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Wenn Stutenbissigkeit zu Mobbing wird

Gibt es sie wirklich, die so genannte Stutenbissigkeit? Was sich nach altbackenem Klischee anhört, kann zur echten Last werden.

 

Vorsicht bissig!

Das Bild der bissigen „Businessstute“ scheint immer mehr zum Klischee zu verkommen. Ich hörte von Dritten sogar Geschichten über faires, wertschätzendes und unterstützendes Miteinander unter Kolleginnen. Schön, wenn es so ist. Ich wünschte, auch meine Erfahrungen würden sich damit decken. Klar, auch ich habe tolle Kolleginnen, mit denen ich sehr gut zusammenarbeite und mich sogar auf privater Ebene austausche. Aber das nur noch sehr selektiert und mit besonderer Vorsicht.

Denn leider musste ich während meiner mehrjährigen Berufslaufbahn schon häufiger feststellen: Beruflich bedingter Neid und Missgunst unter Frauen existieren noch immer. Und das, weder branchenabhängig noch altersbedingt.

Professionell „menscheln“

Wenn man etwa zwei Drittel seines Tages mit anderen Leuten an einem Ort verbringt, dann kann es schon einmal „menscheln“. Schließlich ist niemand davor gefeit, dass aktuelle Geschehnisse im Job oder im Privaten Einfluss auf die Laune oder das eigene Verhalten gegenüber Kollegen nehmen. Das wiederum ruft schnell die üblichen Lästerer auf den Plan. Und mal unter uns, wenn im Unternehmen gelästert wird, dann doch meistens unter Kolleginnen über Kolleginnen, oder nicht? Und ja, auch ich kann mich nicht davon frei sprechen, schon einmal bürointern über eine Kollegin gelästert zu haben. Allerdings weniger aus böswilliger Motivation. Eher, weil ich mich gerade mit allem lieber beschäftigen wollte als mit mir selbst, meinen Problemen oder gar meiner Arbeit. Doch auch wenn das menschlich ist, der Grat zwischen Lästerei und Mobbing ist schmal.

Ist das schon Mobbing?

Wie schmal, habe ich selbst erlebt. Als ich vor Jahren in einem neuen Unternehmen anfing, spürte ich von einer Kollegin vom ersten Tag an eine ganz klare Ablehnung. Vielleicht war das meiner neu geschaffenen Position und meinen Aufgaben geschuldet oder es lag ganz einfach an meiner Art. Ich weiß es nicht. Erst einmal, begann ich die Fehler bei mir selbst zu suchen. Schließlich bin ich als echte Norddeutsche eher direkt, manchmal wirke ich barsch und mein staubtrockener Humor ist sicherlich auch nicht jedermanns Sache. Das kann auf andere schon mal arrogant wirken. Aber was soll’s, schließlich habe ich es ja in der Hand, meine Gegenüber davon zu überzeugen, dass ich nicht so bin, wie ich vielleicht anfangs wirke.

Doch trotz meines gesunden Selbstbewusstseins wurde ich ihr gegenüber immer unsicherer. Denn obwohl ich mich in der Gegenwart dieser Kollegin unwohl fühlte, konnte ich mir selbst dabei zusehen, wie ich gerade bei ihr besonders freundlich und hilfsbereit war. Es war wohl die Hoffnung auf Akzeptanz und Wertschätzung. Doch vollkommen zwecklos, hier war Hopfen und Malz verloren. Was auch immer uns in die Quere kam, wäre kein Grund gewesen, nicht professionell miteinander umgehen. Das sollte man zumindest meinen. Doch als ich nach kurzer Zeit auf ihre Hierarchieebene aufstieg, wurde es wirklich unangenehm.

Im Visier der Geschäftsführung

Erst kamen Gerüchte über mich in Umlauf. Harmloser Bürotratsch, über den ich noch lächeln und den Kopf schütteln konnte – und der doch an mir nagte. Doch schließlich begann sie mir projektintern Versäumnisse zu unterstellen, die eigentlich sie selbst zu verantworten hatte. Auch hier hätte ich wohl kaum länger Energie darauf verschwendet, wenn sie ihre Unterstellungen nicht auch der Geschäftsleitung zugetragen hätte.

Ich wurde zum Gespräch einbestellt. Schriftlich. Mit der Aufforderung, mich zu meinen vermeintlichen Vergehen zu äußern und umgehend Lösungsvorschläge für die entstandenen Probleme zu präsentieren. Ich fühlte mich hilflos. Wem würde man wohl Glauben schenken? Ich ahnte es, schließlich war ich  neu und sie schon seit vielen Jahren im Unternehmen. Und obwohl ich nichts falsch gemacht hatte, wurde ich nervös. Würde ich jetzt abgemahnt werden?  Wie sollte ich darauf reagieren? Kann ich beweisen, dass ich im Recht bin? Aber wer dokumentiert seine Arbeit schon mit dem Anspruch, einer „kriminologischen“ Untersuchung standhalten zu können? Ich jedenfalls nicht.

Kein Einzelfall

Unmittelbar vor dem Gespräch mit der Geschäftsleitung spürte ich eine wahnsinnige Anspannung. Obwohl ich alle Trümpfe auf der Hand hatte, war mir die ganze Sache einfach unangenehm. Glücklicherweise war alles schnell geklärt und für mich vom Tisch.

Was bleibt ist ein fahler Nachgeschmack und eine stete Habachtstellung gegenüber Kolleginnen. Denn was als Einzelfall gelten könnte, zog sich für mich und in diesem Unternehmen fort. Ich blieb nicht das letzte Opfer solcher Intrigen. Allesamt unter Frauen. Warum machen Frauen es anderen Frauen noch immer absichtlich schwer? Unnötig zu erwähnen, dass das unnötig ist, oder?

 

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