Zahl verdoppeln. Aber nur, wenn wir ehrlich zueinander sind, dann wird sich zukünftig etwas ändern. Also ihr coolen, heißen Sex-loving Girls, rückt raus mit der echten Zahl!

Und weil ich Übergänge einfach gut kann, kommt hier das dritte und damit letzte Learning:

Seid ehrlich!

Sagt die Wahrheit, täuscht keine Orgasmen vor, schreit laut. Soll heißen: Ihr steht auf etwas, dann sagt es eurer*m Partner*in. Egal, wie unangenehm, egal wie schräg, egal wie kinky. Ohne Offenheit und Mut werdet ihr ein Leben lang nicht den Sex haben, den ihr gerne hättet. Wozu? Was bringt das? Wem bringt das etwas?

Scham schön und gut. Aber Scham braucht echt kein Mensch. Auch ich habe mich für Fantasien in meinem Leben geschämt. Keine Frage. This shit happens. Aber gerade in den vergangenen Jahren habe ich gelernt, dass dafür keine Zeit ist. Das Leben ist zu kurz. Die Zeit, in der man sexuell frei leben kann, ist sogar noch kürzer. Also sagt laut und klar, worauf ihr Bock habt und macht es dann.

Dazu gehört auch, Männern keinen Orgasmus mehr vorzutäuschen. Damit verhindert ihr guten Sex für alle Frauen, die nach euch kommen, und bringt eine weitere Generation Männer hervor, die glaubt, innerhalb von 30 Sekunden Beischlaf könne eine Frau kommen. Abgesehen davon wollen Männer Frauen wirklich befriedigen. Ganz tief in ihrem Inneren. Sie wollen ihre (Sex)-Partnerin glücklich machen. Immer und zu jeder Zeit. Das ist ihre Grundmotivation. Ob ihr’s glaubt oder nicht. So ist das. Also gebt dem Mann die Chance, der zu sein, der er gerne für euch sein möchte: ein interessierter und guter Lover. Das bringt ihm mehr und euch am Ende den wohlverdienten Höhepunkt.

Sex – Alles, was uns Lust macht.

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Mirna Funk, 1981 in Ostberlin geboren, studierte Philosophie und Geschichte an der Humboldt-Universität. Sie arbeitet als freie Journalistin und Autorin und lebt in Berlin und Tel Aviv. Für den Roman „Winternähe“wurde sie mit dem Uwe-Johnson-Förderpreis 2015 für das beste deutschsprachige Debüt ausgezeichnet. Im September 2018 produzierte der BR ihr Hörspiel „Auf einem einzigen Blatt Papier“
und im Dezember erschien ihr Kinderbuch „Wo ist Papa?“, das von der Vielfältigkeit moderner Familien erzählt.

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