Foto: Maiden Voyage

Zusammen ist man weniger allein

Auf der Internetplattform „Maiden Voyage“ können sich allein reisende Geschäftsfrauen nach Feierabend mit Gleichgesinnten vernetzen.

 

Dinner statt Take-away und Hotel-Glotze

Die Idee kam Carolyn Pearson in Los Angeles, wo sie allein auf Geschäftsreise unterwegs war. Es war an einem dieser öden Abende, die wohl fast alle allein Reisenden schon erlebt haben: Das Abendprogramm bestand aus Take-away-Essen und Hotel-Fernsehen, und gerade weil sie nur auf die Straße hätte treten müssen, um das Nachtleben einer der spannendsten Metropolen der Welt zu erkunden, ärgerte sie sich, weil sie den Abend als Stubenhocker wider Willen ausklingen ließ. Klar, es gibt die Menschen, die sich begeistert ins Getümmel schmeißen und auf eigene Faust auf Entdeckungsreise gehen. Aber vielen geht es so wie Carolyn Pearson, die sich allein im Restaurant unwohl gefühlt und sich das nächtliche Los Angeles allein nicht zugetraut hätte.

Zurück in ihrer Heimat England begann sie zu recherchieren: Es musste doch mehr Frauen geben, denen es ähnlich ging: Die gerne in den Städten, die sie bereisten, unterwegs wären, abends vielleicht gern in ein schönes Restaurant oder ins Konzert gehen oder ein Glas Wein trinken würden, sich allein dabei aber nicht wohlfühlen. Und diese Frauen wollte sie vernetzen. So gründete sie vor sechs Jahren „Maiden Voyage“. Über das Netzwerk können sich Frauen auf Geschäftsreisen weltweit mit anderen Frauen, die zur selben Zeit in derselben Stadt sind, vernetzen und sich verabreden. Auf der Seite gibt es außerdem Ratschläge für sicheres Reisen und eine Liste mit Hotels, die von „Maiden Voyage“ als besonders frauenfreundlich bewertet werden.

Wo kann ich sicher shoppen oder essen gehen?

Heute hat das Netzwerk mehr als 7000 Mitglieder in mehr als 70 Ländern. Die Anmeldung auf der Seite ist kostenlos. In vielen Städten gibt es mittlerweile „Botschafterinnen“: Das sind oft Frauen, die nicht aus der jeweiligen Stadt stammen, sondern selbst etwa aus beruflichen Gründen seit einiger Zeit dort leben und so eine frische Perspektive haben. An sie können sich die Mitglieder wenden, bevor sie in die jeweilige Stadt kommen, um sich Ratschläge und Tipps zu holen. „Netzwerke wie ´Maiden Voyage´ helfen, uns auf beruflicher und privater Ebene zu vernetzen, egal wo auf der Welt wir uns befinden. Wir wollen voneinander profitieren, uns gegenseitig unterstützen“, sagt zum Beispiel Lena, die Londoner Botschafterin.

Carolyn Pearson sagt, sie werde oft von Männern gefragt, ob sie nicht etwas ähnliches für Männer gründen wolle. „Ich will mich aber weiterhin auf das weibliche Netzwerk beschränken – ganz einfach, weil ich mich als Frau besser identifizieren kann mit den Herausforderungen an ein weibliches Netzwerk.“ Die Wahrscheinlichkeit etwa, dass sich eine Frau allein im Restaurant unwohl fühlt und unerwünscht Aufmerksamkeit auf sich zieht, sei leider viel höher als bei einem Mann. „Und ich glaube, Frauen sind stärkere soziale Wesen, der Wunsch, sich gegenseitig zu helfen und Erfahrungen auszutauschen ist stärker ausgeprägt.“ Doch wie unterscheiden sich die Bedürfnisse von Frauen und Männern auf Geschäftsreise? Ein wichtiger Aspekt, sagt Pearson, sei das Thema Sicherheit. Frauen seien bei der Suche nach einem geeigneten Hotel viel wählerischer. Auf „Maiden Voyage“ gibt es für die Mitglieder eine Liste frauenfreundlicher Hotels – neben Kriterien wie Sauberkeit und einiger tatsächlich recht klassischer „Frauenkriterien“, wie die Qualität der Pflegeprodukte im Badezimmer oder die Anwesenheit eines Föns, sind aber noch andere Dinge wichtig: Nämlich Sicherheitsaspekte, etwa ob Zimmernummern diskret behandelt werden.

„Die Frauen sollen raus aus ihren Hotelzimmern“

Vor Beginn einer Reise können die Netzwerkmitglieder vorab die jeweilige Botschafterin kontaktieren, um etwa nach sicheren Gegenden fürs Einkaufen oder Essen gehen zu fragen. „Das Thema Sicherheit ist vor allem bei Reisen in große Städte relevant. Generell soll unser Ansatz aber ermutigend sein: Wir wollen, dass die Frauen rauskommen aus ihren Hotelzimmern und die Stadt erkunden, statt sich einzuschließen“, sagt Pearson. Jeder, der sich bei „Maiden Voyage“ registriert, wird angerufen, um sicherzustellen, dass das Netzwerk rein weiblich bleibt. Auf der Seite kann man dann Datum und Ort der nächsten Geschäftsreise eintragen, und nach Frauen suchen, die zu selben Zeit am selben Ort sind. Und was machen die Mitglieder am liebsten? Ganz klassisch sei das die Verabredung zum Dinner, sagt Pearson. „Die meisten Frauen hassen es, allein im Restaurant zu sitzen, also ist ein Restaurantbesuch nach einem anstrengenden Arbeitstag bei einem Glas Wein und mit interessanter Gesellschaft für die meisten genau das, was sie sich für einen schönen Abschluss des Tages wünschen.“

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