Foto: App Camps

Warum die Schule der richtige Ort ist, um Programmieren zu lernen – besonders für Mädchen

Mädchen begeistern sich für Programmieren ebenso wie für technische Berufe – vor allem dann, wenn sie erleben, dass es Spaß macht und sie selbst entwickeln können. Diana Knodel, Gründerin der App Camps, erklärt, warum die Schule hier eine wichtige Rolle spielt.

 

Finanzierung für die App Camps

Diana Knodel ist eine der Vordenkerinnen, die wir 2014 als eine von 25 Frauen für die digitale Zukunft ausgezeichnet haben. Damals waren die App Camps noch ihr Nebenprojekt, mittlerweile hat sie ihren Job aufgegeben und bringt die gemeinnützige Initiative, die Jugendliche fürs Programmieren begeistern soll, bundesweit an Schulen.

Nun gibt es tolle Neuigkeiten: die App Camps werden im Rahmen der Google Impact Challenge mit 250.000 Euro finanziert und können wachsen. Sollten sie den Wettbewerb gewinnen, wird diese Summe sogar verdoppelt. In einem Gastbeitrag erzählt Diana, warum es wichtig ist, dass Teenager im Unterricht programmieren – und warum Begeisterung für Technik nichts mit dem Geschlecht zu tun hat.

Mädchen begeistern, aber wie?

Es
gibt großartige Programmierangebote für Jugendliche! Leider nehmen daran häufig
nur wenige Mädchen teil. Warum? Ich glaube, viele haben falsche Vorstellungen. Mir
ging es lange Zeit genauso – deshalb habe ich 2013
App Camps gestartet. Wir wollen zeigen, dass Programmieren kreativ ist,
Spaß macht und dass es toll ist, wenn man eigene digitale Produkte entwickeln
kann.

In
den letzten Jahren haben wir über 2000 Jugendliche mit unseren
Programmierkursen erreicht. Eine wichtige Erkenntnis
ist, dass Jugendliche eine völlig andere Vorstellung von Programmieren
bekommen, wenn sie einmal selbst eine App entwickelt haben. Und sie können sich
eher vorstellen, einen Beruf zu wählen, der
etwas mit Programmieren zu tun hat.
Damit eröffnen sich auch neue Zukunftschancen für Jugendliche, denn Kompetenzen
in diesem Bereich benötigt man heute fast in allen Bereich. Die Frage ist also:
Wie schafft man es, dass sich mehr Mädchen mit Programmierung und Informatik
beschäftigen?

Die richtige Ausbildung finden

Ich
habe Informatik studiert. Und ganz ehrlich – vor dem Studium habe ich mich
überhaupt nicht für Programmierung interessiert. Dass ich dann doch im
Informatikstudium – genau genommen im Medien-Informatikstudium – gelandet bin,
war Zufall. Ich wollte mir das einfach mal anschauen, und was mit Medien klang sowieso
gut. Erst im Laufe des Studiums habe ich gemerkt, wie spannend Informatik ist
und dass man, wenn man Programmieren kann, tolle Dinge machen kann: eigene
Ideen umsetzen, Prototypen entwickeln und digitale Produkte bauen.

Ich
bin mehr oder weniger durch Zufall „
da rein geraten“. Zum Glück! Denn ich bin
liebe meinen Job und die Möglichkeiten die ich habe. Ich habe als Entwicklerin
gearbeitet, als Projektleiterin, als Teamleiterin, als Produkt Managerin. Heute
bin ich selbstständig und Gründerin von App Camps.

Bei
so wichtigen Entscheidungen wie „Welche Ausbildung mache ich?“, „Welches
Studienfach wähle ich“ sollte der Zufall aber eigentlich keine so große Rolle
spielen. Und ganz besonders, weil es in technischen Berufen immer noch sehr
wenige Frauen gibt. Was es braucht, sind gute Angebote an Schulen zum Thema
Programmierung und Produktentwicklung.
Jugendliche müssen selbst erleben, dass
es Spaß macht, Apps oder Webseiten zu entwickeln. Sie müssen erfahren, dass man
kreativ sein und eigene Ideen umsetzen kann. Solche Angebote müssen
niedrigschwellig sein, Spaß machen, und schnell Erfolge bringen. Und das am
besten in der Schule, denn dort haben alle Jugendliche die Chance diesen
Bereich auszuprobieren – unabhängig von Geschlecht oder sozialem Hintergrund.

Warum die Schulen so wichtig sind

Das
ist der Ansatz unseres gemeinnützigen Startups App Camps: Anstatt
außerschulische Workshops für Jugendliche anzubieten, stellen wir Lehrkräften
über eine Online-Plattform kostenlos digitale Unterlagen zur Verfügung,
inklusive Online-Schulung. Damit können Lehrkräfte mit ihren Schülerinnen und
Schülern ganz unkompliziert Apps entwickeln und programmieren.

Angefangen
haben wir mit Offline-Workshops. Da haben wir in zwei Jahren etwa 500 Jugendliche
(vor allem in Norddeutschland) erreicht. Mit unseren digitalen Unterlagen haben
wir in vier Monaten über 1.500 Schülerinnen und Schüler in ganz Deutschland,
Österreich und der Schweiz erreicht. Und das ist erst der Anfang: Mittlerweile
haben sich über 250 Lehrkräfte registriert, die gerne im Unterricht, in AGs
oder im Rahmen der Projekttage mit ihren Schüler*innen Apps entwickeln wollen.

Reichweite
ist für uns sehr wichtig und über diese Zahlen freuen wir uns riesig! Genauso
wichtig ist allerdings die Wirkung, die wir mit unserem Angebot erzielen. Das
bedeutet: Schülerinnen und Schüler für digitale Themen und Programmierung zu
begeistern. Wir wollen spannende Berufsfelder aufzeigen und Einblicke in
digitale Themen geben. Vielleicht entscheidet sich die eine oder andere
Schülerin dann später auch für eine Ausbildung im IT-Bereich oder einen
technischen Studiengang. Denn Bedarf gibt es in diesen Bereichen – und tolle
Jobaussichten auch. Natürlich sollen nicht alle Programmierer*innen werden,
aber alle sollen die Chance bekommen, das einmal auszuprobieren. Und dann
entscheiden, ob es etwas für sie ist oder auch nicht.

Erste
Ergebnisse der Schülerevaluation findet ihr hier:


Wie
geht es weiter? Wir wollen auf alle Fälle noch mehr Schüler*innen erreichen und
weitere Kurse entwickeln. Die Finanzierung aus der Google Impact Challenge ermöglicht uns nun die nächsten großen Schritte. Was ihr tun könnt? Wenn ihr Lehrkräfte kennt, erzählt ihnen von App Camps unserem kostenlosen Kursangebot – oder ihr seid selbst Lehrerin oder Lehrer und entwickelt mit euren Schüler*innen schon bald die nächsten Apps!


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