Foto: Amy Schumer | Facebook

Feministin und verdammt lustig? Klar geht das!

Während in den USA weibliche Comedians wie Amy Schumer Schönheitswahn und Sexismus so richtig auseinander nehmen, fehlt es in Deutschland sowohl an weiblichen Comedians, als auch an Lachern. Ein Appell von Lisa Wunderbar.

 

Feminismus ist verkniffen? Das muss nicht sein

„Im probably a 160 pounds right now and I can catch a dick every time I want – that’s the truth.“ 

Schon lang nicht mehr habe ich so gelacht wie bei der Acceptance Speech von Comedian Amy Schumer für ihren Glamour Award. Ja, Glamour, das Magazin. Dort wo unrealistisch dünne Frauen, sehr teure Kleidung tragen. Für Model- und Hollywoodstandards ist Amy ein bisschen zu pummelig und pausbäckig. Für normale Verhältnisse ist sie: völlig normal. Trotzdem wird sie vom Glamour-Publikum gefeiert. Und genau diese Diskrepanz führt sie uns in ihren Auftritten vor Augen – kombiniert mit vielen weiblichen Peinlichkeiten, die sonst keine so richtig aussprechen will. 

„My main goal tonight was that my slipper would not look like I blew my nose in it“. 

Neben ihrem Film „Trainwreck“ (deutscher Titel: Datingqueen), der dieses Jahr in die Kinos kam, moderierte Amy die neue Folge von „Saturday Night Live“ und bekam einen Emmy für ihre Comedy Sendung „Inside Amy Schumer. Sie nimmt die moderne Schönheitsindustrie genauso auf die Schippe wie veraltete Frauenbilder á la „Frauen wollen eigentlich immer monogam leben“ – und geniert sich für fast gar nichts. Und damit, ist sie ziemlich erfolgreich.  

Amy Schumer ist nicht die einzige weibliche Comedian, die es in den USA bis nach oben geschafft hat. Vor ihr machten bereits Ellen Degeneres und Sarah Silvermann, um nur mal zwei zu nennen, aus Frauenthemen Comedy (Silvermann brach alle Tabus mit ihren „Rape Jokes“.)

Wo sind all die lustigen Feministinnen Deutschlands?

Das wirft die Frage auf, wo eigentlich weibliche Comedians in Deutschland geblieben sind? Aus dem Stegreif fällt mir da zuerst Anke Engelke ein und deren Hochphase war quasi Anfang der Nullenjahre schon vorbei. Sie ist übrigens trotzdem die erste die Google ausspuckt, wenn man das weibliche Comedians in Deutschland in die Suchleiste eingibt. Klar, tue ich jetzt relativ prominenten und sehr witzigen Frauen in Deutschland Unrecht. Aber auch Senay Duzcu, die erste weibliche türkische Stand-up-Comedian in Deutschland, sagte in einem Interview zum Deutschen Comedy Preis 2014:

Männer bringen Leute zum lachen, Frauen nicht.

Zum einen fehlt es an weiblichen Comedians in Deutschland, die mutig und gezielt Geschlechterbilder sezieren. Und dazu gehört wesentlich mehr als die guten alten wer-kann-eigentlich-gut-einparken-Jokes. „Der Feminismus braucht Filme wie Trainwreck“ schreibt Johanna Evans in der amerikanischen Huffington Post. Und das gleiche gilt auch für unsere Gesellschaft – denn wir haben es bitter nötig, dass die vielen Facetten einer feministischen Einstellung eine Bühne bekommen.

Zum anderen braucht es in Deutschland natürlich auch Frauen (und Männer), die über so etwas lachen können. Klar ist Hollywood mit seinem Schönheitswahn und dem unbedingten Willen sich irgendwelchen Stereotypen anpassen zu wollen immer ein willkommener Anlass zu sagen: so schlimm ist es bei uns nicht. Aber machen wir uns nichts vor – auch bei uns tragen Zeitschriften, Instagram und Blogs jeglicher Art dazu bei oftmals sexistische Rollenbilder zu perpetuieren. Die ernsthafte Kritik daran sei dahingestellt. Aber wir sollten wenigstens darüber lachen können. Denn war nicht Humor schon immer die schärfste Waffe?

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