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Mehr Home Office! So verhandelst du deine Wünsche im Job

Neue Arbeitszeiten? Home Office? Diensthandy? Wer individuelle Wünsche beim Arbeitgeber durchsetzen will, braucht gute Argumente und eine kluge Strategie, sagt Jobcoach Kristina Erhart.

 

Wie setze ich meine Wünsche bei der Chefin durch?

Nicht alles, was wichtig ist, um deinen Job gut zu machen, verhandelst du beim Vertragsabschluss. Denn vielleicht ändert sich deine Lebenssituation, du möchtest mehr von Zuhause aus arbeiten oder das Großraumbüro stresst dich. Maria Huber hat für unseren Kooperationspartner XING spielraum mit Kristina Erhart gesprochen, die als Coach arbeitet. Sie hat Tipps, wie man mit der Chefin über konkrete Wünsche spricht und sie durchsetzen kann. 

Frau Erhart, welchen Wunsch haben Sie früher in ihrem Angestellten-Job einmal selbst bei Ihrem Chef durchgesetzt?

„Das war eigentlich schon vor der Einstellung: Vier Chefs führten mit mir das Vorstellungsgespräch für vier verschiedene Stellen im Konzern. Ich habe einfach den Spieß umgedreht und tausend Fragen gestellt. So hatten sie das Gefühl, sie würden sich mir vorstellen und um mich buhlen. Meine Gehaltsvorstellungen haben sie sofort akzeptiert.“

Also reicht es, einfach selbstbewusst aufzutreten?

„Das ist ein wichtiger Aspekt, aber längst nicht alles. Wer seine Wünsche durchsetzen will, muss das gut planen. Und das beginnt schon vor dem Gespräch: Vereinbaren Sie offiziell einen Termin mit dem Chef, der dann in seinem Terminkalender steht. Das verleiht dem Gespräch eine Wertigkeit. Beim Termin selbst hilft es dann, auch die entsprechende Atmosphäre zu schaffen. Fallen Sie nicht mit der Tür ins Haus, schaffen Sie erst mal eine positive Grundstimmung: Besprechen Sie Privates, bis beide sich wohlfühlen. Auch den Chef mal zu loben, ist nicht verboten – aber bitte nicht schleimen.“

Nehmen wir an, die Situation ist locker: Wie komme ich nun auf meinen Wunsch nach mehr Home-Office?

„Wichtig ist, bestimmt und selbstsicher direkt zu sagen, was man will. Sie haben vorher Argumente gesammelt, die alle auf einen Punkt hinauslaufen: Was hat das Unternehmen davon, wenn ich mehr Home-Office mache? Darauf bauen Sie Ihre Strategie auf. Sie müssen oft Abläufe, Texte oder Zahlen exakt kontrollieren? Das können Sie besser ungestört zu Hause – und schaffen es dort sogar schneller und zuverlässiger.“

Mal ehrlich, Home-Office, flexible Arbeitszeiten – man will das doch nicht nur, um dem Unternehmen weiterzuhelfen, sondern als Stück eigener Lebensqualität.

„Natürlich, und das ist erstens legitim und zweitens soll man das auch offen sagen. Sie gehören zur Generation Y? Erklären Sie sich, sagen Sie dem Chef, dass Ihnen die Work-Life-Balance wichtig ist, dann sind Sie entspannter, zufriedener und motivierter. Jeder Chef weiß, dass ein unzufriedener Mitarbeiter frustriert wird. Und was passiert mit Frustrierten? Sie kündigen.“

Also soll man flexible Arbeitszeiten einfach einfordern?

„Natürlich nicht. Es muss immer ein Geben und Nehmen sein. Wenn man nachmittags die Kinder aus der Kita holen muss, darf der Chef dafür auch Flexibilität einfordern. Oder man bietet an, abends noch ein, zwei Stunden zu arbeiten, wenn die Kinder im Bett sind.“

Gerade bei Frauen gibt es oft die Idee, Job-Sharing zu machen. Kann man die Vorgesetzten davon überzeugen?

„Das ist schon schwerer, denn da ist sehr viel Abstimmung nötig und es gibt viele Schnittstellen, an denen etwas schief gehen kann. Wenn der Kunde morgens anders betreut wird als mittags, verwirrt ihn das. Man müsste also glaubwürdig machen, dass man sich sehr gut kennt, ähnlich tickt und auch die selbe Arbeitsweise hat. Ausführliche Übergaben und die Bereitschaft, auch mal in der Freizeit zu telefonieren und sich abzusprechen, können Argumente sein – die den Job aber schnell zu mehr als einer halben Stelle werden lassen.“

Nervfaktor Großraumbüro: „Was bringt es dem Chef, wenn ich alleine sitze?“

„Auch hier gilt wieder: Was bringt das dem Chef? Kann man vielleicht mehr schaffen, wenn man nicht durch die Telefonate der anderen gestört wird? Kann man sich in der Akquise besser auf den Kunden einlassen, wenn nicht 20 andere Kollegen mithören? Man sollte vor allem keinen Druck aufbauen, denn jeder ist ersetzbar. Lieber sagt man: Ich kriege es auch im Großraum hin, es ist aber Stress für mich. Und ich möchte gern mit Freude zur Arbeit kommen.“

Schön und gut, aber in vielen Büros gibt es dafür gar nicht den Platz.

„Klar, wenn die Räumlichkeiten nicht da sind, kann der beste Chef nichts machen. Dann kann man zusammen überlegen, ob Pflanzen für den Lärmschutz angeschafft werden oder Schrankwände für mehr Privatsphäre sorgen könnten. Falls es einen Besprechungsraum gibt, kann man den auch zum Telefonieren und konzentrierten Arbeiten einrichten.“

Mein Job macht Spaß, aber ich möchte gern nochmal ins Ausland. Wie verkaufe ich das?

„Zunächst sollte man betonen: Ihr seid mir als Unternehmen wichtig. Ins Ausland gehen ist mir aber auch wichtig. Ist es ok, wenn ich ein halbes Jahr weg bin? Ein Argument ist natürlich, dass man Sprachkenntnisse vertieft, gerade wenn man die in der Kommunikation mit den Kunden brauchen kann. Man lernt, wie die Abläufe in anderen Unternehmen in der selben Branche sind und kann das nach der Rückkehr hier einbringen – und man blickt mal von außen auf das eigene Unternehmen. Das hilft einem selbst, aber auch dem Chef.“

Mehr Geld, Dienstwagen, Handy, der Beitrag fürs Fitness-Studio – die Wünsche der Mitarbeiter an den Chef können sehr individuell sein. Gibt es eine Strategie, die immer zieht?

„Was meistens hilft, ist, sich auf den Chef einzustellen und ihn zu imitieren. Das klingt komisch, funktioniert aber: Benutzt er viele Fremdworte, tue ich es auch, spricht er sehr langsam, bringe ich mein Anliegen auch bedächtiger vor. Ist er eher leger gekleidet, passe ich mich auch an. Wichtig ist, aus dem so genannten Tiefstatus beim Smalltalk (lächeln, blinzeln, Kopf schief halten) in den Hochstatus zu wechseln, sobald es ans Eingemachte geht: Klar und deutlich sprechen, direkt in die Augen schauen, nicht zu leise sprechen und den Kopf gerade halten. Dann ist man auf Augenhöhe und lässt keinen Zweifel, dass man weiß, was man will.“

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