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Gender Pricing: Wenn Frauen mehr bezahlen müssen als Männer

Dass Frauen im Durchschnitt weniger verdienen als Männer, ist mittlerweile allseits bekannt – eine neue Studie der Antidiskriminierungsstelle zeigt: Bei vielen Dienstleistungen im Alltag müssen Frauen auch mehr bezahlen.

 

Braucht eine Bluse eine andere Reinigung als ein Hemd?

Ein paar Bereiche fallen einem spontan ein, in denen man unterschiedliche Preise für Frauen und Männer routiniert schluckt. Beim Friseur zum Beispiel, da leuchtet es einem zumindest halbwegs ein, dass die Bearbeitung langer Haare, die mit höherer Wahrscheinlichkeit von Frauen getragen werden, mehr kostet als die kurzer. Oft wird in den Salons allerdings nicht genau nach Haarlänge differenziert, sondern einfach nach Geschlecht: Der Herrenhaarschnitt mit vollem Programm ist günstiger, selbst wenn Mann und Frau beide ihren Bubikopf nachschneiden lassen wollen.

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes stellt heute eine Studie vor, die auf erstaunliche Unterschiede in der Preisgestaltung bei Dienstleistungen für Männer und Frauen gestoßen ist. 381 Dienstleistungen wurden untersucht, bei 59 Prozent gab es unterschiedliche Preise für Männer und Frauen, obwohl die Leistung die gleiche war. Der Name für dieses Phänomen: „Gender Pricing“. Ein anderer Begriff ist übrigens „Pink Tax“, der darauf fußt, dass im Drogeriemarkt pinkfarbene Produkte oft teurer sind als die in einer anderen Farbe.

Ein weiteres recht absurd anmutendes Beispiel: In 32 Prozent der untersuchten Reinigungen kostete die Reinigung einer Bluse mehr als die Reinigung eines Hemdes – und wir gehen nicht davon aus, dass Frauen ihre Blusen schlimmer verschmutzen würden als Männer ihre Hemden.

Hinter solchen Unterschieden steckt ein Gender-Marketing-Konzept mit der Annahme, Frauen würden grundsätzlich mehr Wert auf Äußeres und Körperpflege legen, also seien sie auch eher bereit, mehr dafür auszugeben.

Die Rechtslage ist eigentlich eindeutig

Geht es um Produkte in Supermärkten und Drogerien, hält sich die Zahl der Fälle, in denen Frauen mehr bezahlen müssen, in Grenzen (von 1.682 untersuchten Produktvarianten wurde nur bei 62 Gender Pricing festgestellt, das entspricht 3,7 Prozent.) Der Vollständigkeit halber sei auch erwähnt, dass vereinzelt auch Gender Pricing zu Lasten der Männer festgestellt wurde, etwa wenn Männer für ein Dating-Portal zahlen müssen, das für Frauen kostenlos ist, oder wenn Männer Eintritt in einen Club zahlen müssen und Frauen nicht. Dabei handelte es sich aber um Einzelfälle.

Die rechtliche Lage ist eigentlich eindeutig: Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) sieht vor, dass auch bei der Preisgestaltung von Produkten und Dienstleistungen keine Unterschiede wegen des Geschlechts gemacht werden dürfen. Bisher allerdings wäre es unrealistisch, sich als Kunde gegen solche Diskriminierungen zu wehren, man müsste im Einzelfall den Anbieter einer Dienstleistung oder eines Produkts verklagen – der Aufwand dafür wäre in der Regel nicht gerechtfertigt für den kleinen finanziellen Schaden, der einem ansonsten entsteht. Eine von tagesschau.de befragte Juristin empfiehlt eine Überarbeitung des AGG, sodass in Zukunft etwa Beratungsstellen oder Verbraucherzentralen stellvertretend für alle Kunden klagen könnten.

Bis dahin müssen wir uns wohl selbst helfen – indem wir uns trauen, im Geschäft, in der Reinigung oder wo auch immer direkt anzusprechen, wenn uns die Preisgestaltung unsinnig vorkommt.

Ein Vertreter des Zentralverbandes des Deutschen Friseurhandwerks rechtfertigt übrigens die unterschiedliche Preisgestaltung auf tagesschau.de: Frauenhaarschnitte seien grundsätzlich „anspruchsvoller“.

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