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Ab wann muss ich mich eigentlich für meine berufliche Zukunft entscheiden?

Tierärztin, Pilotin, Designerin. Als Kind fiel es uns leicht zu sagen, was wir später werden wollen. Im Studentenalter zweifeln hingegen viele, was die endgültige Berufswahl betrifft. Gibt es einen Zeitpunkt, ab dem man genau wissen sollte, was man werden will?

 

„Was möchtest du später einmal werden?“

Schon im Alter von sechs Jahren musste ich mit diese Frage
stellen, als eine meiner Schulfreundinnen mir ihr „Freunde-Buch“ zum Ausfüllen
in die Hand drückte.

Damals wollte ich Apothekerin werden, weil ich fasziniert
von dem Apothekerschrank mit seinen vielen kleinen Schubladen war, aus denen
die Apothekerin bei uns im Ort die Medikamente hervorzog. Seitdem haben
sich meine Kriterien für die Berufswahl allerdings etwas verkompliziert.

Wie die meisten habe ich mich an meinen Lieblingsfächern in
der Schule orientiert, um mir einen groben Plan für die Zukunft zu überlegen. Da mein Interesse an Naturwissenschaften schließlich doch
nicht so groß war, kam ein Pharmaziestudium nicht länger in Frage. Ich
habe mich dagegen immer sehr für Sprachen, Literatur und Kunst interessiert, aber
was ich damit genau anfangen sollte, war mir lange Zeit nicht klar.
Und wie findet man denn auch den Beruf, der zu einem passt, wenn man noch gar
keine Ahnung vom Berufsleben hat?

Soll ich die Reise einfach abkürzen?

Ich konnte die Menschen immer gut verstehen, die nach der
Schule Lehrer werden wollten, schließlich wusste man hier wenigstens genau, was
einen erwartet und konnte sich auf die Fächer spezialisieren, in denen man
selbst gute Leistungen in der Schule hatte. Easy Peasy! Aber das Lehramt ist
nun einmal nicht jedermans Sache und es gehört ja nicht nur das Interesse für
ein Fach dazu, sondern auch die Energie und Kompetenz mit Kindern und
Jugendlichen umzugehen
. Für mich ging die Suche daher erst einmal an der Uni
weiter. Aber auch hier war es das gleiche Spiel: Alles bestand aus Lesen,
Lernen und Hausarbeiten. Von Praxiserfahrung keine Spur. Und trotzdem wurde man immer dasselbe gefragt: Literatur und Skandinavistik? Was willst du
denn damit später werden?

Gute Frage. Die meisten rieten mir, doch einfach an der Uni
zu bleiben, wenn mir das Studium so viel Spaß bereite. Ich habe diese
Argumentation allerdings nie so ganz verstanden. War ich nicht an der Uni, um etwas
zu lernen, damit ich später in der richtigen Welt da draußen einen Job finden könnte?
Anscheinend gilt das aber nur für diejenigen, die sich zu Beginn ihres Studiums auch gleich für ihren späteren Arbeitsplatz entschieden hatten. Wäre
ich doch mal bei meinem Apothekerinnen-Traum geblieben!

Ich weiß auch nicht warum, aber ich habe die Entscheidung meiner späteren
Berufswahl schon immer sehr ernst genommen. Vielleicht, weil ich es generell
ziemlich spannend finde mir vorzustellen, was ich wohl in ein paar Jahren
machen werde. Wenn mein 25-jähriges Ich heute mein damaliges 19-jähriges Ich kurz nach dem Abi treffen würde, dann würden sich die beiden möglicher
Weise noch immer gut verstehen. Vielleicht wäre die 18-jährige Marie sogar
ein bisschen beeindruckt von der Zeit, die ich bereits in Stockholm gelebt habe
oder von den verschiedenen Praktika bei einigen unserer Lieblingsmagazine. Eine
endgültige Antwort auf die Frage, was ich später einmal werden würde, könnte
ich ihr aber nicht geben.

Ist es schlimm mit 25 noch nicht zu wissen, was man werden
möchte?

Eigentlich stört es mich nicht besonders, dass ich kein so festes
Ziel vor Augen habe, wie jemand, der Jura oder Medizin studiert und damit vorerst
seine Zukunft besiegelt hat. Denn wenn ich eines in den vergangenen sechs
Jahren meines Studiums gelernt habe, dann, dass meine Interessen immer breiter
geworden sind und ich noch immer permanent auf neue Dinge und Menschen stoße,
die mich inspirieren und weiterbilden
. Zwar befinde ich mich immer noch im
gleichen Kosmos aus Sprachen und Literatur, aber ich bin schon lange über meine zwischenzeitliche Theater- oder meine Übersetzerinnen-Phase
hinweg.

Jetzt, wo sich mein Studium langsam dem Ende zuneigt, nehmen
die Gedanken über meine beruflichen Ziele natürlich stark zu. Vor kurzem
fand ich mich entsprechend in einem meiner letzten Kurse an der Uni wieder, in
dem wir gemeinsam mit der Koordinatorin unseres Studiengangs über die
anfänglichen Erwartungen sprechen sollten, die wir an unser Studium hatten.
Anschließnd sollte jede und jeder ergänzen, inwiefern diese Erwartungen erfüllt
wurden und wo er oder sie sich heute sieht.

Hallo, mein Name ist Marie und meine Zukunft steht in den Sternen

Ich war noch nie bei einer Selbsthilfegruppe, aber nach
allem, was man aus Filmen kennt, hat sich diese Gesprächsrunde für mich stark
danach angefühlt. Der Reihe nach erzählten wir alle von den Höhen und
Tiefen unseres Literaturstudiums und erklärten, wie wir mit Anfang 20 den
Wunsch hegten, Lektorin zu werden (das trifft in etwa auf 90 Prozent zu). Was mir stark bei den Geschichten der anderen auffiel,
war die Tatsache, dass die meisten sich für dieses Studium entschieden hatten,
weil sie sich erhofft hatten, eine Bestätigung für ihre heimliche Wunsch-Berufung 
zu
bekommen. In den meisten Fällen hatte es sich dann aber so entwickelt, dass der
Wunsch, Lektorin oder Verlegerin zu werden, immer weiter in den Hintergrund
gerückt war, weil man im Laufe des Studiums „realistischer“ geworden war und sich
schließlich mit Aussicht auf besser bezahlte Stellen für andere Bereiche des Verlagswesens wie Presse oder
Rechte und Lizenzen entschieden hatte.

Ich für meinen Teil kann diese Art zu denken durchaus
nachvollziehen, aber mit Dingen wie „Rechten und Lizenzen“ ist es bei mir dann
doch so wie in der Schule mit dem Matheunterricht. Man kann mir noch so oft
sagen, wie sinnvoll es für meine spätere Zukunft ist – das einzige was ich
daraus mitnehme ist die Erkenntnis, dass ich weiß, was ich auf keinen Fall
später machen möchte.

Es lebe die Generation Praktikum

Um nun aber endlich sagen zu können, was es denn ist, dass
ich später machen möchte, habe ich das gemacht, was so viele Menschen meiner Generation
in dieser Situation machen: ein Praktikum. Ob mir das Praktikum einen festen Job und finanzielle Sicherheit in Aussicht stellt? Wohl kaum. Ob es mir
garantieren kann, dass ich nicht doch noch einmal meine Meinung ändere und
lieber in einen anderen Bereich reinschauen würde? Wer weiß. Was ich allerdings
bereits sagen kann, ist, dass ich etwas mache, dass mir Spaß macht und das ist schon einmal viel Wert. 

Ich würde lügen, wenn ich nicht
zwischenzeitlich darüber nachgedacht hätte, ob es nicht doch sinnvoller gewesen
wäre, ein PR-Praktikum zu machen. Umso schöner war es für mich, als ich
mich in einer meiner ersten Wochen bei Edition F mit unserer Redaktionsleiterin Teresa über meine bisherigen Erfahrungen und möglichen Pläne für die Zukunft
unterhielt und sie mir völlig gelassen antwortete, dass sie es total okay
findet, dass ich noch nicht genau weiß, was ich später machen will. Bei ihr habe
sich schließlich auch alles anders ergeben, als gedacht.

Ein paar Bauchschmerzen gehören dazu

Natürlich würde ich mich in vielen Situationen gerne
sicherer fühlen und Dinge sagen können wie: Ich schreibe demnächst meine
Masterarbeit und danach wartet ein Volontariat bei einem bekannten Kultur- und
Lifestylemagazin mit der Aussicht auf eine Festanstellung auf mich.“ Aber irgendwie ist es auch schön nicht zu wissen, ob es so
kommen wird oder ob ich letztlich doch etwas ganz anderes machen werde. Ein
bisschen Träumerei sollte doch auch zum Leben dazu gehören.

Was sagt ihr? Gibt es eine Zeitpunkt ab dem ihr genau
wusstet, was ihr werden wolltet? Oder kann es diesen Zeitpunkt eventuell gar
nicht geben? Ich bin gespannt auf eure Erfahrungen.


Titelbild: Peter – Flickr – CC BY 2.0

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