Foto: WOCinTech Chat – Flickr – CC BY 2.0

Diversity macht erfolgreich – aber dieser Effekt auf Teams ist wirklich entscheidend

Heute ist der 4. deutsche Diversity-Tag. Die BWL-Professorin Jutta Rump erklärt, warum sie in Unternehmen immer wichtiger ist und wie man es schafft, dass Vielfalt entsteht und wirkt.

 

Vielfalt ist Grund zu feiern!

Am heutigen 4. Deutschen Diversity Tag zelebrieren wir die Vielfalt in unserer Gesellschaft. An diesem Aktionstag der Charta der Vielfalt geht es darum, Unterschiede anzuerkennen, zu akzeptieren und nicht zuletzt: sie als Bereicherung zu sehen. Ein Gedankengang, der aus vielfältigen Gründen nun auch die Arbeitswelt erreicht hat. Der demografische Wandel und unsere immer „bunter“ werdende Gesellschaft lassen auch der Wirtschaft zum Glück keine andere Wahl, als sich mit dem Thema „Diversity“ auf professioneller Ebene auseinanderzusetzen. Die Kulturstudie „Führungskultur im Wandel“ der Initiative Neue Qualität der Arbeit des Bundesarbeitsministeriums zeigt: Diversität und Flexibilität sind wichtige Erfolgsfaktoren, die auch im Bewusstsein von Führungskräften angekommen sind. 

Vielfalt und Diversity beschäftigen sich mit allem, was uns als Menschen ausmacht. Persönliche Eigenschaften wie Alter, Geschlecht, sexuelle Orientierung und Identität, Behinderung, ethnische Herkunft oder Nationalität sowie die persönliche Weltanschauung oder Religion zählen ebenso dazu, wie Bildungs- und Familienstand, die Betriebszugehörigkeit oder die Berufserfahrung. 

In unserer vielfältigen Gesellschaft sollte es also kein Problem darstellen, diese Lebensrealität auch auf die Arbeitswelt zu übertragen – oder etwa doch?

Gleich und gleich gesellt sich gern – und ist dabei weniger erfolgreich

Wir alle sind mit Vorurteilen – positiver oder negativer Natur – belastet. Was wir kennen, wirkt vertraut und gleichzeitig vertrauenserweckend. Diversity-Management, so der moderne Begriff für die Auseinandersetzung mit Vielfalt in der Arbeitswelt, setzt genau hier an und hilft dabei, den „Faktor Vorurteil“ kritisch zu hinterfragen. Dass dies dringend notwendig ist, sagt nicht nur der Menschenverstand, sondern wird auch durch aktuelle Studien belegt: Vielfalt steigert die Produktivität in Teams, fördert die Weiterentwicklung etablierter oder überholter Prozesse und schützt Unternehmen vor Stillstand. Innovationen entstehen vor allem dann, wenn unterschiedliche Herangehensweisen, Erfahrungen und Persönlichkeiten zusammenarbeiten. Viele Unternehmen stehen nun vor der Herausforderung, diese Erkenntnis in ihrer Personalpolitik strategisch einzusetzen.

Die Motivation dahinter ist einfach: Das wirtschaftliche Ziel einer Diversity-orientierten Unternehmenspolitik besteht darin, dass die Belegschaft die demographische Vielfalt des Geschäftsumfeldes widerspiegelt. Darüber hinaus ermöglichen gemischte Teams auch die Erschließung neuer Geschäftsfelder und Kundenkreise. Gleichzeitig greift Diversity-Management auf der menschlichen Ebene. Mitarbeitende sollen nicht trotz, sondern aufgrund ihrer unterschiedlichen Eigenschaften Wertschätzung erfahren und so motiviert werden, ihr volles Potenzial einzubringen. Davon profitieren Unternehmen und Beschäftigte gleichermaßen. Menschen, die in vielfältigen Teams arbeiten, sind nicht nur produktiver, sondern auch zufriedener!

Vielfalt macht Angestellte glücklicher

Das Zusammentreffen von Menschen unterschiedlichen Geschlechts, verschiedener Herkunft, Ausbildung oder Weltanschauung allein reicht nicht aus, um das Potenzial von gemischten Teams auszuschöpfen. Die Basis für den Erfolg bildet eine Unternehmenskultur, die einen respektvollen Umgang voraussetzt, verschiedene Meinungen und Standpunkte erlaubt, Widerspruch zulässt und Ideen wertschätzt. Ein vielseitig aufgestelltes Team ist dann in der Lage, eine Herausforderung aus vielen Perspektiven zu durchdringen und so zu differenzierten (und besseren) Ergebnissen zu gelangen. 

Vielfältig aufgestellte Teams stellen Führungskräfte vor neue Aufgaben. Die moderne Führung eigenständiger und divers aufgestellter Teams, ist nicht mehr hierarchisch, sondern partizipativ organisiert. Mitbestimmung und Selbstorganisation treten an die Stelle von „Top-Down“-Entscheidungen. Individuelle Wertschätzung und Selbstverantwortung steigern dabei die Produktivität, sind aber auch ein wichtiger Faktor, wenn es um die Zufriedenheit am Arbeitsplatz geht. 

Das Recruiting der Zukunft denkt in Teams

Durch Fachkräftemangel und der demografischen Wandel sind Arbeitgeber heute ebenso Bewerber, wie die Jobsuchenden selbst. Möchte ein Unternehmen seine Zielgruppe weiterhin ansprechen und gleichzeitig seine Beschäftigten halten, sind Vielfalt und Zufriedenheit wichtige Bausteine der Recruiting- und Personalstrategie. Interessante Aufgaben und ein gutes Betriebsklima liegen in der Gunst der Bewerber an höchster Stelle, sogar noch vor dem Gehalt.

Um diesen Ansprüchen gerecht zu werden, suchen zukunftsorientierte Unternehmen nicht nur nach Fachkräften, sondern in erster Linie nach fachlich passenden Menschen. Anstatt nur Stellen zu besetzen, investieren sie in die Entwicklung und Zusammenstellung von Teams. Gerade für kleine und mittlere Unternehmen ohne große Personalabteilung kann dies zur Herausforderung werden. Dabei sind es gerade sie, die vom demografischen Wandel mit besonderer Härte betroffen sein werden. Hilfestellungen aus öffentlicher Hand können ein erster Ansatz sein, um sich dem Thema zu nähern. Ein gutes Beispiel ist das Projekt „Pinowa“, eine kostenfreie Toolbox, die Leitfäden und Tipps zur Umsetzung von Chancengleichheit im Recruiting liefert.

Wichtigste Erkenntnis muss dabei sein: Mit der Einstellung eines vielfältigen Teams ist noch keine Wunderlösung vollbracht. Vielfalt muss eine Grundhaltung werden, damit sie voll zum Tragen kommt und alle davon profitieren. Die Arbeit fängt damit also erst an – aber sie lohnt sich.


Titelbild: WOCinTech Chat – Flickr – CC BY 2.0

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