Foto: Mateus Lunardi Dutra - Flickr – CC BY 2.0

Wie du deine Neujahrsvorsätze endlich umsetzen kannst

Neujahrsvorsätze funktionieren nie – oder zumindest nur wenige Wochen. Und das liegt daran, das wir völlig falsch an unsere Vorhaben herangehen. Dabei kann man das wirklich leicht ändern.

 

Die magische Jahreswende 

Der Januar ist fast vorbei. Und mit Neujahrsvorsätzen ins neue Jahr zu starten, gehört einfach dazu – wie viele von ihnen sind noch übrig? Es gibt immer etwas zum Besseren zu ändern, zu optimieren: Gesundheit, Familie, Beruf – in jedem Bereich unseres Lebens könnte etwas schneller laufen, einfacher oder zumindest irgendwie mehr Spaß drin sein. Und die paar freien Tage zwischen den Jahren scheinen die perfekte Grundlage dafür zu bilden, nun endlich diese Dinge mal zu benennen und gleich morgen die Ärmel hochzukrempeln. 

So starten auch wir Anwälte mit guten Vorsätzen ins neue Jahr. Manche nur mit einem oder zwei, andere mit einer ganzen Liste. Manche Dinge davon schaffen es schon zum zweiten Mal auf die Liste – sie sind ein ganzes Jahr liegen geblieben. Regelmäßig und ungefragt werden wir dafür von vermeintlichen Experten mit gut gemeinten Ratschlägen bombardiert: „Formulieren Sie die Vorsätze positiv, eindeutig und motivierend!“, „Stecken Sie konkrete Zeitziele für die Umsetzung!“ … 

Aber: Wir sind ja selbst Experten! Als Anwälte regeln wir die Dinge unserer Mandanten fristgerecht. Egal was kommt. Die verschobene Einführung des beA (Besonderes elektronisches Anwaltspostfach), der Fristendruck, Gerichtstermine, die schwangere Mitarbeiterin… Nichts hindert uns.

Doch Hand auf´s Herz: Kannst du dich heute – vier Wochen nach Neujahr – noch an deine privaten Neujahrsvorsätze erinnern? Hast du begonnen, sie umzusetzen? Bei den meisten von uns sind die Neujahrsvorsätze längst im Alltagsstress schon wieder in den Hintergrund getreten. Doch woran liegt das? Warum schaffen wir es beruflich, die uns gesteckten Ziele und Termine einzuhalten, nicht jedoch auch im privaten? Warum priorisieren wir so unterschiedlich?

Fest steht: das WARUM ist entscheidend! 

Als Juristen haben wir gelernt, nicht nur darauf zu schauen, was jemand gemacht hat und wie er es gemacht hat, sondern auch zu fragen: Warum hat er es gemacht? Und ja: mal sind die Beweggründe am Ende rechtlich relevant, mal heißt es nur „Trau schau wem“. Mal können Beweggründe Strafe mildern, ein andernmal verschärfen. Und mal wünschen wir uns als Anwälte, die Beweggründe unserer Mandanten gar nicht zu kennen.

Privat hingegen fragen wir uns viel zu selten nach dem Warum. 

Ich möchte euch dazu eine kurze Geschichte erzählen: Als ich neulich eine Anfrage für einen Impulsvortrag bekam, dachte ich zuerst: Warum nicht? Das Thema gehörte zwar nicht zu meinen Kompetenzthemen und auch das Setting war nicht das, was ich üblicherweise auf meinen Keynotes und Trainings gewohnt war – man kam jedoch so nett auf mich zu, dass ich der Anfrage schlicht nicht widerstehen konnte. Als man mir dann jedoch erklärte, dass man außer den Auslagen nichts würde zahlen können, poppte sofort diese rote Lampe auf mit: „Warum sollte ich den Impulsvortrag dann also halten?”. Und im nächsten Moment spürte ich dieses Klicken. Kennt ihr das? Wenn sich euch plötzlich ein Gedanke aufdrängt? Sich Dinge zusammenfügen und es klarer wird? … Warum sollte ich es tun? 

Natürlich kann Bezahlung ein guter Grund sein

Doch ich bin nun in einem Alter, in dem ich mich nicht mehr ohne weiteres zurückziehen kann auf: „Sie war jung und brauchte das Geld.“ Leider – oder Gott sei Dank. Und ich glaube, dass gilt auch für die meisten von uns. Uns sollte also schon etwas mehr einfallen. Immerhin würden wir manche Dinge heute für alles Geld der Welt nicht tun. Warum also machen wir das, was wir machen?  

Warum stehen wir jeden Morgen auf? Warum fahren wir jeden Morgen ins Büro, wälzen Aktenberge, ärgern uns mit unmotivierten Mitarbeitern und übermotivierten Mandanten rum, mit vorhandener Technik und nicht vorhandener (wie dem beA) und kehren spätabends wieder heim? Weil wir es können? Wirklich?

Warum machen wir das, was wir tun? Weil es sich gut und richtig anfühlt.

Nun manche werden sagen: Wenn ich für etwas bezahlt werde, was ich kann, fühlt es sich immer irgendwie gut und richtig an. Doch ist das wirklich unsere Motivation? Für etwas bezahlt zu werden, was wir können: keine Anstrengung, keine Aufregung – immer schön innerhalb unserer Komfortzone bleiben?

Die besten Dinge sind doch schon immer jenseits unserer Komfortzone gewesen: Schweißperlen und Adrenalin inklusive. Der erste Kuss, das bestandene Examen. Auch, wenn es sich am Anfang alles andere als gut und richtig anfühlte. 

Die Entscheidung trifft der Bauch 

Ich habe am Ende zugestimmt den Impulsvortrag zu halten, weil mir mein Bauch sagte, dass das ganz klar außerhalb meiner Komfortzone liegen würde! Weil er mir aber auch sagte, dass diese Veranstaltung eine „super Idee“ ist und ich mich deshalb geehrt fühlte, überhaupt eingeladen worden zu sein.

Geld? Können? Egal. „JA!“ Und genau das ist der Punkt: Dieses „JA“ aus unserem Bauch!

Wann habt ihr das letzte Mal auf Ihren Bauch gehört? Heute Morgen? Gestern? Als ihr eure Neujahrsvorsätze fasstet?

Oder habt ihr euch nur wie die meisten von uns gedacht: Warum nicht? 

„Warum nicht?“ heißt: Autopilot

Im Alltag müssen wir unserer Entscheidungen in Buchteilen von Sekunden treffen. Wir verarbeiten dabei nur einen Teil der uns zur Verfügung stehenden Informationen und greifen (unbewusst) auf Muster und Erfahrungen zu: automatisieren unsere Entscheidungen. Das ist evolutionstechnisch gesehen überlebenswichtig. Doch wir sollten uns fragen, wann wir tatsächlich diesen Autopiloten brauchen und wann nicht. Wann hilft uns ein „warum nicht“ effizient durch den Alltag zu kommen – und wann hindert es uns, die uns wirklich wichtigen Dinge umzusetzen?

Evolutionstechnisch gesehen bedeutet ein „Warum nicht“ innerhalb unserer sicheren Komfortzone zu bleiben. Neujahrsvorsätze – das liegt in der Natur der Sache – zielen grundsätzlich auf etwas außerhalb davon! Deshalb ist der einzige Joker, der einzige Schlüssel, die einzige Brücke, der einzige Freund auf dem Weg, die Vorsätze umzusetzen:

Deine ganz persönliche Antwort auf die Frage: Warum? 

Ein Vorhaben kann objektiv gesehen noch so erstrebenswert sein: Die Frage ist allein, ob es für dich erstrebenswert ist. Um bei unseren Rechtsbeispielen zu bleiben: Natürlich kannst du dich scheiden lassen. Du weißt ja sogar, sogar wie es geht. Und vielleicht sprechen auch objektive Gründe dafür. Ja, vielleicht rät dir sogar deine beste Freundin dazu. Die Frage für dich ist jedoch: Warum willst du es tun? 

Genau so ist es auch bei den Neujahrsvorsätzen: Nur wenn wir wissen, warum wir etwas anpacken wollen, haben die Vorsätze eine Chance, nicht schon in der ersten Januarwoche vergessen zu werden.

Beginnen also dich zu fragen, warum du etwas machst. Wenn es des Geldes wegen ist: gut. Wenn es aus anderen Gründen ist: umso besser. Wichtig ist jedoch, dass du deine ganz persönliche Antwort kennst und dich bewusst dafür entscheidest.

Frag dich also nicht: Was du verändern möchtest. Oder wie. 

Starte immer mit dem Warum.

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