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Lästerschwester: Warum wir so gerne über andere reden

Wir alle tun es, und wir alle wissen: Toll ist das nicht … Lästern. Aber haben wir es hier mit einer Bagatelle zu tun oder ist es nicht vielleicht doch etwas, das wir aus unserem Verhaltensmuster streichen sollten?

 

Schlechtes Gewissen, weil wir lästern? Fehlanzeige!

Wer lästert, der lügt. Wer behauptet er lästert nie, sagt
nicht die Wahrheit. Da haben wir den Salat. Egal wie wir es drehen, ehrlich ist
es nicht.

Ein schlechtes Gewissen verspüren wir selten. Wir
kennen mindestens einen Komplizen, der mit uns das Tun oder Erscheinen eines
Dritten analysiert und kritisch bewertet. Das macht die Sache nicht nur
einfach, sondern auch noch amüsant. Oder habt ihr jemals im
Monolog gelästert und dabei Spaß gehabt? Eben. Denn dann wäre es ja auch nicht
das, was es ist: lästern.

Aber was ist damit eigentlich gemeint? Der Duden beschreibt das schwache Verb wie folgt:

Sich über jemanden [der abwesend ist],
über etwas abfällig, mit kritischen oder ein wenig boshaften Kommentaren
äußern.“

Warum Lästern für uns ok scheint

Zur leichten Disziplin zählt, über Fremde zu spotten. Im
vertrauten Kreis ziehen wir über jemanden her, den wir nicht
kennen. Kichernd oder mit kollektivem Kopfschütteln, kritisieren wir
dessen Optik oder Verhaltensweise, um unsere Aufmerksamkeit anschließend
wieder den wichtigen Gesprächsthemen zu widmen. Das „Opfer“ wird nie
erfahren, dass wir für einen Moment auf dessen Kosten ein Wohlbefinden
verspüren durften.

Darum geht es nicht? Warum haben wir es dann getan? Hätten
wir betreffende, vermeintlich schlecht gekleidete Person zum Anhalten animiert und ihr unsere wüsten
Gedanken ins Gesicht geschleudert, dann wäre das ganz schön unangenehm geworden –
nicht nur für sie, sondern auch für uns. Also nochmal: Wir haben es getan, weil
es Spaß gemacht hat und das nur deshalb, weil wir es hinter dem Rücken des „hässlichen
Entleins“ vollzogen haben. Da wir nie mit dessen Leid in Berührung kommen
und das Entlein unwissend und froh weiter plantschen darf, fühlen wir
uns unschuldig. Wo kein Kläger, da kein Richter – bei der
nächsten Gelegenheit, dürfen wir unbefleckt weiterschmähen.

Eine wesentlich heiklere Situation: lästern über Freunde

Spannend wird es, wenn wir uns dazu bei
Menschen aus unserem Bekannten- oder Freundeskreis hinreißen lassen. Denn: hier gehen die Motive meist
tiefer und sind vor allem persönlicher. Oftmals gaukeln wir uns selbst vor, dass es
sich nicht um die Lust am Lästern dreht. Nein, wir machen uns Sorgen, die
ausgesprochen und diskutiert werden müssen. Aber wenn wir so sehr um das Wohlergehen
dieser armen Seele bangen, warum sprechen wir sie nicht darauf an? Machen
auf den Missstand aufmerksam und versuchen aufrichtig zu helfen?

Oder fehlt uns schlichtweg das Verständnis für die
Verhaltensweise der betroffenen Person? Kritisch betrachtet könnte man
meinen, unser Intellekt besitzt nicht den nötigen Weitsinn, um die Handlungen
unseres „Opfers“ nachvollziehen zu können. Oder haben wir sehr wohl verstanden
und reden, weil uns der Neid dazu treibt?

Du bist falsch und ich bin richtig

Letztlich ist es auch gleich, denn am Ende geht es doch sowieso nur darum, sich selbst zu versichern: das, was beim Gegenüber schief läuft, läuft bei uns richtig. Mit dem weiteren schönen Nebeneffekt, dass sich unser Ego ohne Anstrengung und
selbstgefällig in der Sonne aalen kann.

Wir reden uns das Lästern also einfach schön, weil uns niemand dafür belangt und weil wir uns so – auf Kosten anderer – für kurze Zeit besser fühlen können.

Aber, macht das wirklich auch nur annährend in Ordnung? Wie wäre es, wenn wir statt immer auf den Nächsten zu schielen, uns einfach mehr mit uns selbst auseinandersetzen würden? Fehler würden wir sicher ebenfalls zu Genüge finden – doch im Gegensatz zu gemeiner Lästerei hätten wir bei uns auch die Chance, wirklich was zu ändern oder zu akzeptieren und so unser Selbstwert zu steigern, ohne einen faden Beigeschmack haben zu müssen.

Dieser Beitrag erschien zuerst bei Luiseshortys und wurde bei uns in gekürzert Form veröffentlicht.  

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  1. Sorry, aber: nein. Nicht jeder lästert. Und nicht jeder, der von sich behauptet nicht zu lästern ist ein Lügner. Dieses Weltbild finde ich sehr traurig. Kennst du wirklich niemanden der nicht lästert?

    Ich kenne leider auch nur zwei Personen, wo ich mich nicht erinnern kann, dass sie das je getan hätten. Aber es gibt sie!

    Hier ein paar Tipps: Wenn jemand direkt an mich gewandt etwas über andere sagt frage ich direkt ob die Person es in Ordnung finden würde wenn dies oder jenes über sie/ihn weitergegeben wird. Oder ich zeige deutlich mein Desinteresse und versuche das Thema zu wechseln. Ich habe noch nie erlebt, dass der andere dann noch Spaß daran gehabt und weiter gemacht hätte.

    Es ist ganz einfach soetwas zu unterbinden! Spaßige und wohltuende Unterhaltungen führe ich übrigens trotzdem. 😉

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