Foto: Senta Gekeler

Ja, ich gehöre zu den nervigen Yoga-Menschen – denn dieser Sport hat mich verändert

Ich bin Teil des Yoga-Hypes und stolz darauf. Drei positive Veränderungen kann ich an mir feststellen, seit ich regelmäßig Yoga praktiziere.

 

Wie mich regelmäßiges Yoga machen verändert hat

Kaum ein Sport wird derzeit so gehypt wie Yoga. Es gibt inzwischen alle erdenklichen Variationen, von Hot Yoga über Acro-Yoga bis hin
zu Absurditäten wie Bier-Yoga. Mädels in engen Batikleggins und bärtige Hipster posieren in Krieger, Kopfstand und Krähe auf Instagram. Von allen Seiten
schwärmen Freunde und Kollegen wie „entspannt und ausgeglichen“ sie sich durchs Yoga fühlen. Und ja, ich gebe zu: Ich bin Teil des Hypes. 

Vor etwa vier Jahren fing ich an, regelmäßig Yoga zu praktizieren, erst nur im Yogastudio, dann auch allein zu Hause. Und mein Fazit lautet: Ja, verdammt, es verdient den Medienrummel. Mein Wohlbefinden hatte sich schon nach wenigen Monaten so verbessert, dass ich meine Yogapraxis mehr und mehr intensiviert habe und im Februar 2017 sogar für eine Yogalehrerausbildung einen Monat nach Indien ging. 

Seit ich regelmäßig Yoga mache, hat sich bei mir viel verändert: 

Ernährung: Der natürliche Weg zum Vegetarier

Ich habe mich schon bevor ich mit Yoga anfing, gesund ernährt und immer wieder mit dem Vegetarismus geliebäugelt, aber Yoga hat meine Intuition dafür, welche Lebensmittel mir gut tun nochmal intensiviert. Ich esse mit Genuss und würde mir niemals bewusst Verbote aufzwingen. Aber durchs Yoga haben sich manche Lebensmittel einfach nach und nach falsch angefühlt – vor allem Fleisch. Heute lebe ich bis auf sehr seltene Ausnahmen vegetarisch,
wobei frische, naturbelassene Lebensmittel wie Obst, Gemüse, Nüsse und Hülsenfrüchte den Großteil meiner Ernährung ausmachen. 

Sünden wie Pizza, Pommes und Schokolade gönne ich mir zwar auch noch regelmäßig, aber vor Junkfood-Exzessen schützt mich mein natürliches Körpergefühl. Meistens habe ich einfach viel mehr Lust auf Quinoa mit Gemüse als auf Zucker und Frittiertes. Inzwischen – und dafür musste ich dann doch erst noch ein Stück weit erwachsen werden – habe ich auch meinen Alkoholkonsum auf ein sehr moderates Level reduziert.

Körper: Definierte Form und mehr Gleichgewichtssinn

Bevor ich mit Yoga angefangen habe, war ich nicht wirklich sportlich. Ich hatte teilweise sogar eine leichte Aversion gegen körperliche Betätigung. Zum einen, weil ich Sport stets mit dem Wettbewerbsdenken verband, das man im Schulsport eingetrichtert kriegt. Und zum anderen, weil ich mich schon immer eher durch meinen Geist als durch meinen Körper definiert habe. Bevor
ich mit Yoga anfing, hielt ich Körper und Geist fälschlicherweise für zwei
voneinander getrennte Areale. Yoga war perfekt, um diese Aversion zu
überwinden. Es ist nicht nur ein Sport, sondern auch eine Philosophie und ein
Lebensstil und stimuliert mich damit gleichzeitig auf körperlicher und
geistiger Ebene. 

Zudem ist die yogische Philosophie frei von Wettbewerbsdenken;
Jeder praktiziert für sich selbst und für sein Wohlbefinden, es geht nicht
darum, in etwas der Beste zu sein oder in einer Position besonders gut
auszusehen. Yoga war demnach also ein Sport, mit dem ich mich arrangieren
konnte. Und schon nach wenigen Monaten war mein ganzer Körper definierter und sämtliche Rückenschmerzen und Nackenverspannungen, die mich als exzessive Schreibtischsitzerin plagten, waren verschwunden. 

Obwohl ich davor schon schlank gewesen bin, hatte ich ohne Diät nochmal ein paar Kilo abgenommen und Muskeln dazugewonnen. Einen weiteren überraschenden Effekt spürte ich als ich, bereits seit zwei Jahren mal wieder mit Freunden einen Hochseilgarten besuchte. Im gleichen Hochseilgarten war ich bereits ein paar Jahre zuvor gewesen und hatte damals selbst mit den einfachsten Parcours sowie meiner Höhenangst zu kämpfen. Nun, nach zwei Jahren Yoga, spazierte ich selbstbewusst wie eine Seiltänzerin über die wackligsten Hängebrücken in zehn Metern Höhe. Die Yogapraxis hatte mir offensichtlich nicht nur Kraft und Körperspannung, sondern auch einen ausgeprägten Gleichgewichtssinn und jede Menge Mut verliehen.

Immunsystem: Erkältung ist die Ausnahmesituation

Bevor ich mit Yoga anfing, hatte mich mehrmals im Jahr eine
ausgiebige Erkältung ausgeknockt, des Öfteren sogar Mandelentzündungen, die
mit Antibiotika behandelt werden mussten. Seit ich regelmäßig Yoga praktiziere,
sind Infekte die Ausnahmesituation und meist auch innerhalb weniger Tage gegessen. Wenn ich Halskratzen oder andere Symptome einer beginnenden Erkältung habe, gehe ich oft trotzdem zum Yoga und fühle mich danach wieder top fit (aber Achtung: Bei Fieber oder starken Erkältungen ist Yoga dann doch kontraproduktiv). Das hängt sicher auch mit der gesünderen Ernährung, zu der mich Yoga gebracht hat, zusammen. Und damit, dass ich mein Wissen über natürliche Immun-Booster erweitert habe. 

Die für mich wirksamsten Mittel, einer Erkältung vorzubeugen oder eine bereits bestehende zu beseitigen, sind Tee aus frischem Ingwer sowie die Wunderwurzel Kurkuma – als Tee, im Essen oder in Kapseln als Nahrungsergänzungsmittel. Die Yogaübungen tragen aber sicher auch ihren Teil zu einem gut funktionierenden Immunsystem bei.

Psyche: Der Draht zu mir selbst und der Welt

Yoga und die Psyche ist ein zweischneidiges Schwert. Zum einen: Ja, es ist wahr, Yoga macht entspannt und ausgeglichen. Andererseits kann es aber auch unterdrückte Emotionen hochholen. Sich regelmäßig nur auf den
Körper und die Atmung zu konzentrieren, führt meist auch automatisch zu einer
intensiven Konfrontation mit der Psyche und all ihren Schattenseiten. Deswegen kann Yoga auch mal sehr emotional und melancholisch machen, was sich aber in den meisten Fällen äußerst befreiend anfühlt. In meiner Yogalehrerausbildung gab es wohl kaum jemanden, der nicht wenigstens einmal richtig herzhaft geweint hat. So werden nicht nur körperliche, sondern auch emotionale Gifte ausgeschwemmt. Denn was regelmäßige Yogapraxis definitiv bewirkt: Man stellt eine intensivere Verbindung zu sich selbst, aber auch zu anderen und der Welt an sich her – schließlich ist man unbestreitbar Teil dieser Welt. 

Dadurch entwickelt man automatisch das Bedürfnis, sich selbst und der Welt möglichst viel Gutes zu tun und möglichst wenig zu schaden. Man kümmert sich seelisch und körperlich besser um sich selbst, verhält sich anderen gegenüber respektvoller und sensibler und denkt vielleicht nochmal darüber nach, was man wirklich braucht, bevor man sich mit sinnlosem Konsum überhäuft. Ich bin davon überzeugt, dass die Welt ein besserer Ort wäre, wenn mehr Leute Yoga machen würden und nehme dafür auch gerne in Kauf, dass Instagram irgendwann von Poser-Yogis überquillt.

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