Foto: markus milek

Mounira Latrache erklärt, warum emotionale Intelligenz die Geheimwaffe im Berufsleben ist

Das Trendthema Achtsamkeit ist längst auch in der Wirtschaft angekommen und erfordert neue Kompetenzen. Das Zauberwort an dieser Stelle lautet emotionale Intelligenz. Mounira Latrache erklärt im Schnelldurchlauf, was es damit auf sich hat.

 

Mehr Achtsamkeit am Arbeitsplatz, bitte!

Das Thema Achtsamkeit (englisch Mindfulness) ist in aller Munde und wird in zahlreichen Ratgebern thematisiert. Der entscheidende Punkt, den man erlernen soll, ist bewusst wahrzunehmen – sich selbst genau wie seine Umwelt. Dazu zählt auch der Arbeitsplatz, denn schließlich gehört er für die meisten zum Alltag. Das Thema ist also auch in der Wirtschaft angekommen und wirft neue Fragen auf: Was ist wichtig, damit wir uns im Job wohlfühlen und entwickeln können? Welche Kompetenzen braucht eigentlich eine Managerin, die sich den vielfältigen Anforderungen einer schnelllebigen Welt gegenüber sieht?

Wie wir uns in einer überfüllten Arbeitswelt auf neue Weise auf uns selbst konzentrieren können, ohne dabei die Welt um uns herum aus den Augen zu verlieren und im Stress zu versinken, hat Mounira Latrache uns im Interview verraten. Sie ist trainierter Search-Inside-Yourself-Teacher und vermittelt seit 2012 für ihren Arbeitgeber Google einen Ansatz, der in der Wirtschaft noch recht neu ist, aber immer beliebter wird: „Mindfulness in Business“ – also: ein achtsames Miteinanderarbeiten und thematisiert in ihren Seminaren auch emotionale Intelligenz.

Du bist ausgebildeter Search-Inside-Yourself-Teacher und gibst für deinen Arbeitgeber Google und für externe Klienten Seminare zum Thema „Mindfulness in Business“. Was genau steckt hinter diesen Seminaren? 

Search Inside Yourself ist ein Führungskräfte-Training und beschäftigt sich mit Skills rund um den Umgang mit unserer Gedankenwelt, unseren Emotionen und den Menschen, die uns umgeben. Im Kurs geht es darum, durch Achtsamkeitstechniken unsere persönlichen Möglichkeiten und Herausforderungen mit mehr Resilienz, Engagement und Happiness zu navigieren. Was ich persönlich daran spannend finde, ist, dass wir unser Mitgefühl für andere dadurch deutlich stärken können. Im Fachjargon nennt man das „Compassionate Leadership“ – vom ICH zum WIR. Dass dieses Thema immer wichtiger wird, sehen wir auch daran, dass in Stanford vor kurzem das „Institute for Compassionate Leadership“ gegründet wurde.“ 

Eine Studie von Gallup aus dem Jahr 2013 zeigt, dass 70 Prozent aller Angestellten an ihrem Arbeitsplatz nicht voll bei der Sache sind. Eine erschreckend hohe Zahl. Welche Auswirkungen hat das auf den privaten und beruflichen Erfolg?

„Diese Zahl ist tatsächlich erschreckend hoch. Wirklich im Moment zu sein, gibt dem, was wir tun, eine völlig andere Qualität. Ich persönlich habe dadurch einen ganz neuen Weg gefunden, zu arbeiten: viel fokussierter, konzentrierter und gleichzeitig habe ich mehr Spaß dabei. Ich merke aber auch schneller, wenn ich gestresst bin und eine Pause brauche. Auch die Art wie ich anderen begegne hat sich verändert. Ich nehme das Wohlergehen meines Teams deutlicher in den Blick und achte darauf, dass sie ein glückliches Leben führen. Das überträgt sich unweigerlich auch positiv auf mein Privatleben. 

Die Zahl aus der Studie ist zwar sehr hoch, könnte mit ein wenig Aufwand aber deutlich gesenkt werden, schließlich gibt es viele Möglichkeiten, die scheinbar gegensätzlichen Aspekte „Achtsamkeit“ und „Arbeitsalltag“ zu vereinen: Angefangen bei einem bewussten Atemzug am Tag, einem achtsamen Spaziergang oder Lunch. Achtsam zu sein kann auch bedeuten, beim Schreiben einer E-Mail voll und ganz bei der Sache zu sein und sich nicht ablenken zu lassen. Es ist wissenschaftlich belegt, dass Verbesserungen der Arbeitsqualität bereits nach zehn Minuten Achtsamkeitspraxis am Tag bemerkbar sind. Bewusst darauf zu achten lohnt sich.“ 

Inwiefern hängt Mindfulness mit Führungskompetenzen zusammen?

„Wenn wir heutzutage an herausragende Führungskräfte denken, sind uns die sozialen Kompetenzen wichtiger, als Wissen oder Fachkompetenz. Der US-amerikanische Wissenschaftsjournalist Daniel Goleman beschreibt in seinem Buch „Working with Emotional Intelligence“ und in unzähligen Studien, dass herausragende Führungskräfte eine Kombination von IQ und EQ (emotionale Intelligenz) vorweisen. Die emotionale Intelligenz erfasst zwei Aspekte von Intelligenz: einmal, seine Ziele, Werte und sein Verhalten reflektieren zu können und außerdem auch das Verhalten und die Gefühle anderer zu verstehen.“

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