Foto: Annie Spratt/Unsplash

Zur starken Vater-Kind-Bindung in drei Tagen – ein kleiner Crashkurs mit der Union

Teile von CDU/CSU steigen mit dem Vorschlag einer drei Tage dauernden „Familienzeit“ nach der Geburt eines Kindes in den Wahlkampf ein – Lisa Seelig mischt in ihrer Kolumne „Familie und Gedöns“ mit ein paar eigenen Anregungen mit.

„Unionspolitiker wollen drei Tage Familienzeit für Väter einführen. In einem neuen Papier fordert der Arbeitnehmerflügel von der Partei, das Thema im Bundestagswahlkampf aufzugreifen.“

Hihi. „Der Spiegel“ kann ja neuerdings auch Satire ….

… dachte ich zumindest beim ersten Überfliegen der Überschrift. Aber nein:

„Die Geburt eines Kindes ist ein unvergesslicher Moment für Familien. Die Bindung zwischen Kind und Eltern wird in den ersten Tagen nach der Geburt besonders geprägt. Wir wollen, dass die Familie die Tage nach der Geburt verlässlich gemeinsam verbringen kann. Deshalb werden wir für Väter drei Tage Vaterschaftsurlaub bei Geburt eines Kindes einführen.“ (Auszug aus einem kürzlich veröffentlichten Papier des Arbeitnehmerflügels der CDU/CSU.)

Ach so. Ich wusste gar nicht, dass Friedrich „Ich kenn mich mit Frauen aus, ich hab schließlich selbst eine“ Merz dem Arbeitnehmerflügel der CDU angehört? Die neueste Idee des Flügels, die ins Wahlprogramm der Union aufgenommen werden soll, klingt nämlich so wie in seiner Hirnstube erarbeitet: Das war nämlich ganz schön prägend damals, puh, so eine Geburt, ganz schön anstrengend, dauerte irgendwie auch verdammt lang, und dann abends noch Babypinkeln mit den Jungs, mega verkatert am nächsten Tag, und dann noch dieses Geschrei die ganze Zeit, besser, da noch ein, zwei Tage offiziellen Urlaub dranzuhängen, wär schon nett gewesen damals, richtig erholt wieder mit Volldampf im Job durchstarten zu können … zum Glück haben wir vor dem Abitur mal eine mehrtägige Kanufahrt zusammen gemacht, auch wenn wir unsere Bindung damals noch nicht drei Tage lang prägen konnten, war trotzdem echt schön.

Jetzt aber wirklich Schluss mit unsachlichem Boomerbashing.

Nein, nein, nichts für ungut, lieber Arbeitnehmer*innenflügel der CDU, da steckt schon Gutes drin im Ansatz in eurem Papier, damit können wir arbeiten, ihr habt sicher nichts dagegen, wenn ich mit meiner Schreibwerkstatt rasch übernehme, auch als Service für die anderen Parteien, ist schließlich Bundestagswahl dieses Jahr, kleine Vorlage fürs Parteiprogramm, dann geht’s schneller:

„Die Jahre zwischen null und 18 sind unvergessliche Jahre für Familien. Die Bindung zwischen Kind und Eltern wird in dieser Zeit besonders geprägt. Wir wollen, dass die Familie diese Jahre nach der Geburt verlässlich gemeinsam verbringen kann. Deshalb werden wir für Väter:

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  • (hier bitte Elemente sinnvoller, moderner, auf gleichberechtigte Teilhabe zielender Familienpolitik einfügen.)

Und schon ist ein ganzes Stück des eher lästigen Brockens „Familienpolitik“ im Parteiprogramm geschafft, uff. Keine Ursache, gern geschehen. Jetzt brauchen wir nur noch Leute, die in der Lage sind, den Lückentext auszufüllen. Anyone? Keine Ideen? Gern bei uns melden. Uns schwirren da schon länger ein paar richtig gute Ideen im Kopf herum. Oder zum Beispiel hier nachlesen, da steht zum Beispiel: Ausbau von Teilzeitstellen auch für Väter und Ausbau der Partner*innenmonate beim Elterngeld auf langfristig sechs Monate (für Väter) – ich bin mir sicher, da geht dann zusätzlich zur abiturnahen Kanufahrt noch so einiges mehr.

Wir haben eine eigene Facebook-Gruppe rund um das Thema Familie. Wir wollen uns mit allen austauschen und vernetzen, die sich für das Leben mit Kindern interessieren – egal ob ihr selbst Eltern seid oder nicht. Schaut doch mal vorbei

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Lisa Seelig arbeitet seit Ende 2014 für EDITION F, erst als Redakteurin, seit Januar 2020 als Textchefin. Ihre Themenschwerpunkte bei EF sind Familie, Leben mit Kindern und Geschlechtergerechtigkeit. Seit 2015 schreibt sie in ihrer Kolumne über die Freuden und Schrecken von Mutterschaft. Vorher hat sie einige populäre Sachbücher geschrieben und als freie Autorin für Zeitungen, Magazine und Online gearbeitet, darunter Süddeutsche Zeitung, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Spiegel Online, Zeit Online, dummy und Neon. Wichtigstes Learning aus der Journalistenschule: „Das versendet sich.“ Foto: Jennifer Fey

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