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Wie viel Geld brauche ich als Selbstständige? Diese Tipps helfen dir

Viele Freiberufler kennen das Problem: Schwankende Einnahmen können nicht nur Kopfzerbrechen bereiten, sondern zu waschechten Existenzängsten führen. Um nicht Monat für Monat wieder in die finanzielle Bredouille zu geraten, können zwei Dinge besonders hilfreich sein …

 

Wie gehe ich gut mit meinem Geld um? 

Seit anderthalb Jahren arbeite ich als freiberufliche Lektorin und Korrektorin, und mittlerweile hat sich meine berufliche Situation so weit stabilisiert, dass ich nicht mehr um mein Auskommen bangen muss – auch wenn es nach wie vor von Monat zu Monat sehr schwankt. Ich glaube, ich habe in dieser Zeit viel über den richtigen Umgang mit Geld gelernt. Hier kommen deshalb ein paar Tipps, die ich gerne weitergeben möchte.

Fixkosten überschaubar halten 

Dass ich mittlerweile als Freie relativ unbesorgt sein kann, liegt auch daran, dass meine Fixkosten verhältnismäßig überschaubar sind. Sie beschränken sich im Wesentlichen auf:

Miete und Nebenkosten

Festnetzanschluss und Internet

Handyvertrag

Online-Software

Versicherungen (einschließlich Krankenversicherung und Altersvorsorge)

Kontoführungsgebühren

Gebühren für meine Website und meinen Blog

Mitte Oktober kommt außerdem noch ein Leasingvertrag für ein Auto dazu, da ich von der Groß- in die Kleinstadt gezogen bin und es dort ohne Auto schwer ist. Trotzdem „leiste” ich mir das Auto erst jetzt, wenn ich es mir auch leisten kann. Sonst müsste eben nach wie vor das Fahrrad herhalten.

Prioritäten setzen

Viele weitere Kosten, die ich Monat für Monat „an der Backe” hatte, konnte ich reduzieren, indem ich mich gefragt habe, was mir wirklich wichtig ist und was mir einen Mehrwert bringt – wobei dieser Mehrwert auch darin bestehen kann, zwei gemütliche Stunden mit einem gekauften Film zu verbringen oder Freude an etwas Schönem zu haben, das man sich neu gekauft hat und an dessen Anblick man sich erfreut. Es geht also nicht darum, auf alles zu verzichten, sondern seine ganz eigenen Prioritäten zu setzen.

Um nur ein banales Beispiel für die Reduzierung meiner Fixkosten zu nennen, aktiviere – und bezahle – ich mein Streamindienst-Abonnement mittlerweile nur noch dann, wenn gerade Serien angeboten werden, die ich auch sehen möchte, und nicht mehr durchgehend. Ähnliches gilt für andere Abonnements. So kaufe ich mir Zeitschriften oder die Tageszeitung nur noch, wenn mich die jeweilige Ausgabe wirklich interessiert und ich außerdem weiß, dass ich auch Zeit haben werde, sie zu lesen. Das monatlich gesparte Geld ist mir den Gang zum nächst gelegenen Kiosk allemal wert. 

Dafür bereue ich es nie, (mal mehr, mal weniger) Geld für Blumen auszugeben, weil ich mich darüber die ganze Woche über so freue, dass sich die Investition allemal gelohnt hat. Selbst in Monaten, in denen der Geldgürtel richtig eng sitzt, würde ich mir eher für 1,99 Euro ein Supermarkt-Blumensträußchen kaufen und dafür auf einen Coffee to go verzichten oder zwei Tage lang Reste essen – aber genau das ist eben eine Frage der Priorität, und solange der Rubel nicht richtig dick rollt, geht nun mal nicht immer alles.

Wichtig ist es daher, sich darüber im Klaren zu sein, was genau einem wichtig ist, was einem einen persönlichen Mehrwert bringt – und auf den Rest gegebenenfalls zu verzichten. Das erfordert Disziplin, lässt einen aber auf Dauer nachts ruhiger schlafen. 

Einkommen splitten – Rücklagen bilden

Von der allerersten Rechnung an, die mir von einem Kunden überwiesen wurde, habe ich (nach Abzug der Vorsteuer, die ich ohnehin monatlich ans Finanzamt zahlen muss) konsequent immer 45 Prozent meiner Einnahmen zur Seite gelegt, um Rücklagen zu bilden für die vierteljährlich fällige Einkommensteuervorauszahlung und um meine Krankenkassenbeiträge jeden Monat von diesem zurückgelegten Geld bezahlen zu können. Was im darauffolgenden Jahr nach Eintreffen des Einkommensteuerbescheids von den Rücklagen übrig bleib, kann für Freizeitvergnügungen verprasst werden – und hätte alternativ natürlich auch in die Altersvorsorge investiert werden oder als Grundstock für weitere Rücklagen dienen können.

Von den restlichen 55 Prozent meiner Einnahmen bezahle ich zunächst jeden Monat das, was an Kosten für die Arbeit anfällt, also Büromaterial, meine Buchhaltungssoftware und so weiter. Den Rest des Geldes übertrage ich einmal monatlich auf mein privates Girokonto. Davon bestreite ich dann meinen Lebensunterhalt, also Miete, Handy, Internetanschluss, Lebensmittel, Shopping, Ausgehen und so weiter. Entsprechend gestaltet sich mein „Lifestyle” in manchen Monaten ausschweifender und fällt in anderen Monaten eben bescheidener aus.

Wie sehen Rücklagen konkret aus? 

Konkret bedeutet das: Wenn ich in einem Monat beispielsweise Einnahmen in Höhe von 3.500 Euro auf meinem Firmenkonto verbuchen kann, rechne ich als Erstes (gedanklich) 19 Prozent Umsatzsteuer raus, die ohnehin nach Abgabe meiner Umsatzsteuervoranmeldung im Folgemonat vom Finanzamt abgebucht werden und somit nur für kurze Zeit als Durchlaufposten auf meinem Firmenkonto liegen. Von den übrigen circa 3.000 Euro in dieser Beispielrechnung lege ich 45 Prozent zurück (ich übertrage das Geld in der Regel auf ein Unterkonto, auf das ich jederzeit Zugriff habe, wenn zum Beispiel die Krankenkassenbeiträge fällig sind). Von den übrigen circa 1.600 Euro, die sich nun noch (zzgl. der zwar noch nicht abgebuchten, aber im Geiste schon rausgerechneten Umsatzsteuer) auf dem Firmenkonto befinden, bezahle ich erst einmal alles, was in dem jeweiligen Monat an Kosten für die Arbeit angefallen ist – sagen wir so um die 200 Euro – und überweise den Rest als Privatentnahme auf mein privates Girokonto. Davon gehen dann die privaten oder halb-privaten Fixkosten ab, und was übrig bleibt, ist frei verfügbar.

Realitäten anerkennen: nicht über seine Verhältnisse leben

So wird aus einem erst mal gar nicht so schlecht aussehenden Kontostand von 3.500 Euro ziemlich schnell ein nicht besonders üppiger Betrag, der mir zum Leben bleibt – doch diese mal höher, mal weniger hoch ausfallende Summe zu kennen, darauf kommt es meiner Erfahrung nach am meisten an. Dazu gehört eben auch, sich seine monatlichen Kosten ehrlich vor Augen zu führen und sein Konsumverhalten bzw. seinen Lebensstandard entsprechend anzupassen. Das ist nicht immer schön, bewahrt einen aber davor, über seine Verhältnisse zu leben. Und es kann als Motivation dienen, in einem nächsten Schritt zu überlegen, wie sich höhere Gagen, mehr Aufträge, ein besseres Zeitmanagement oder Ähnliches realisieren lassen, um den Lebensstandard erhöhen zu können.

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