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Abnabeln – wenn die beste Freundin Mutter wird

Wie ist das eigentlich, wenn die beste Freundin Mutter wird? Freude pur, keine Frage. Alles andere wäre schließlich purer Egoismus. Aber was, wenn die ersten Wochen doch mehr Fragen und Gedanken aufwirbeln als vermutet. Und vor allem die Frage, welche Rolle ich in dem „neuen Leben“ spielen werde.

 

Wie wird es, wenn es Wirklichkeit wird?

Dass es über kurz oder lang so kommen würde, war eigentlich keine Überraschung. Oft genug hatten
wir schon darüber gesprochen und ich meine Reaktion im Kopf durch gespielt. Aber dann, wenn es
wirklich so weit ist, sind alle guten Vorsätze vergessen und was bleibt, ist ein offener Mund und viele
Fragezeichen.

Jetzt, einige Tage später, wünschte ich, meine Reaktion wäre anders ausgefallen. Keine skeptischen
Fragen, keine klugen Ratschläge, sondern einfach eine Umarmung, die verspricht: „Ich werde immer
an deiner Seite sein.“ Was mich am meisten wunderte: Wo blieben die Tränen? Ich weine doch
sonst bei den blödesten Filmen, Liebeserklärungen und ja, manchmal reicht sogar schon ein
Applaus und es bildet sich ein Kloß im Hals. Und jetzt … nichts.

Eine richtig dicke Freundschaft

Mit etwa 14 Jahren haben wir uns gesucht und gefunden, wir gegen den Rest der Welt! Daraus
resultierte eine Menge Ärger und wiederholter Hausarrest. Ein paar Jahre später: die erste
gemeinsame Wohnung. Aus Freundschaft wurde Familie. Grenzenlose Liebe mit all ihren Schwächen und Fehlern. Vier Jahre später der Abschied, ich ziehe in eine andere Stadt. Was bleibt, sind stundenlange Telefonate, nächtliche Sehnsuchts-SMS und wunderschöne Wiedersehen.
Eigentlich hat sich nichts geändert. Prioritäten verschieben sich, gemeinsame Erinnerungen bleiben.

Zu wissen, dass wir diese Erinnerungen an ein neues Familienmitglied weitergeben können, fühlt
sich großartig an. Doch bis dahin ist es noch ein langer Weg. Ein Weg gesäumt von Gedanken: Wie
wird sich unsere Freundschaft wohl verändern? Was werde ich für eine Rolle in ihrem „neuen“
Leben spielen? Wann werde ich wohl den Mut haben, diesen Schritt zu gehen? Woher weiß sie, dass sie bereit dafür ist? Ein großes Wirrwarr aus Freude und Angst. Gleichzeitig ist es an der Zeit, meinen Platz frei zu geben. Einen Platz, auf dem sich um mich gesorgt wurde, mir zugehört wurde,
ich geliebt wurde. Diesen Platz braucht bald jemand nötiger als ich. Ich nabele mich ab. Zeit des
Erwachsenwerdens? Etwas, was ich schon sehr lange vor mir herschiebe und das nur zum Vorschein
kommt, wenn ich wirklich drauf angewiesen bin. Bisher eigentlich ein gutes Gefühl.

Ich wäre gern da

Ein Gefühl, was ich gar nicht mag, ist zu wissen, nicht dabei sein zu können. Telefonate und auch
Fotos können nicht das ersetzen, wie es ist, einen Bauch wachsen zu sehen, mit zu erleben, wie die
kleine Familie ihren Alltag meistert, Feste feiert, sich liebt. Ich werde immer nur eine Zuschauerin in
der letzten Reihe bleiben. Jemand, der von weit hinten Beifall klatscht.

Doch daran lässt sich vorerst nichts ändern. Umso mehr versuche ich, aus der letzten Reihe auf
mich aufmerksam zu machen. Vorerst mit Liebe, die ich in Gedanken verschicke. Ich übe mich in Geduld und probe meine Rolle, bis ich auf die Bühne geholt werde. Und bei dieser
Vorstellung kommen sie … die Tränen.


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