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Die Zukunft kann man nicht aufhalten – aber positiv beeinflussen. Und zwar Jetzt!

Am Anfang eines neuen Jahres sind wir besonders neugierig auf die Zukunft. Ungeduldig wie ich bin, habe ich mich mit ihr auf ein Bierchen getroffen – und daraus ein paar Schlüsse für mich gezogen.

 

Tief durchatmen und los

Ich bin nervös. Eine Verabredung steht
bevor. Nicht irgendeine. Die eine. Weil es wichtig ist. Okay, noch einmal von
vorne.

Ein Date mit der Zukunft steht bevor.
Ja, in wenigen Minuten werde ich die Zukunft in Person treffen. Wie er/sie wohl
aussieht? Was man bei so einem bedeutungsschwangeren Treffen am besten anzieht?
Er/sie weiß es bestimmt. Wir treffen uns auf ein Bierchen in der Lieblingskneipe.
Sind meine Fragen gut ausgearbeitet? Habe ich an alles gedacht? 

Erst einmal was
Hochprozentiges aus klitzekleinen Fläschchen am Kiosk besorgen. Das hat sich
schon bei anderen ersten Dates und diversen Bewerbungsgesprächen bewährt. Augen
zu und runter damit. Die Schritte werden schneller, viel zu schnell. Ich bin zu
früh. Mist, jetzt noch einmal um den Block laufen und tief durchatmen. Schließlich
soll Mr. oder Mrs. Zukunft nicht denken, ich wäre eine Anfängerin.
Ich starre auf die Zeiger meiner Uhr. So, also rein jetzt.

Da sitzt sie. Ob Mann oder Frau, ich
kann es nicht sagen. Schließlich ist es das schummrige Licht, welches den Ort
irgendwo zwischen Spielothek und Bio-Bäckerei zu meiner Lieblingskneipe macht.
Ich setze mich.

Hallo, Mr. oder Mrs. Zukunft

„Hallo. Schön, dass es geklappt hat.“

Ein klassischer Eisbrecher von
Krawattenträgern und Urologen. Keine Reaktion, ich wurde wohl zum inoffiziellen
Gesprächsführer ernannt.

„Liebe Zukunft“, meine Stimme wird
sicherer, 
„viele Menschen haben ja Angst vor dir…“

Oha, Platz eins in der Kategorie „Ungezwungener Smalltalk“ geht an mich.

„Also, keiner weiß ja so recht, was die Zukunft bringt. Menschen neigen dazu,
vor dem Unbekannten Angst zu haben. Umso mehr freue ich mich, dass wir uns
endlich kennenlernen.“

Ich knibbele nervös das Etikett von meiner Flasche.

„Entspanne dich. So ein Treffen habe ich
schließlich auch nicht alle Tage. Hast du denn bestimmte Fragen an mich?“

Meine Ohren werden rot. Bestimmte
Fragen? Ich habe einen ganzen Fragenkatalog. Wann kommen die freundlichen Haushaltsroboter?
Was werden sich meine Freunde zum 30. Geburtstag ausdenken? Werden als nächstes Kindle-Bücher auf dem Scheiterhaufen
verbannt? Wird dieser viel zu nette Typ von neulich mich zurückrufen? Und wann
wird es endlich Sommer? Auf einmal kommen sie mir alle wie Bagatellen am
Wegesrand vor. Blackout. Die Zukunft schmunzelt. Ich fühle mich wieder wie ein
16-jähriger Teenager mit Problemhaut – extrem unsicher.

Meinen die überhaupt mich?

Unsicherheit, die ist
mir quasi mit den Namen in den Brutkasten gelegt worden. Hier spreche ich explizit
alle Damen und Herren mit den Anfangsbuchstaben „A“ an. Ich kann gar nicht
sagen, wie oft man mit so einen A-Namen aus Versehen angerufen wird. Einfach nur
aus dem Grund, weil man ganz oben in der Kontaktliste steht. Dabei gibt es genau
drei Arten dieser Anrufe. Bei dem einem hört man nur Geräusche aus der Hose
oder irgendeine peinliche TV-Sendung im Hintergrund laufen. Die anderen lassen
dich sofort wissen, dass es sich um ein Versehen handelt, entschuldigen sich
und legen peinlich berührt wieder auf. Gefolgt von der schlimmsten Kategorie. Die,
die dich mit einem langen „Aaaaah Haaallo“ sofort wissen lassen, dass sie dich
auf gar keinen Fall anrufen wollten, es nun aber passiert ist und nun versuchen, die ganze Sache zu überspielen – das kappt nie. 

Und genau von solchen Anrufen
bekommen A-Namen Komplexe. Solche Erlebnisse bohren sich nach 27 Jahren tief in
das Selbstbewusstsein ein. Bei jedem Anruf starre ich erst einmal zwei Minuten
auf mein Handy und frage mich, ob dieser überhaupt mir gilt.

Ein
Zacharias wird ganz bestimmt immer mit Vorsatz angerufen. Daher müssen Z-Namen ein
ganz tolles Selbstbewusstsein haben. Ich stelle mir vor, wie diese die Anführer
der wildesten Banden von Mönchengladbach bis Mexiko City sind. Oder
Motivationsseminare in verstaubten 50er-Jahre-Kaufhäusern leiten. Manche mögen
behaupten, diese Selbstwertgefühl-Paranoia sei total irrational und unbegründet.
Aber genau die Leute haben wahrscheinlich auch noch nie einen Rucksack mit
Reißverschluss in einer überfüllten Fußgängerzone getragen. Nur diese „Gleich-werde-ich-beklaut-wie-Mutti-es-immer-gesagt-hat“- Panik kommt dem
Gefühl der Unsicherheit als Endzwanziger noch nahe. Ich schweife ab. Zurück zum
Date.

Wechselbad der Gefühle

„Habe ich dich aus dem Konzept
gebracht? Entschuldige, das scheint so meine Art zu sein. Die Leute werden
immer wahnsinnig nervös in meiner Gegenwart. Vielleicht sollte ich mich davon
geschmeichelt fühlen. Egal, ich beantworte sowieso ungern Fragen zum Thema, was
wohl als nächstes passieren wird. Dann nehme ich euch ja die Spannung. Du
wirkst übrigens sehr angespannt.“

Nächster Aufguss für das Wechselbad der
Gefühle. Ich fühle mich ertappt. Okay, keine konkrete Fragen zu Zukunftsvisionen
jeglicher Art. So war das nicht geplant. Jetzt wird der Notfallplan für erste
Verabredungen ausgepackt. Lockere Fragen zur Personen-Analyse deines
Gegenübers.

„Würdest du dich als ironische Person
beschreiben? 
Entschuldige, wenn ich dir da vielleicht zu nahe trete. Aber
meine Erfahrung mit der Zukunft waren bis jetzt – denke ich an die
Vergangenheit – immer sehr ironisch. 

Ein Alltagsbeispiel: Ich lege mir nach
gefühlt zwei Halbwertszeiten einen Regenschirm zu. Am nächsten Tag folgt eine
spontane Dürrezeit für die nächsten acht Monate. Oder ich lerne den zukünftigen
Vater meiner noch nicht geplanten Kinder kennen, der ist ironischerweise aber
schon Vater vieler Wunschkinder im ganzen Bundesgebiet Deutschland und den angrenzenden
Nachbarländern. Zu diesem Thema möchte ich übrigens das Buch ,Großherzogins
Geburtstag – 34 ironische Geschichten‘ von Adrien Ries in der Erstauflage von 1983 empfehlen. Danach fühlt man
sich nicht mehr ganz so sehr alleingelassen.“

Die Zukunft lacht.

Eine Prise Humor 

„Ironisch, ja das
war ich wohl schon immer. Ich versuche, die Dinge stets aufregend und abwechslungsreich
zu gestalten. Eine anstrengende Aufgabe. Da hilft eine Prise Humor natürlich.“

„Humor, Humor“, ich wiederhohle die
Worte verächtlich in meinen Gedanken und merke, wie ein bisschen Wut in meinem
sonst so sonnigen Wesen aufkommt. Ob man diese ironischen Drehungen und
Wendungen im Leben immer mit Humor und einem Lächeln auf den Lippen hinnehmen
sollte? Ich kann es leider oft nicht. Zwischen den ganzen Verirrungen und
verdrehten Geschichten, die einem so im Laufe der Zeit begegnen, geht einem wohl
auf Dauer der Humor verloren. Kurz lasse ich die wildesten
Geschichten meines jungen Adoleszenz-Leben vor mir Revue passieren. 

Hätte ich
die eine oder andere Situation vielleicht doch mit ein wenig mehr Humor statt Verbissenheit gesehen, wären sie vielleicht milder für mich ausgegangen.
Zumindest gefühlt. Dabei rede ich nicht von Gleichgültigkeit. Den Geschichten
und Personen, die einem im Laufe der Zeit begegnen, sollte immer eine gewisse
Ernsthaftigkeit entgegengebracht werden, damit sie Bestandteil deines Lebens
werden. Wie untröstlich fade wäre es denn, wenn man neben all den Freunden auch
die Beziehungskrisen, Streitigkeiten und Sinnkrisen an sich einfach abprallen
lässt. Irgendwo lernt man ja immer etwas daraus.
 Und irgendwie führen alle diese
kleinen Puzzle-Teile zu der einzigartigen Persönlichkeit, die für andere wieder
äußerst liebenswert ist. 

Der Zukunft vertrauen

Liebe Zukunft, du bist ein Schelm. Und ziemlich
gewitzt. Eigentlich wollte ich dir die Fragen stellen und nun stehe ich selbst innerhalb
von fünf Minuten vor einem Kleingebirge von Fragezeichen und neuen Aufgaben: Die Dinge entspannt sehen und dem miesen Tag vielleicht einfach überspitzt
entgegenlächeln. Man kann die Zukunft bestimmt nicht aufhalten, da vertraue
ich der alten Busfahrer-Weisheit: „Es kommt, was eben kommt.“ 
Aber man kann sie
vielleicht positiv beeinflussen. 

Ängste wie Unsicherheiten herunterschrauben und
einfach mal die vermeintlichen Probleme anpacken und beim Namen nennen. Natürlich haben wir das schon einmal von Freunden oder Frauenmagazinen als gut gemeinten Ratschlag
gehört, aber es dann mal wirklich auszuprobieren, ist dann noch etwas anderes. 

Wie immer im Leben, gibt es keine Garantie, das kennt man aus dem
Baumarkt, aber ich werde es die nächsten drei Monate einfach mal ausprobieren.
Den Tag mit einem Lächeln anfangen und beenden. Bei der nächsten Abfuhr wird
sich nicht weiter im Bett verkrochen, sondern lieber mit Freunden im Grunewald
vergnügt. Beim nächsten blöden Kommentar von der Seite werde ich mich nicht
wieder kleinmachen und verstecken, das Wartezimmer vom ganz großen Glück spielt sich
schließlich da draußen ab. Aber je länger man auf die liebe Zukunft wartet, desto
kürzer wird sie bekanntlich.

Ich packe meine sieben Sachen zusammen
und schiele Richtung Tür, durch welche die erste Frühlingssonne blitzt.

„Tut
mit Leid, liebe Zukunft. Ich muss jetzt los, ich habe noch ein paar Dinge zu erledigen.
Und ich bin mir sicher, dass du auch schon die nächste Überraschung geplant
hast. Ich vertraue dir – und deinem Humor.“

Dieser Text erschien in abgewandelter Form im Slowmag und auf Sussudio Studio.


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