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Warum du deine Träume nicht ignorieren solltest – auch wenn sie dir Angst machen

Ist es okay, mittelmäßig zu leben für ein bisschen mehr Bequemlichkeit? Ist es okay, deinen Traum aufzugeben für ein bisschen mehr Sicherheit? Und wie war das noch einmal mit dem Glück? Das fragt sich unsere Community-Autorin Selene Mariani.

 

Einsam, unzufrieden, traurig: Hallo, Alltag!

Ich sitze in der U-Bahn und sehe in dein trauriges Gesicht.
Das Gesicht eines Resignierten und Desillusionierten. Eines Realisten und
Depressiven. Leere Augen blicken ab und zu von deinem Smartphone auf.
Obwohl du weißt, dass es nichts Neues gibt, checkst du deine E-Mails alle paar
Sekunden. Du bist unruhig und hast das Gefühl auf etwas zu warten – worauf?

Dein Mund verzieht sich manchmal zu einem Gähnen, nie aber
lächelst du – warum auch? Du bist müde… irgendwie bist du immer müde. Du hast es eilig nach Hause zu kommen, aber wenn du so recht darüber nachdenkst, weißt du nicht, wieso. Denn zu Hause wirst du dich nur hinsetzen und auf einen Bildschirm starren, genau, wie du es jetzt gerade schon tust.

Welchen Sinn hat das Leben, das ich mir geschaffen habe?

Ich weiß, was du denkst: „Ich kann nicht mehr. Ich will nur vor den Fernseher und den Arbeitsstress vergessen. Will vergessen, dass ich mich so verdammt einsam fühle. Will verdrängen, dass ich mich schon lange frage, welchen Sinn das alles überhaupt hat.“ Deine Gedanken drehen sich im Kreis. Mich interessiert, was in der Mitte des Kreises ist. Ich glaube, ich weiß es.

Tief vergraben unter dem Schutt von „Ich-muss-Geld-verdienen“ und „Träume-sind-was-für-Kinder“ und „Ich-muss-durchkommen“ und „Vielleicht-hab-ich-ja-später-noch-Zeit-für-das-was-ich-wirklich-will“, tief vergraben unter all diesem Müll liegen zerquetscht und fast verrottet deine Träume. Die Träume, die du schon immer hattest. Die du gelernt hast mit aller Kraft zu unterdrücken – erst von Eltern, dann von Lehrern, Mitschülern, Professoren, Studenten, Freunden, Autoren, vom Fernsehen und von Zeitungsmenschen, von Geliebten und von Fremden – kurz von der Gesellschaft. Denn schließlich sind Träume ja ganz schön, aber dein Brot kannst du dir nicht aus ihnen backen. Denn schließlich schaffen den Durchbruch nur ganz wenige Genies und zu denen gehörst du nun mal nicht. Denn schließlich ist „Künstler“ kein richtiger Beruf. Denn schließlich machen es ja auch die anderen so.

Wenn die Träume unter der Realität begraben liegen

Als du all diese Dinge noch nicht geglaubt hast, waren deine Träume stark. Sie haben dir Kraft gegeben – das Gefühl, dass dein Leben aufregend ist und dass du alles schaffen kannst, wenn du es nur wirklich willst. Das ist lange her. Jetzt zappeln deine Träume nur noch kläglich unter all deinem Gedankenschrott und sind kurz vor dem Ersticken.

Du hast zwei Möglichkeiten: Entweder lässt du sie sterben oder du versuchst, sie zu retten, indem du sie von all dem Müll freischaufelst. Die erste Möglichkeit würde auch dich umbringen. Daher hast du nur die zweite und du weißt: Das wird kein Kinderspiel.

Deshalb drückst du dich. Du hast Angst, so verdammt viel Angst. Aber du weißt auch, dass es nur schlimmer werden kann, je länger du wartest und je mehr Zeit verrinnt. Du weißt, dass du handeln musst, irgendwann. Nur nicht jetzt. Jetzt passt es gerade nicht. Erst noch ein bisschen arbeiten. Erst noch auf ein Auto sparen. Erst noch ein Auslandssemester machen. Erst noch ein bisschen weiter jammern und hilflos sein.

Worauf wartest du?

Du denkst, du brauchst jemanden, der dich aus deiner Lethargie herauszieht. Also wartest und wartest du. Warten ist einfacher als handeln. Warten ist leichter, als das Richtige zu tun. Aber es ist auch viel schmerzvoller. Das spürst du und doch gibst du nicht nach. Du denkst, du brauchst erst Sicherheit, um das Risiko eingehen zu können. Lies diesen Satz noch mal – fällt dir da etwas auf? Du denkst, deine Angst ist zu stark. Du glaubst, dass du warten musst, bis sie weg ist. Warten… all diese Dinge denkst du und doch weißt du:

Du bist nicht hilflos. Du weißt, was du dir wirklich wünschst und du brauchst keinen anderen Menschen und auch keinen Plan, um loszulegen. Du brauchst nur den ersten Schritt. Es kommen keine besseren Zeiten und sicher ist man nie. Du ahnst: Die Angst wird nie weggehen. Also hast du nur eine Wahl: es trotz – oder besser mit –  der Angst tun. Sie gehört dazu.

Warte nicht, bis zu bereit für den Fall bist. Springe und schaue dann, wo du landest. Dein Leben zu planen, das hast du schon versucht – versuche mal was Neues: ein Leben nach dem Motto: ich habe keinen Plan, aber ich fange trotzdem an!


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