Foto: Gary Knight | Flickr | CC by 2.0

Zu karrieregeil für Kinder? Warum Schottlands Erste Ministerin nun über ihre Fehlgeburt spricht

„Warum haben Sie eigentlich keine Kinder?“ Eine Frage, die Schottlands Erste Ministerin, Nicola Sturgeon, immer wieder hörte – nun spricht sie über ihre Fehlgeburt und warum diese Frage keine ist, die man zu leichtfertig stellen sollte.

 

Kein Kind? Nicht immer ist das eine freie Entscheidung


Ab einem bestimmten Alter ist es eine sehr beliebte Frage an Frauen, ganz besonders an die, die Karriere gemacht haben: „Warum haben Sie eigentlich keine Kinder? War ihnen der Job immer wichtiger?“ Eine Frage verbunden mit einer Spekulation, die schlicht übergriffig ist – und trotzdem geht sie vielen Medienvertretern, aber auch Familie und Bekannten meist allzu leicht über die Lippen. Denn abgesehen davon, dass es ein sehr persönliches Thema ist, kann die Frage danach für viele Frauen (und Männer) ziemlich schmerzhaft sein. Nämlich genau dann, wenn es keine bewusste Entscheidung gegen ein Kind war, sondern das Leben eben einen anderen Verlauf genommen hat, als man selbst das plante. Genau so wie bei Schottlands Erster Ministerin Nicola Sturgeon.

Weil auch sie die Spekulationen darüber nicht mehr aushalten konnte, warum sie mit 46 Jahren immer noch nicht Mutter ist und sich hinter diesen Spekulationen die Annahme verbarg, dass damit doch sicherlich eine ordentliche Portion Karrieregeilheit verbunden sei, hat sich Nicola Sturgeon nun in einem Buch der Journalistin Mandy Rhodes zu dem Baby geäußert, das sie sehr gerne bekommen hätte. Doch leider musste sie kurz vor den schottischen Parlamentswahlen im Jahr 2011 die schmerzliche Erfahrung einer Fehlgeburt machen.

Die schottische Regierungschefin hat diesen Einblick in ihr Privatleben gewährt – nicht nur, weil sie genug vom Gerede hatte, das für sie und ihren Mann immer wieder Wunden aufreißt, sondern auch weil sie damit ein Statement für alle Frauen setzen will, denen es genauso geht – insbesondere im Politikbetrieb:

„(…)in the hope that it might challenge some of the assumptions and judgements that are still made about women – especially in politics – who don’t have children.“

Der Sunday Times, in der ein Auszug aus dem im September erscheinenden Buch gedruckt wurde, sagte sie dazu, dass gerne mal vergessen wird, dass es viele Gründe gebe, warum Frauen keine Kinder bekommen. Manche wollen nicht, manche stellen ihre Karriere voran (oder fühlen sich durch schlechte Betreuungsmöglichkeiten und fehlende Arbeitsmodelle für Eltern dazu gezwungen, zwischen Job und Elternschaft zu wählen) und manche können eben keine Kinder bekommen, ganz egal wie sehr sie es sich wünschen.


Es ist unser gutes Recht, keine Kinder zu wollen – aus welchen Gründen auch immer. Und es ist unser gutes Recht, es privat zu halten, warum wir keine Kinder bekommen. Doch was so selbstverständlich klingt, ist es nicht. Aber selbst wenn wir für ein Frauenbild, dass nicht zwangsläufig mit einer Mutterrolle verknüpft ist, noch einige Jahre brauchen werden, so sollten wir schon heute daran denken, dass unsere Körper in letzter Instanz entscheiden, ob wir Kinder haben werden oder nicht – nicht unsere Karrieren, nicht unsere Präferenzen. Und genau deshalb sollte man so vorsichtig mit der Frage „Warum hast du keine Kinder?“ umgehen. Ganz gleich ob diese Art der Diskussion in den Medien stattfindet oder bei einer privaten Party.

Titelbild: Gary Knight | Flickr | CC by 2.0

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